Günter Wulf – Mönchengladbach

with Keine Kommentare

Berichte von Ehrenamtlern

Eine Brille für Dawid

Günter Wulf – Mönchengladbach

Was kann ein ehrenamtlicher Betreuer beim FRIEDENSDORF tun? Natürlich das Kind besuchen, mit ihm spielen, basteln, etwas Deutsch beibringen, ihm etwas mitbringen, auch mal nur Händchen halten, mit ihm spazieren gehen, ihm mal kleine Wünsche erfüllen. So wichtig das alles sicher ist, aber es gibt noch einen weiteren wichtigen Gesichtspunkt.GuenterWulf_Dawid

Das Kind ist vom FRIEDENSDORF nur mit dem alleinigen Zweck nach Deutschland geholt worden, es wieder gesund zu machen. Außer dem diagnostizierten Befund, weshalb das Kind ins Krankenhaus kommt, gibt es mitunter aber auch andere Probleme, für die es im Gegensatz zum Heimatland in Deutschland relativ einfache Hilfsmöglichkeiten gibt. Diese zu erkennen und in Absprache mit dem FRIEDENSDORF zu lösen, betrachte ich als eine gleichrangig wichtige Aufgabe des Betreuers. Wie wichtig und erfolgreich das sein kann, zeigt folgendes Beispiel von Dawid aus Georgien (Foto rechts).

Er ist zwar drei Jahre alt, sieht aber aus, als wenn er erst 18 Monate alt wäre. Er kann noch nicht sprechen und nach Aussage der Schwestern auch noch nicht laufen, schielt und hat große abstehende Ohren.

Als ich ihn zum ersten Mal besuche, streckt er gleich seine kleinen Ärmchen nach mir aus und will auf meinen Arm genommen werden.

Zufrieden schmiegt er seinen Kopf an meine Schulter. Auch bei anderen Besuchern möchte er lieber von den männlichen auf den Arm genommen werden – wir vermuten, dass er das von seinem Vater so gewohnt ist. Dem armen Kerl werden in zwei Operationen zunächst eine total geschädigte Niere entfernt und danach die deformierten Harnleiter rekonstruiert, damit nicht auch noch die andere Niere geschädigt wird. Tapfer lässt er alles über sich ergehen. Als der letzte von mehreren Kathetern aus seinem Bauch verschwunden ist, nehme ich ihn mal aus seinem Kinderbettchen heraus, stelle ihn vorsichtig auf seine Füße und staune, dass er an meiner Hand sofort anfängt, vorsichtig wie Pinocchio ganz kleine Schritte zu machen. 

Ganz langsam setzt er am Geländer an der Wand entlang einen Fuß vor den anderen. Wenn er sich bückt, um nach einem Spielzeug zu greifen, fällt uns auf, dass er die Entfernung nicht richtig einschätzen kann und immer daneben bzw. davor oder dahinter langt. Nachdem Dawid wer weiß wie lange schon Schmerzen hatte und diese nun endlich verschwunden sind, wird er von Tag zu Tag fröhlicher und strahlt immer bis zu beiden großen, abstehenden Ohren, wenn er Besuch bekommt.

Was kann ich noch Gutes tun?

Ich überlege, was man noch Gutes für ihn tun könnte. Das Krankenhaus hat schon von sich aus bei Dawid eine kostenlose Mehrfachimpfung vorgenommen. Nun bitte ich die Schwestern, falls mal ein Augenarzt im Krankenhaus sein sollte, möchten sie ihn fragen, ob er sich den kleinen Dawid mal wegen des Schielens ansehen könne. Und das gelingt tatsächlich, nur kann der Arzt ohne die Geräte in seiner Praxis nichts machen. Ich lasse mir den Namen, Dr. Egli, nennen und rufe ihn am nächsten Morgen an. Er kann sich gleich an den kleinen Dawid erinnern, hat aber erhebliche Bedenken: "Vor seiner Entlassung darf Dawid das Gelände des Krankenhauses doch nicht verlassen". "Doch, da ich eine Vormundschaftsstelle einnehme, gibt es da keine Probleme." "Wenn er nur noch ca. drei Wochen in Mönchengladbach bleibt, lohnt sich das nicht, denn beim Schielen wird das eine langwierige Angelegenheit." "Ich möchte ja nur, dass Sie ihn einmal untersuchen, um dann einen Rat geben zu können, ob und welche Heilungsmöglichkeiten es wohl gibt." "Wer zahlt denn das? Das Krankenhaus wird wohl kaum dazu bereit sein." "Nein, das Krankenhaus hat schon die ganze Operation kostenlos übernommen und, da für Dawid keine Krankenversicherung besteht, müsste auch Ihre Untersuchung kostenlos sein." "Ach so ist das, das war mir ja alles nicht bekannt, na, dann kommen Sie mal mit Dawid am nächsten Donnerstag zu mir." Juch-hu, diese Hürde wurde genommen!

Überraschung beim Augenarzt

Da Dawid noch viel getragen werden muss, nehme ich Berti, eine weitere Betreuerin aus Mönchengladbach, mit zum Augenarzt. Herr Dr. Egli ist sehr nett und versteht es meisterlich, durch geschicktes Ablenken Dawid die Angst vor den vielen Apparaten zu nehmen. Das Ergebnis der Untersuchung überrascht mich, denn neben dem Schielen hat Dr. Egli auch eine erhebliche Sehschwäche festgestellt und verordnet ihm eine Brille. Außerdem bekommen wir eine Packung mit speziellen Augenpflastern geschenkt, mit denen jeden zweiten Tag das gesunde Auge zugeklebt werden soll, damit das kranke Auge trainiert wird, geradeaus zu sehen. Also war dieser Besuch beim Augenarzt überaus erfolgreich.

Wir kommen aus dem Haus und wollen gerade zu meinem Auto gehen, als mein Blick auf einen Optikerladen fällt. "Berti, komm, wir gehen rein und versuchen es einfach!" "Herr Prüß, wir kommen gerade von Dr. Egli, der Ihnen immer die Patienten schickt. Dies ist der kleine Dawid aus Georgien, der keine Krankenversicherung hat und von Dr. Egli gerade kostenlos untersucht worden ist. Nun braucht Dawid eine Brille; und wir wollten Sie fragen, ob Sie nicht für ihn eine Brille haben, es kann ruhig auch ein Auslaufmodell sein."

"Da wollen wir doch mal sehen, was wir haben. Ich kenne zwar das FRIEDENSDORF nicht, bin aber anderweitig auch gemeinnützig tätig!" Und schon sucht Herr Prüß keine alte, sondern eine schicke blaue Harry Potter-Brille aus, mit der Dawid richtig schick aussieht. Als wir die Brille mit den bestellten Gläsern nach einigen Tagen abholen, bekommen wir sogar noch ein Etui dazu geschenkt. Ich lasse mir eine Proforma-Rechnung geben und veranlasse, dass Herr Prüß vom FRIEDENSDORF eine abzugsfähige Spendenquittung bekommt.

Dawid kann von Tag zu Tag besser laufen. Jetzt geht er vorsichtig schon freihändig über den Flur. Wenn wir ihn zu zweit an beiden Händen festhalten, rennt er schon ganz normal wie andere Kinder zwischen uns davon. Langsam lernt er auch zu sprechen, seine ersten Wörter sind nun allerdings deutsche Ausdrücke.

Nach einigen Tagen stolpert Dawid, wobei ein Bügel an seiner neuen Brille abbricht, sodass sie zur Reparatur gebracht werden muss. Als Berti bei ihrem Besuch mit Dawid etwas laufen will, ist er zu keinem Schritt zu bewegen, sondern will nur in seinem Kinderwagen liegen oder auf den Arm genommen werden. Erst als er die reparierte Brille wieder auf seiner Nase hat, läuft er sofort fröhlich wie vorher über den Gang. Erst da wird uns bewusst, welche gravierenden Folgen seine Sehschwäche hatte, und dass wir ihm mit der Brille nicht nur das bessere Sehen, sondern auch das Laufenlernen ermöglicht haben. Eine kleine Untersuchung, deren Ergebnis aber vielleicht das ganze Leben dieses Kindes entscheidend verändern wird!

Was werden die Eltern staunen! Nach nur einem halben Jahr in Deutschland bekommen sie ihr Kind zurück, das gesund ist, eine Brille trägt, laufen gelernt hat und Wörter in einer fremden Sprache sprechen kann!

Nachdem die Brille für Dawid so wichtig ist, hat Berti eine Idee: sie geht zu ihrem Optiker und fragt diesen, ob er wohl bereit wäre, eine Zweitbrille zur Verfügung zu stellen. Und wieder staunen wir, wie bereitwillig die Menschen doch sind, wenn es um einen guten Zweck geht. Der Optiker Heinrichs spendet die Ersatzbrille und empfiehlt, damit sie nicht so leicht herunterfällt, an ihr längere runde Bügel anzubringen, die sich hinter dem Ohr herumbiegen lassen.

Als Berti und ich Dawid, der sich inzwischen schon im FRIEDENSDORF befindet, dort abholen, um die Ersatzbrille bei einem dritten Optiker in Dinslaken anpassen zu lassen, wird das nicht nur gern und kostenlos gemacht, sondern es werden auch noch für die Erstbrille längere Bügel spendiert und angebracht. Schließlich bekommt Dawid für Zuhause noch eine Augenklappe, da die Spezialpflaster dort entweder nicht zu bekommen oder aber viel zu teuer sind.

"Mehr konnten wir nicht für dich tun, kleiner Dawid, aber jetzt kannst du gesund und mit besseren Aussichten für die Zukunft zu deiner Familie zurückkehren."

 

Sie möchten Ihre Erinnerungen teilen?

Haben Sie als Ehrenamtler besondere Situationen erlebt, die Sie gern anderen Interessenten mitteilen möchten? Tipps, die Sie Gleichgesinnten mit auf den Weg geben möchten? Schreiben Sie uns Ihren Text und schicken Sie bitte ein Porträt oder ein anderes Foto mit, das zu Ihren Schilderungen passt. Wir freuen uns auf Ihre Erinnerungen!

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Was kann ein ehrenamtlicher Betreuer beim FRIEDENSDORF tun? Natürlich das Kind besuchen, mit ihm spielen, basteln, etwas Deutsch beibringen, ihm etwas mitbringen, auch mal nur Händchen halten, mit ihm spazieren gehen, ihm mal kleine Wünsche erfüllen. So wichtig das alles sicher ist, aber es gibt noch einen weiteren wichtigen Gesichtspunkt.GuenterWulf_Dawid

Das Kind ist vom FRIEDENSDORF nur mit dem alleinigen Zweck nach Deutschland geholt worden, es wieder gesund zu machen. Außer dem diagnostizierten Befund, weshalb das Kind ins Krankenhaus kommt, gibt es mitunter aber auch andere Probleme, für die es im Gegensatz zum Heimatland in Deutschland relativ einfache Hilfsmöglichkeiten gibt. Diese zu erkennen und in Absprache mit dem FRIEDENSDORF zu lösen, betrachte ich als eine gleichrangig wichtige Aufgabe des Betreuers. Wie wichtig und erfolgreich das sein kann, zeigt folgendes Beispiel von Dawid aus Georgien (Foto rechts).

Er ist zwar drei Jahre alt, sieht aber aus, als wenn er erst 18 Monate alt wäre. Er kann noch nicht sprechen und nach Aussage der Schwestern auch noch nicht laufen, schielt und hat große abstehende Ohren.

Als ich ihn zum ersten Mal besuche, streckt er gleich seine kleinen Ärmchen nach mir aus und will auf meinen Arm genommen werden.

Zufrieden schmiegt er seinen Kopf an meine Schulter. Auch bei anderen Besuchern möchte er lieber von den männlichen auf den Arm genommen werden – wir vermuten, dass er das von seinem Vater so gewohnt ist. Dem armen Kerl werden in zwei Operationen zunächst eine total geschädigte Niere entfernt und danach die deformierten Harnleiter rekonstruiert, damit nicht auch noch die andere Niere geschädigt wird. Tapfer lässt er alles über sich ergehen. Als der letzte von mehreren Kathetern aus seinem Bauch verschwunden ist, nehme ich ihn mal aus seinem Kinderbettchen heraus, stelle ihn vorsichtig auf seine Füße und staune, dass er an meiner Hand sofort anfängt, vorsichtig wie Pinocchio ganz kleine Schritte zu machen. 

Ganz langsam setzt er am Geländer an der Wand entlang einen Fuß vor den anderen. Wenn er sich bückt, um nach einem Spielzeug zu greifen, fällt uns auf, dass er die Entfernung nicht richtig einschätzen kann und immer daneben bzw. davor oder dahinter langt. Nachdem Dawid wer weiß wie lange schon Schmerzen hatte und diese nun endlich verschwunden sind, wird er von Tag zu Tag fröhlicher und strahlt immer bis zu beiden großen, abstehenden Ohren, wenn er Besuch bekommt.

Was kann ich noch Gutes tun?

Ich überlege, was man noch Gutes für ihn tun könnte. Das Krankenhaus hat schon von sich aus bei Dawid eine kostenlose Mehrfachimpfung vorgenommen. Nun bitte ich die Schwestern, falls mal ein Augenarzt im Krankenhaus sein sollte, möchten sie ihn fragen, ob er sich den kleinen Dawid mal wegen des Schielens ansehen könne. Und das gelingt tatsächlich, nur kann der Arzt ohne die Geräte in seiner Praxis nichts machen. Ich lasse mir den Namen, Dr. Egli, nennen und rufe ihn am nächsten Morgen an. Er kann sich gleich an den kleinen Dawid erinnern, hat aber erhebliche Bedenken: "Vor seiner Entlassung darf Dawid das Gelände des Krankenhauses doch nicht verlassen". "Doch, da ich eine Vormundschaftsstelle einnehme, gibt es da keine Probleme." "Wenn er nur noch ca. drei Wochen in Mönchengladbach bleibt, lohnt sich das nicht, denn beim Schielen wird das eine langwierige Angelegenheit." "Ich möchte ja nur, dass Sie ihn einmal untersuchen, um dann einen Rat geben zu können, ob und welche Heilungsmöglichkeiten es wohl gibt." "Wer zahlt denn das? Das Krankenhaus wird wohl kaum dazu bereit sein." "Nein, das Krankenhaus hat schon die ganze Operation kostenlos übernommen und, da für Dawid keine Krankenversicherung besteht, müsste auch Ihre Untersuchung kostenlos sein." "Ach so ist das, das war mir ja alles nicht bekannt, na, dann kommen Sie mal mit Dawid am nächsten Donnerstag zu mir." Juch-hu, diese Hürde wurde genommen!

Überraschung beim Augenarzt

Da Dawid noch viel getragen werden muss, nehme ich Berti, eine weitere Betreuerin aus Mönchengladbach, mit zum Augenarzt. Herr Dr. Egli ist sehr nett und versteht es meisterlich, durch geschicktes Ablenken Dawid die Angst vor den vielen Apparaten zu nehmen. Das Ergebnis der Untersuchung überrascht mich, denn neben dem Schielen hat Dr. Egli auch eine erhebliche Sehschwäche festgestellt und verordnet ihm eine Brille. Außerdem bekommen wir eine Packung mit speziellen Augenpflastern geschenkt, mit denen jeden zweiten Tag das gesunde Auge zugeklebt werden soll, damit das kranke Auge trainiert wird, geradeaus zu sehen. Also war dieser Besuch beim Augenarzt überaus erfolgreich.

Wir kommen aus dem Haus und wollen gerade zu meinem Auto gehen, als mein Blick auf einen Optikerladen fällt. "Berti, komm, wir gehen rein und versuchen es einfach!" "Herr Prüß, wir kommen gerade von Dr. Egli, der Ihnen immer die Patienten schickt. Dies ist der kleine Dawid aus Georgien, der keine Krankenversicherung hat und von Dr. Egli gerade kostenlos untersucht worden ist. Nun braucht Dawid eine Brille; und wir wollten Sie fragen, ob Sie nicht für ihn eine Brille haben, es kann ruhig auch ein Auslaufmodell sein."

"Da wollen wir doch mal sehen, was wir haben. Ich kenne zwar das FRIEDENSDORF nicht, bin aber anderweitig auch gemeinnützig tätig!" Und schon sucht Herr Prüß keine alte, sondern eine schicke blaue Harry Potter-Brille aus, mit der Dawid richtig schick aussieht. Als wir die Brille mit den bestellten Gläsern nach einigen Tagen abholen, bekommen wir sogar noch ein Etui dazu geschenkt. Ich lasse mir eine Proforma-Rechnung geben und veranlasse, dass Herr Prüß vom FRIEDENSDORF eine abzugsfähige Spendenquittung bekommt.

Dawid kann von Tag zu Tag besser laufen. Jetzt geht er vorsichtig schon freihändig über den Flur. Wenn wir ihn zu zweit an beiden Händen festhalten, rennt er schon ganz normal wie andere Kinder zwischen uns davon. Langsam lernt er auch zu sprechen, seine ersten Wörter sind nun allerdings deutsche Ausdrücke.

Nach einigen Tagen stolpert Dawid, wobei ein Bügel an seiner neuen Brille abbricht, sodass sie zur Reparatur gebracht werden muss. Als Berti bei ihrem Besuch mit Dawid etwas laufen will, ist er zu keinem Schritt zu bewegen, sondern will nur in seinem Kinderwagen liegen oder auf den Arm genommen werden. Erst als er die reparierte Brille wieder auf seiner Nase hat, läuft er sofort fröhlich wie vorher über den Gang. Erst da wird uns bewusst, welche gravierenden Folgen seine Sehschwäche hatte, und dass wir ihm mit der Brille nicht nur das bessere Sehen, sondern auch das Laufenlernen ermöglicht haben. Eine kleine Untersuchung, deren Ergebnis aber vielleicht das ganze Leben dieses Kindes entscheidend verändern wird!

Was werden die Eltern staunen! Nach nur einem halben Jahr in Deutschland bekommen sie ihr Kind zurück, das gesund ist, eine Brille trägt, laufen gelernt hat und Wörter in einer fremden Sprache sprechen kann!

Nachdem die Brille für Dawid so wichtig ist, hat Berti eine Idee: sie geht zu ihrem Optiker und fragt diesen, ob er wohl bereit wäre, eine Zweitbrille zur Verfügung zu stellen. Und wieder staunen wir, wie bereitwillig die Menschen doch sind, wenn es um einen guten Zweck geht. Der Optiker Heinrichs spendet die Ersatzbrille und empfiehlt, damit sie nicht so leicht herunterfällt, an ihr längere runde Bügel anzubringen, die sich hinter dem Ohr herumbiegen lassen.

Als Berti und ich Dawid, der sich inzwischen schon im FRIEDENSDORF befindet, dort abholen, um die Ersatzbrille bei einem dritten Optiker in Dinslaken anpassen zu lassen, wird das nicht nur gern und kostenlos gemacht, sondern es werden auch noch für die Erstbrille längere Bügel spendiert und angebracht. Schließlich bekommt Dawid für Zuhause noch eine Augenklappe, da die Spezialpflaster dort entweder nicht zu bekommen oder aber viel zu teuer sind.

"Mehr konnten wir nicht für dich tun, kleiner Dawid, aber jetzt kannst du gesund und mit besseren Aussichten für die Zukunft zu deiner Familie zurückkehren."

 

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Was kann ein ehrenamtlicher Betreuer beim FRIEDENSDORF tun? Natürlich das Kind besuchen, mit ihm spielen, basteln, etwas Deutsch beibringen, ihm etwas mitbringen, auch mal nur Händchen halten, mit ihm spazieren gehen, ihm mal kleine Wünsche erfüllen. So wichtig das alles sicher ist, aber es gibt noch einen weiteren wichtigen Gesichtspunkt.GuenterWulf_Dawid

Das Kind ist vom FRIEDENSDORF nur mit dem alleinigen Zweck nach Deutschland geholt worden, es wieder gesund zu machen. Außer dem diagnostizierten Befund, weshalb das Kind ins Krankenhaus kommt, gibt es mitunter aber auch andere Probleme, für die es im Gegensatz zum Heimatland in Deutschland relativ einfache Hilfsmöglichkeiten gibt. Diese zu erkennen und in Absprache mit dem FRIEDENSDORF zu lösen, betrachte ich als eine gleichrangig wichtige Aufgabe des Betreuers. Wie wichtig und erfolgreich das sein kann, zeigt folgendes Beispiel von Dawid aus Georgien (Foto rechts).

Er ist zwar drei Jahre alt, sieht aber aus, als wenn er erst 18 Monate alt wäre. Er kann noch nicht sprechen und nach Aussage der Schwestern auch noch nicht laufen, schielt und hat große abstehende Ohren.

Als ich ihn zum ersten Mal besuche, streckt er gleich seine kleinen Ärmchen nach mir aus und will auf meinen Arm genommen werden.

Zufrieden schmiegt er seinen Kopf an meine Schulter. Auch bei anderen Besuchern möchte er lieber von den männlichen auf den Arm genommen werden – wir vermuten, dass er das von seinem Vater so gewohnt ist. Dem armen Kerl werden in zwei Operationen zunächst eine total geschädigte Niere entfernt und danach die deformierten Harnleiter rekonstruiert, damit nicht auch noch die andere Niere geschädigt wird. Tapfer lässt er alles über sich ergehen. Als der letzte von mehreren Kathetern aus seinem Bauch verschwunden ist, nehme ich ihn mal aus seinem Kinderbettchen heraus, stelle ihn vorsichtig auf seine Füße und staune, dass er an meiner Hand sofort anfängt, vorsichtig wie Pinocchio ganz kleine Schritte zu machen. 

Ganz langsam setzt er am Geländer an der Wand entlang einen Fuß vor den anderen. Wenn er sich bückt, um nach einem Spielzeug zu greifen, fällt uns auf, dass er die Entfernung nicht richtig einschätzen kann und immer daneben bzw. davor oder dahinter langt. Nachdem Dawid wer weiß wie lange schon Schmerzen hatte und diese nun endlich verschwunden sind, wird er von Tag zu Tag fröhlicher und strahlt immer bis zu beiden großen, abstehenden Ohren, wenn er Besuch bekommt.

Was kann ich noch Gutes tun?

Ich überlege, was man noch Gutes für ihn tun könnte. Das Krankenhaus hat schon von sich aus bei Dawid eine kostenlose Mehrfachimpfung vorgenommen. Nun bitte ich die Schwestern, falls mal ein Augenarzt im Krankenhaus sein sollte, möchten sie ihn fragen, ob er sich den kleinen Dawid mal wegen des Schielens ansehen könne. Und das gelingt tatsächlich, nur kann der Arzt ohne die Geräte in seiner Praxis nichts machen. Ich lasse mir den Namen, Dr. Egli, nennen und rufe ihn am nächsten Morgen an. Er kann sich gleich an den kleinen Dawid erinnern, hat aber erhebliche Bedenken: "Vor seiner Entlassung darf Dawid das Gelände des Krankenhauses doch nicht verlassen". "Doch, da ich eine Vormundschaftsstelle einnehme, gibt es da keine Probleme." "Wenn er nur noch ca. drei Wochen in Mönchengladbach bleibt, lohnt sich das nicht, denn beim Schielen wird das eine langwierige Angelegenheit." "Ich möchte ja nur, dass Sie ihn einmal untersuchen, um dann einen Rat geben zu können, ob und welche Heilungsmöglichkeiten es wohl gibt." "Wer zahlt denn das? Das Krankenhaus wird wohl kaum dazu bereit sein." "Nein, das Krankenhaus hat schon die ganze Operation kostenlos übernommen und, da für Dawid keine Krankenversicherung besteht, müsste auch Ihre Untersuchung kostenlos sein." "Ach so ist das, das war mir ja alles nicht bekannt, na, dann kommen Sie mal mit Dawid am nächsten Donnerstag zu mir." Juch-hu, diese Hürde wurde genommen!

Überraschung beim Augenarzt

Da Dawid noch viel getragen werden muss, nehme ich Berti, eine weitere Betreuerin aus Mönchengladbach, mit zum Augenarzt. Herr Dr. Egli ist sehr nett und versteht es meisterlich, durch geschicktes Ablenken Dawid die Angst vor den vielen Apparaten zu nehmen. Das Ergebnis der Untersuchung überrascht mich, denn neben dem Schielen hat Dr. Egli auch eine erhebliche Sehschwäche festgestellt und verordnet ihm eine Brille. Außerdem bekommen wir eine Packung mit speziellen Augenpflastern geschenkt, mit denen jeden zweiten Tag das gesunde Auge zugeklebt werden soll, damit das kranke Auge trainiert wird, geradeaus zu sehen. Also war dieser Besuch beim Augenarzt überaus erfolgreich.

Wir kommen aus dem Haus und wollen gerade zu meinem Auto gehen, als mein Blick auf einen Optikerladen fällt. "Berti, komm, wir gehen rein und versuchen es einfach!" "Herr Prüß, wir kommen gerade von Dr. Egli, der Ihnen immer die Patienten schickt. Dies ist der kleine Dawid aus Georgien, der keine Krankenversicherung hat und von Dr. Egli gerade kostenlos untersucht worden ist. Nun braucht Dawid eine Brille; und wir wollten Sie fragen, ob Sie nicht für ihn eine Brille haben, es kann ruhig auch ein Auslaufmodell sein."

"Da wollen wir doch mal sehen, was wir haben. Ich kenne zwar das FRIEDENSDORF nicht, bin aber anderweitig auch gemeinnützig tätig!" Und schon sucht Herr Prüß keine alte, sondern eine schicke blaue Harry Potter-Brille aus, mit der Dawid richtig schick aussieht. Als wir die Brille mit den bestellten Gläsern nach einigen Tagen abholen, bekommen wir sogar noch ein Etui dazu geschenkt. Ich lasse mir eine Proforma-Rechnung geben und veranlasse, dass Herr Prüß vom FRIEDENSDORF eine abzugsfähige Spendenquittung bekommt.

Dawid kann von Tag zu Tag besser laufen. Jetzt geht er vorsichtig schon freihändig über den Flur. Wenn wir ihn zu zweit an beiden Händen festhalten, rennt er schon ganz normal wie andere Kinder zwischen uns davon. Langsam lernt er auch zu sprechen, seine ersten Wörter sind nun allerdings deutsche Ausdrücke.

Nach einigen Tagen stolpert Dawid, wobei ein Bügel an seiner neuen Brille abbricht, sodass sie zur Reparatur gebracht werden muss. Als Berti bei ihrem Besuch mit Dawid etwas laufen will, ist er zu keinem Schritt zu bewegen, sondern will nur in seinem Kinderwagen liegen oder auf den Arm genommen werden. Erst als er die reparierte Brille wieder auf seiner Nase hat, läuft er sofort fröhlich wie vorher über den Gang. Erst da wird uns bewusst, welche gravierenden Folgen seine Sehschwäche hatte, und dass wir ihm mit der Brille nicht nur das bessere Sehen, sondern auch das Laufenlernen ermöglicht haben. Eine kleine Untersuchung, deren Ergebnis aber vielleicht das ganze Leben dieses Kindes entscheidend verändern wird!

Was werden die Eltern staunen! Nach nur einem halben Jahr in Deutschland bekommen sie ihr Kind zurück, das gesund ist, eine Brille trägt, laufen gelernt hat und Wörter in einer fremden Sprache sprechen kann!

Nachdem die Brille für Dawid so wichtig ist, hat Berti eine Idee: sie geht zu ihrem Optiker und fragt diesen, ob er wohl bereit wäre, eine Zweitbrille zur Verfügung zu stellen. Und wieder staunen wir, wie bereitwillig die Menschen doch sind, wenn es um einen guten Zweck geht. Der Optiker Heinrichs spendet die Ersatzbrille und empfiehlt, damit sie nicht so leicht herunterfällt, an ihr längere runde Bügel anzubringen, die sich hinter dem Ohr herumbiegen lassen.

Als Berti und ich Dawid, der sich inzwischen schon im FRIEDENSDORF befindet, dort abholen, um die Ersatzbrille bei einem dritten Optiker in Dinslaken anpassen zu lassen, wird das nicht nur gern und kostenlos gemacht, sondern es werden auch noch für die Erstbrille längere Bügel spendiert und angebracht. Schließlich bekommt Dawid für Zuhause noch eine Augenklappe, da die Spezialpflaster dort entweder nicht zu bekommen oder aber viel zu teuer sind.

"Mehr konnten wir nicht für dich tun, kleiner Dawid, aber jetzt kannst du gesund und mit besseren Aussichten für die Zukunft zu deiner Familie zurückkehren."

 

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Was kann ein ehrenamtlicher Betreuer beim FRIEDENSDORF tun? Natürlich das Kind besuchen, mit ihm spielen, basteln, etwas Deutsch beibringen, ihm etwas mitbringen, auch mal nur Händchen halten, mit ihm spazieren gehen, ihm mal kleine Wünsche erfüllen. So wichtig das alles sicher ist, aber es gibt noch einen weiteren wichtigen Gesichtspunkt.GuenterWulf_Dawid

Das Kind ist vom FRIEDENSDORF nur mit dem alleinigen Zweck nach Deutschland geholt worden, es wieder gesund zu machen. Außer dem diagnostizierten Befund, weshalb das Kind ins Krankenhaus kommt, gibt es mitunter aber auch andere Probleme, für die es im Gegensatz zum Heimatland in Deutschland relativ einfache Hilfsmöglichkeiten gibt. Diese zu erkennen und in Absprache mit dem FRIEDENSDORF zu lösen, betrachte ich als eine gleichrangig wichtige Aufgabe des Betreuers. Wie wichtig und erfolgreich das sein kann, zeigt folgendes Beispiel von Dawid aus Georgien (Foto rechts).

Er ist zwar drei Jahre alt, sieht aber aus, als wenn er erst 18 Monate alt wäre. Er kann noch nicht sprechen und nach Aussage der Schwestern auch noch nicht laufen, schielt und hat große abstehende Ohren.

Als ich ihn zum ersten Mal besuche, streckt er gleich seine kleinen Ärmchen nach mir aus und will auf meinen Arm genommen werden.

Zufrieden schmiegt er seinen Kopf an meine Schulter. Auch bei anderen Besuchern möchte er lieber von den männlichen auf den Arm genommen werden – wir vermuten, dass er das von seinem Vater so gewohnt ist. Dem armen Kerl werden in zwei Operationen zunächst eine total geschädigte Niere entfernt und danach die deformierten Harnleiter rekonstruiert, damit nicht auch noch die andere Niere geschädigt wird. Tapfer lässt er alles über sich ergehen. Als der letzte von mehreren Kathetern aus seinem Bauch verschwunden ist, nehme ich ihn mal aus seinem Kinderbettchen heraus, stelle ihn vorsichtig auf seine Füße und staune, dass er an meiner Hand sofort anfängt, vorsichtig wie Pinocchio ganz kleine Schritte zu machen. 

Ganz langsam setzt er am Geländer an der Wand entlang einen Fuß vor den anderen. Wenn er sich bückt, um nach einem Spielzeug zu greifen, fällt uns auf, dass er die Entfernung nicht richtig einschätzen kann und immer daneben bzw. davor oder dahinter langt. Nachdem Dawid wer weiß wie lange schon Schmerzen hatte und diese nun endlich verschwunden sind, wird er von Tag zu Tag fröhlicher und strahlt immer bis zu beiden großen, abstehenden Ohren, wenn er Besuch bekommt.

Was kann ich noch Gutes tun?

Ich überlege, was man noch Gutes für ihn tun könnte. Das Krankenhaus hat schon von sich aus bei Dawid eine kostenlose Mehrfachimpfung vorgenommen. Nun bitte ich die Schwestern, falls mal ein Augenarzt im Krankenhaus sein sollte, möchten sie ihn fragen, ob er sich den kleinen Dawid mal wegen des Schielens ansehen könne. Und das gelingt tatsächlich, nur kann der Arzt ohne die Geräte in seiner Praxis nichts machen. Ich lasse mir den Namen, Dr. Egli, nennen und rufe ihn am nächsten Morgen an. Er kann sich gleich an den kleinen Dawid erinnern, hat aber erhebliche Bedenken: "Vor seiner Entlassung darf Dawid das Gelände des Krankenhauses doch nicht verlassen". "Doch, da ich eine Vormundschaftsstelle einnehme, gibt es da keine Probleme." "Wenn er nur noch ca. drei Wochen in Mönchengladbach bleibt, lohnt sich das nicht, denn beim Schielen wird das eine langwierige Angelegenheit." "Ich möchte ja nur, dass Sie ihn einmal untersuchen, um dann einen Rat geben zu können, ob und welche Heilungsmöglichkeiten es wohl gibt." "Wer zahlt denn das? Das Krankenhaus wird wohl kaum dazu bereit sein." "Nein, das Krankenhaus hat schon die ganze Operation kostenlos übernommen und, da für Dawid keine Krankenversicherung besteht, müsste auch Ihre Untersuchung kostenlos sein." "Ach so ist das, das war mir ja alles nicht bekannt, na, dann kommen Sie mal mit Dawid am nächsten Donnerstag zu mir." Juch-hu, diese Hürde wurde genommen!

Überraschung beim Augenarzt

Da Dawid noch viel getragen werden muss, nehme ich Berti, eine weitere Betreuerin aus Mönchengladbach, mit zum Augenarzt. Herr Dr. Egli ist sehr nett und versteht es meisterlich, durch geschicktes Ablenken Dawid die Angst vor den vielen Apparaten zu nehmen. Das Ergebnis der Untersuchung überrascht mich, denn neben dem Schielen hat Dr. Egli auch eine erhebliche Sehschwäche festgestellt und verordnet ihm eine Brille. Außerdem bekommen wir eine Packung mit speziellen Augenpflastern geschenkt, mit denen jeden zweiten Tag das gesunde Auge zugeklebt werden soll, damit das kranke Auge trainiert wird, geradeaus zu sehen. Also war dieser Besuch beim Augenarzt überaus erfolgreich.

Wir kommen aus dem Haus und wollen gerade zu meinem Auto gehen, als mein Blick auf einen Optikerladen fällt. "Berti, komm, wir gehen rein und versuchen es einfach!" "Herr Prüß, wir kommen gerade von Dr. Egli, der Ihnen immer die Patienten schickt. Dies ist der kleine Dawid aus Georgien, der keine Krankenversicherung hat und von Dr. Egli gerade kostenlos untersucht worden ist. Nun braucht Dawid eine Brille; und wir wollten Sie fragen, ob Sie nicht für ihn eine Brille haben, es kann ruhig auch ein Auslaufmodell sein."

"Da wollen wir doch mal sehen, was wir haben. Ich kenne zwar das FRIEDENSDORF nicht, bin aber anderweitig auch gemeinnützig tätig!" Und schon sucht Herr Prüß keine alte, sondern eine schicke blaue Harry Potter-Brille aus, mit der Dawid richtig schick aussieht. Als wir die Brille mit den bestellten Gläsern nach einigen Tagen abholen, bekommen wir sogar noch ein Etui dazu geschenkt. Ich lasse mir eine Proforma-Rechnung geben und veranlasse, dass Herr Prüß vom FRIEDENSDORF eine abzugsfähige Spendenquittung bekommt.

Dawid kann von Tag zu Tag besser laufen. Jetzt geht er vorsichtig schon freihändig über den Flur. Wenn wir ihn zu zweit an beiden Händen festhalten, rennt er schon ganz normal wie andere Kinder zwischen uns davon. Langsam lernt er auch zu sprechen, seine ersten Wörter sind nun allerdings deutsche Ausdrücke.

Nach einigen Tagen stolpert Dawid, wobei ein Bügel an seiner neuen Brille abbricht, sodass sie zur Reparatur gebracht werden muss. Als Berti bei ihrem Besuch mit Dawid etwas laufen will, ist er zu keinem Schritt zu bewegen, sondern will nur in seinem Kinderwagen liegen oder auf den Arm genommen werden. Erst als er die reparierte Brille wieder auf seiner Nase hat, läuft er sofort fröhlich wie vorher über den Gang. Erst da wird uns bewusst, welche gravierenden Folgen seine Sehschwäche hatte, und dass wir ihm mit der Brille nicht nur das bessere Sehen, sondern auch das Laufenlernen ermöglicht haben. Eine kleine Untersuchung, deren Ergebnis aber vielleicht das ganze Leben dieses Kindes entscheidend verändern wird!

Was werden die Eltern staunen! Nach nur einem halben Jahr in Deutschland bekommen sie ihr Kind zurück, das gesund ist, eine Brille trägt, laufen gelernt hat und Wörter in einer fremden Sprache sprechen kann!

Nachdem die Brille für Dawid so wichtig ist, hat Berti eine Idee: sie geht zu ihrem Optiker und fragt diesen, ob er wohl bereit wäre, eine Zweitbrille zur Verfügung zu stellen. Und wieder staunen wir, wie bereitwillig die Menschen doch sind, wenn es um einen guten Zweck geht. Der Optiker Heinrichs spendet die Ersatzbrille und empfiehlt, damit sie nicht so leicht herunterfällt, an ihr längere runde Bügel anzubringen, die sich hinter dem Ohr herumbiegen lassen.

Als Berti und ich Dawid, der sich inzwischen schon im FRIEDENSDORF befindet, dort abholen, um die Ersatzbrille bei einem dritten Optiker in Dinslaken anpassen zu lassen, wird das nicht nur gern und kostenlos gemacht, sondern es werden auch noch für die Erstbrille längere Bügel spendiert und angebracht. Schließlich bekommt Dawid für Zuhause noch eine Augenklappe, da die Spezialpflaster dort entweder nicht zu bekommen oder aber viel zu teuer sind.

"Mehr konnten wir nicht für dich tun, kleiner Dawid, aber jetzt kannst du gesund und mit besseren Aussichten für die Zukunft zu deiner Familie zurückkehren."

 

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