Friedensdorf-Netzwerk Solingen

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Ein Beispiel der Menschlichkeit
aus dem Bergischen Land

Solinger Friedensdorf-Netzwerk

Alle sind da, wenn man sie braucht. Die Chirurgen und Hausärzte, die Sanitäter, der Rentner, der Unternehmer, die Journalistin, die Kliniksprecherin. Wenn in Solingen Kinder des Friedensdorfes operiert werden, ist das irgendwie anders als anderswo. Alle wissen davon, alle wollen helfen. Danach ziehen sie sich wieder bescheiden zurück – bis zum nächsten Einsatz.

Es macht die Runde, wenn – wie 2016 im August – zwei kleine Afghanen in der Ohligser St. Lukas-Klinik versorgt werden. Das macht Kieferchirurg Dr. ErichTheo Merholz, ein Friedensdorf-Helfer der ersten Stunde. Seit den 80er Jahren operiert der Chefarzt der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie mit seinem Team komplizierte Fälle der Lippenkiefergaumenspalte. 

Auch im benachbarten Haan liegen zu dieser Zeit zwei Kinder. Auch aus Afghanistan. Oder im Klinikum Solingen. Dort meist auf der Unfallchirurgie oder bei urologischen Eingriffen in der Abteilung von Prof. Markus Heuser.  Nur zwei Operateure von fünf Krankenhäusern, die allein in den vergangenen achtzehn Monaten 22 Kinder versorgten. Vorreiter ist hier die Kplus-Gruppe. Ein katholischer Träger, der im christlichen Selbstverständnis Kriegskinder versorgt. Auch in Zeiten knapper Kassen. 

Über Jahre hat sich dieses Netzwerk gebildet. Eines, von dem eigentlich keiner wusste, dass es den anderen gab. Bis man sich eines Nachmittags an einen großen Tisch setzte. Da wusste plötzlich der eine, was der andere kann, der dritte verabredete sich mit dem vierten und so weiter.

Manchmal sind es Dinge, die man nicht sofort erkennt. Nehmen wir das Beispiel vom Fixateur. Der wurde bei einem Mädchen aus Angola dringend gebraucht. Und kostete zusätzliches Geld. Beschafft und bezahlt wurde er vom Praxisnetzwerk Solimed. Das ist ein Verbund von Hausärzten, die für solche Fälle eine Kasse haben und gerne geben. 

Aber was wäre das alles ohne die anderen Helfer. Die, die die Kinder betreuen, mit ihnen spielen, neue Wäsche ins Krankenzimmer bringen, einfach da sind, wenn das Heimweh kommt. Oder die Helfer, die den Friedensdorf-Gedanken weiter in die bergische Welt tragen - mit Vorträgen, Ausstellungen, Symposien.

Oder die vom Deutschen Roten Kreuz Solingen. Der Kreisverband zählt seit 2006 zu den aktivsten der Helfergemeinschaft, die mit Rettungswagen die Kinder vom Flughafen in die Kliniken fahren - bundesweit. Vom Rhein aus, manchmal bis nach Niebüll oder München. Im Schnitt sind dann allein aus Solingen acht Einsatzfahrzeuge dabei, bewegt von bis zu 20 Helfern. Hinzu kommen die benachbarten DRK’ler aus Mettmann oder Remscheid.

Die Hilfe für das Friedensdorf – sie hat in Solingen eine lange Tradition. Zurück geht sie auf die 70er Jahre, als Kriegskinder aus Vietnam kamen. Einer der ersten ehrenamtlichen Vorstände der Aktion Friedensdorf e.V., Politiker Bernd Passmann, kommt aus der Klingenstadt. 

Klar, dass etwas von der Geschichte der ersten Stunde übrig bleibt. Heute führt das dazu, dass Solinger immer wieder mit neuen Ideen zur Friedensdorf-Hilfe beitragen. Etwa mit dem Solingen-House. Zwei der kambodschanischen Basisgesundheitsstationen, die vom Friedensdorf gebaut werden, heißen so und wurden nur mit Mitteln aus der Solingen gestemmt. Besonders Unternehmer halfen hier, immerhin ging es um eine Summe von über 100.000 Euro. Bei einem Wohltätigkeitsessen kamen alleine gut 11.000 Euro zusammen. 

Als ein Solinger Helfer nach dem Tsunami 2004 einen Hilfsflug nach Sri Lanka begleitete, war mit Hilfe des Solinger Tageblattes die Aktion „Solingen hilft Sri Lanka“ geboren. Gut 80.000 Euro an Spenden konnten so zweckgebunden dem Friedensdorf übergeben werden. 

So etwas ist ein Highlight, die Kür eben. Die Pflicht ist das Alltagsgeschäft für die Kriegs- und Krisenkinder: Stricken, basteln und Marmelade kochen für Weihnachtsbasare, Vorträge und Diashows halten - oder ganz einfach: Einen Scheck in Empfang nehmen.  Das tut dann besonders gut.

Das Solinger Friedensdorf-Netzwerk  erhielt 2014 den Agendapreis der Stadt Solingen. Der Preis wird jährlich an Personen, Gruppen oder Vereine verliehen, die sich für eine lebenswerte Zukunft heutiger und nachkommender Generationen einsetzen.

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