30 Jahre Hilfe für afghanische Kinder

30 Jahre Hilfe für afghanische Kinder

 

Während sich Europas Rechtspopulisten bei einem Treffen in Koblenz gemeinsam auf das Wahljahr 2017 einschwören und der neue US-Präsident Donald Trump die Welt auf seine Art in Atem hält, berichten die Vereinten Nationen am Rande über die aktuelle Lage in Afghanistan.

Aus dem neuen humanitären Aktionsplan der UN geht hervor, dass für 2017 weitere 450.000 Kriegsvertriebene in Afghanistan erwartet werden, zusätzlich zu den bereits in 2016 registrierten knapp 630.000 Binnenflüchtlingen. 9,3 Millionen Menschen - das sind 1/3 der afghanischen Gesamtbevölkerung - werden demnach in diesem Jahr in Afghanistan in Not sein. Im Durchschnitt würden jeden Tag 1.500 Menschen aus ihren Dörfern fliehen. Es gibt immer mehr Gegenden, über die die Regierung keine Kontrolle mehr habe und so seien ungefähr 20 Prozent der Menschen in Not nur extrem schwer zu erreichen. 40 Prozent der Afghanen hätten nicht regelmäßig genug zu essen und mehr als eine Million Kinder bräuchten eine Behandlung wegen akuter Unterernährung, die aber meistens nicht möglich ist. Denn 40 Prozent der Afghanen hätten immer noch keinen Zugang zum Gesundheitssystem.

Hinter diesen nackten Zahlen steckt eine bittere Realität für die Menschen in Afghanistan. Hiervon erhält Friedensdorf International auf seinen regelmäßigen Hilfseinsätzen am Hindukusch Einblicke. Ende Januar startete die Oberhausener Kinderhilfsorganisation den 75. Hilfseinsatz in Afghanistan. Es ist eine traurige Notwendigkeit, dass das Friedensdorf mittlerweile seit 30 Jahren afghanischen Kindern im Rahmen der Einzelfallhilfe helfen muss, da eine medizinische Behandlung in der Heimat unmöglich ist. Kranke und verletzte Kinder werden zur kurzfristigen medizinischen Behandlung nach Deutschland geholt und nach ihrer Genesung schnellstmöglich zu ihren wartenden Familien zurückgebracht.

Die ersten afghanischen Kinder kamen 1987 aus pakistanischen Flüchtlingslagern ins Friedensdorf. An Heiligabend 1988 landete dann die erste Kindergruppe direkt aus Kabul auf dem Frankfurter Flughafen und wurde vom Heeresfliegerregiment der Bundeswehr nach Düsseldorf geflogen, von wo aus sie in Krankenhäuser in NRW verteilt wurden. Unter der kommunistischen Regierung und der sowjetischen Besatzung, während die Mudjaheddin Kabul in Schutt und Asche legten, unter den Taliban, später dann unter Karsai und auch heute noch, hat Friedensdorf International zusammen mit der afghanischen Partnerorganisation regelmäßig und zuverlässige Hilfe leisten können. Dies ist auch deshalb möglich, weil das Friedensdorf nicht parteiisch und nicht konfessionell gebunden ist.  Hilfe ist nach 30 Jahren weiterhin dringend notwendig, da sich die Situation besonders für die armen Menschen am Hindukusch nicht verbessert hat.

Über die Zukunft des Landes macht sich Leiter Thomas Jacobs keine Illusionen: "Mit Militär kann man Afghanistan nicht befrieden. Uns fehlen die tieferen Einblicke in die Probleme des Landes. Man muss die Menschen vor Ort stärken." Die Kinder, die zur medizinischen Behandlung in der Regel ein halbes Jahr in Deutschland bleiben, nähmen neben der medizinischen Behandlung eine weitere Erfahrung mit: den friedlichen Umgang miteinander.

Foto: Uli Preuss

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