Rückkehr aus Zentralasien

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Friedensdorf beendet Einsatz in Tadschikistan, Kirgistan und Usbekistan

Drei Länder in 20 Tagen, an zwölf Orten und insgesamt rund 1000 kranke und verletzte Kinder gesehen – so lautet die nüchterne Zusammenfassung des soeben abgeschlossenen Einsatzes von Friedensdorf International. Hinter diesen Zahlen verbergen sich Hundertfache Hoffnung und Dankbarkeit der Familien, ein beeindruckendes Engagement der lokalen Partnerorganisationen und eine besondere zentralasiatische Herzlichkeit.

Für das Einsatzteam hieß es in den letzten drei Wochen jeden Tag: den Koffer packen und eine andere Provinz bereisen, wo sich täglich in den Krankenhäusern duzende Familien mit ihren kranken und verletzten Kindern vorstellten und auf Hilfe in Europa hofften. Dies ist nicht immer möglich aber auch nicht immer notwendig. Durch die von Friedensdorf International finanzierten Operationen können nämlich viele Kinder vor Ort, in der Nähe ihrer Familie, behandelt werden und müssen nicht zur medizinischen Versorgung nach Deutschland fliegen. Bei einigen Kindern ist eine Behandlungen aber aufgrund der Schwere ihrer Verletzung in der Heimat nicht möglich, sodass diese Kinder bei einem der kommenden Einsätze des Friedensdorfes in Deutschland aufgenommen werden.

Das Einsatzteam Mareike Jansen und Kevin Dahlbruch konnten viele Eindrücke von den schwierigen Lebensbedingungen der Menschen sammeln. Eine medizinische Versorgung, wie es in Europa und erst Recht in Deutschland möglich ist, ist für die dortige Bevölkerung alles andere als selbstverständlich. So beschreiben die Partner die medizinische Versorgung in Tadschikistan, wo das Friedensdorf seit 1994 hilft, wie folgt: Es gibt deutliche Unterschiede zwischen der Stadt- und der Landbevölkerung (ca. 75% der Einwohner Tadschikistans leben auf dem Land). In der Stadt seien Kontrolluntersuchungen während der Schwangerschaft und eine Geburt im Krankenhaus eigentlich normal. Auf dem Land jedoch gibt es keine spezialisierten Zentren, sodass die Frauen, alleine mit Hilfe von Dorfhebammen oder älteren Frauen entbinden. Dies kann u.a. die hohe Anzahl der vielfältigen Behinderungen erklären, die Kinder in Tadschikistan haben.

Hier versucht das Friedensdorf durch den Aufbau von Projekten Abhilfe zu schaffen. Die bisher laufenden Projekte überzeugten in allen drei Ländern und sollen zukünftig noch weiter ausgebaut werden. So wird in Tadschikistan ein Reha-Bereich aufgebaut, wo neben Krankengymnastik auf Dauer orthopädische Hilfsmittel hergestellt werden. In Kirgistan und Usbekistan werden Operationen von bestimmten Krankheiten finanziert und die notwendigen Operationsgeräte bereitgestellt, sodass viele Kinder in den Heimatländern operiert werden können. Somit konnten viele der kleinen Patienten, die sich dem Team in Usbekistan und Kirgistan vorgestellt haben, an die laufenden Projekte vermittelt werden und müssen somit nicht die Reise nach Europa antreten.

Hoffnung weckt die zunehmend entspannte Beziehung zwischen den Präsidenten der drei Länder. Dies war in den vergangenen Jahren nicht der Fall und führte zu entsprechenden Problemen für die Bevölkerung. Dass die diplomatischen Verwicklungen, die hoffentlich der Vergangenheit angehören, aber nicht die Meinung der Bevölkerung wider spiegele, zeigt auch die Tatsache, dass der usbekische Friedensdorf-Partner Dr. Nurov den Einsatz im überwiegend von Usbeken bewohnten Teil Kirgistans begleitete. Hier konnte er sein medizinisches Fachwissen und die Erfahrungen aus 15 Jahren Zusammenarbeit mit dem Friedensdorf einfließen lassen und nebenbei auch sprachlich weiterhelfen. Umgekehrt begleitete die Partnerin aus Kirgistan, mit der das Friedensdorf seit 5 Jahren kooperiert, einige Tage den Einsatz nach Usbekistan und war beeindruckt von der Logistik und Organisation.

In einem Bericht schildert das Einsatzteam aus Usbekistan: „Wir sind fast täglich an einem anderen Ort und viele Familien kommen mit ihren kranken Kindern, um sich Rat von den lokalen Ärzten einzuholen und eine Behandlungsmöglichkeit in Deutschland zu erfragen. Wie auch schon in unseren anderen beiden Partnerländern sind vor allem die Begegnungen mit ehemaligen Schützlingen eine große Freude. So sollen wir auch immer wieder viele Grüße in Deutschland ausrichten! Es ist toll zu sehen, wie gut die ehemaligen Patienten oftmals mit den Folgen ihrer damaligen Erkrankungen und Verletzungen zurechtkommen, wie gut sie wieder in ihrer Heimat angekommen und wie dankbar die Familien sind. Nicht selten hören wir von unseren Partnern hier, wie sehr diese Kinder die Idee des Friedensdorfes ein Leben lang in ihren Herzen tragen.“

Zwei tadschikische und zwei kirgisische Kinder, die vorübergehend in Deutschland waren, konnten sich zwischenzeitlich mit ihren Familien über das langersehnte Wiedersehen freuen. Da ihre Behandlungen bereits abgeschlossen waren, konnten sie schon jetzt die Heimreise mit dem Einsatzteam antreten und mussten nicht auf die nächste Transportmöglichkeit im August 2017 warten. Dann wird der nächste große Afghanistan Kombinationseinsatz stattfinden, bei dem kranke und verletzte Kinder aus Afghanistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kirgistan und dem Kaukasus mit einem Charterflugzeug zur medizinischen Behandlung nach Deutschland kommen werden und die bis dahin  gesunden Kinder zurück zu ihren Familien fliegen werden. Vorab wird das Friedensdorf im Mai noch Einsätze in Angola und Gambia durchführen.

 

Eine Antwort

  1. Maria Sowa
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    Was bedeutet der Einsatz dieser Riesenbombe auf Afghanistan für Eure Arbeit? Der Einsatz erinnert mich an die schrecklichen Folgen aller gewaltsamen Engagements der Amerikaner in den letzten Jahrzehnten, die unter dem Motto der Hilfe für unterdrückte Völker und der Freiheit ihre neuesten und immer unmenschlicheren Waffen ausprobierten. Die Atomwaffe auf Hiroshima, die Napalmbomben, die als Feuer vom Himmel fielen in Vietnam- und nun Afghanistan.
    Ich habe Herrn Gegenfurtner nach einem seiner ersten Besuche in Afghanistan getroffen, vor dem Einsatz unserer Bundeswehr- und er hat verbittert und verzweifelt gesagt” die Amerikaner haben in wenigen Monaten mehr zerstört, im Namen der Menschlichkeit, als die Russen in den vielen Jahren ihrer Belagerung von Afghanistan und jetzt machen wir uns mitschuldig” “Gott schütze uns vor unseren Freunden” Wer stoppt Trump?

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