Schwerpunkt: Projektarbeit – Teil 4

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Hilfsgüterlieferungen und Soforthilfe

Mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein

Mangel an Allem, wie operieren, wenn Narkosemittel, chirurgisches Nahtmaterial und Verbandsstoffe fehlen? Wie Antibiotika, Schmerzmittel, Durchfallmedikamente verabreichen, wenn es entweder gar nicht oder für arme Menschen nur zu unerschwinglichen Preisen erhältlich sind? In unseren Partnerländern mangelt es häufig am Notwendigsten, um überhaupt eine medizinische Grundversorgung zu gewährleisten. Für unsere Einsatzteams ist der Anblick von Kindern, deren offene Wunden mit alten und dreckigen Tüchern abgedeckt sind, keine Seltenheit, einfach weil es keine Verbandsmaterialien gibt.

So unterstützt das Friedensdorf seine Partnerorganisationen regelmäßig mit umfangreichen Hilfsgütersendungen. Allein im Jahr 2015 wurden 114 Tonnen Hilfsgüter verschickt. Je nach Bedarf waren dies medizinisch - technische Geräte, Verbandsmaterialien, orthopädische Hilfsgüter, Medikamente und auch Kleidung. Sehr beliebt sind die eigens für das Friedensdorf produzierten isotonischen Brausetabletten, die seit einigen Jahren besonders bei Mangelernährung oder Durchfallerkrankungen eingesetzt werden. Jährlich werden 30.000 Röhrchen in die ganze Welt verschickt und über die Partnerorganisationen verteilt.

Auf Anfrage wurden auch Transportfahrzeuge entsendet, die als Schulbusse in Sri Lanka und Rumänien genutzt werden, um Kindern aus abgelegenen Orten den Schulbesuch zu ermöglichen. Die Lieferung eines Traktors nach Gambia erleichtert den Bauern die schwere Arbeit in der Landwirtschaft.

Im Rahmen der Sofort- und Katastrophenhilfe sind die Möglichkeiten des Friedensdorfes logistisch sehr begrenzt. Dies ist nur dort umsetzbar, wo die Infrastruktur durch zuverlässige Partnerorganisationen gesichert ist und diese in der Lage sind, die Verteilung von Hilfsgütern zu koordinieren und zu kontrollieren. So konnten nach dem erneuten Kriegsausbruch im Gazastreifen 2014 zwei Emergency Health Kit ́s (medizinisches Notfallsortiment nach WHO Standard) als Soforthilfe über die palästinensischen Projektpartnern vor Ort verteilt werden.

Nach der Tsunamikatastrophe im Dezember 2004 war es dem Friedensdorf möglich binnen kürzester Zeit drei Flugzeuge mit über 210 Tonnen Hilfsgütern als Soforthilfe nach Sri Lanka zu schicken, die dort über die Partner schnell und unbürokratisch, vor allem im besonders stark betroffenen aber schwer zugänglichen Nordosten und Norden des Landes, verteilt werden konnten.

Vielleicht erscheint dies Alles nur wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Für das Mädchen in den Bergen Tadschikistans aber, das durch die Spende eines Rollstuhls nun seinen Bewegungsradius deutlich erweitern und Neues erleben kann, ist dies Geschenk von unschätzbarem Wert..

 

Bürgerpaketaktion

Ohne Hunger durch den Winter

Mit Beginn des Friedensdorf Dorffestes im September startet auch die jährlich stattfindende Bürgerpaketaktion. Seit über 20 Jahren helfen diese Lebensmittelpakete armen Menschen in Georgien, Armenien, Nagorny Karabach und seit 2007 auch in Tadschikistan über den oft bitterkalten Winter. In Deutschland erwerben Bürger, Schulklassen oder Jugendgruppen standardisierte Pakete und füllen diese mit haltbaren Lebensmitteln und warmer Kleidung.

Die Pakete werden vom Friedensdorf in die genannten Länder entsendet und vor Ort von den Friedensdorf-Partnerorganisationen an Menschen in Not, Krankenhäuser und Waisenhäuser verteilt. Die Paketaktion ist auf beiden Seiten eine logistische Meisterleistung: zahlreiche Einzelpakete werden an diversen Sammelstellen in der Bundesrepublik zusammengetragen, so dass zum Jahresende insgesamt rund 5000 Pakete in diese Länder geschickt werden können.

Am Zielort wiederum werden die Pakete erneut in kleinere Chargen aufgeteilt und entsprechend der Dringlichkeit an Bedürftige verteilt. Dabei hilft ein einziges Paket einer ganzen Familie einige Wochen über den schweren Winter – u.a. durch Tauschhandel der oftmals beliebten Waren und Geschenke aus Deutschland.

Auch bei dieser Aktion bestätigt sich wieder einmal, dass das A und O: eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit einheimischen Projektpartnern ist. Durch das Kennen und Wissen der lokalen Strukturen und die Netzwerke der jeweiligen Partnerorganisation sind eine entsprechende Nachhaltigkeit und effektive Verteilung gesichert. Leider können diesjährig keine Pakete aufgrund neuer, strenger Zollbestimmungen in Georgien den bedürftigen Familien übergeben werden.

Exkurs: Friedensdorf-Partner stehen in den Ländern für Neutralität.

Organisationen im Land werden mit Unterstützung des Friedensdorfes nur dann gegründet, wenn keine entsprechende Infrastruktur durch bereits existierende Organisationen gegeben ist. Das Spektrum unserer Partnerorganisationen reicht von großen eigenständigen Organisationen wie der afghanische Rote Halbmond in Kabul bis hin zu Ein-Frau und Zwei-Mann Büros – wie die armenische Kinderstiftung.

Mit wenig Geld Vieles erreichen

Alle Projekte von Friedensdorf International, die teilweise in Kooperation mit anderen Hilfsorganisationen und Unterstützern entstehen, werden überwiegend aus Spenden finanziert. Ein großer Geldgeber ist mittlerweile die FRIEDENSDORF-GEMEINSCHAFTSSTIFTUNG mit verschiedenen Unterstiftungen, die seit 2004 durch Zinsausschüttungen von über 1,6 Mio Euro etliche Projekte finanziert. Einzelne Projekte werden zudem durch externe Unterstützer wie z.B. den Bürgern der Stadt Solingen finanziert. Die Projekte überzeugen durch Kontinuität, Nachhaltigkeit und Orientierung am tatsächlichen Bedarf – aus Sicht der Partner zusätzlich durch die schnelle und unbürokratische Bearbeitung von Projektanträgen und deren unkomplizierte Umsetzung.

Es braucht meist nur wenig Geld, um die Lebenssituationen der Menschen vor Ort entscheidend zu verbessern, so wie z.B. in Afghanistan. Plötzlich Trinkwasser aus einem Brunnen in direkter Nähe holen zu können, bedeutet für die Bewohner, darunter teils 5 und 6 jährige Kinder, tagtäglich nicht mehr bei Wind und Wetter, Berg auf und Berg ab mit viel zu schweren Kanister zu kilometerweit entfernten Brunnen oder Flüssen laufen zu müssen.

Entbindungen im Beisein qualifizierter Hebammen wie in den Basisgesundheitsstationen reduzieren das Risiko von Komplikationen bei der Geburt und die Kinder können von Beginn an ein weitestgehend gesundes Leben führen. Gezielte Impfprogramme verhindern den Ausbruch von Kinderkrankheiten, die in unseren Partnerländern schwerwiegende Folgen nach sich ziehen können.

Mit nur wenig Geld ist es möglich die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort effizient und nachhaltig zu verbessern und so hoffen wir die Friedensdorf Projektarbeit in den kommenden Jahren gemeinsam mit unseren Partnern vorantreiben und ausbauen zu können.

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