Wir werden die Kinder nicht im Stich lassen

61. Angola Hilfseinsatz - Gemischte Gefühle bei der Einsatzbesprechung!

Zurück aus Angola… Die wievielte Einsatzbesprechung am frühen Morgen nach dem Übernachtflug ist das nochmal? Nummer 61… Einundsechzig mal Tränen der Freude bei Eltern, die Rückkehrer in Empfang nehmen können. Oder auch einen Brief ihrer Kinder, die diesmal noch nicht mitkommen konnten. Aber auch zum einundsechzigsten Mal die düstere Seite: kranke und verletzte Kinder, die auf Hilfe in Deutschland hoffen. Erschütternde Schicksale, selbst für das Einsatzteam verstörende Krankheitsbilder. Tränen der Verzweiflung bei jenen, die nicht in den deutschen Charterflieger steigen können. Ein Flugzeug, das dank der erneuten Finanzierung durch die Aktion „Sternstunden" des Bayerischen Rundfunks überhaupt erst möglich war. Aber auch bei „Hilfseinsatz 61“ ist im Team-Meeting von Routine nichts zu spüren. Tiefes, ehrlich empfundenes Mitgefühl prägt jede einzelne Wortmeldung.

Eine Einsatzbesprechung mit einem lachenden aber auch vielen tränenden Augen“, leitet Friedensdorfleiter Thomas Jacobs ein. „Positiv ist, dass wir mit dem 9. Gambia-Einsatz und dem 61. Angola-Hilfsflug erstmals gleichzeitig zwei Einsätze erfolgreich organisieren konnten. Aber wir müssen uns der dramatischen Situation stellen, dass die Krankenhäuser hierzulande nicht mehr in dem Maße mitmachen, wie zuvor.“

Betten für eine kostenlose Behandlung der Friedensdorf-Schützlinge zu bekommen, war nie einfach. Aber die Lage spitzt sich dramatisch zu. Erst am Vorabend gab es „Alarm“: trotz schriftlicher Zusage sagt ein Klinikpartner die versprochenen Plätze ab. „Das traf ausgerechnet jene beiden Kinder, die unsere Hilfe am dringendsten nötig haben…“. 

Bisher sind wir eigentlich immer mit dem positiven Gefühl nach Angola geflogen, dass wir Hilfe und Hoffnung bringen können“, sagt Einsatzteam-Leiter Kevin Dahlbruch. „Diesmal aber hatten wir von vornherein ein mulmiges Gefühl. Wir wussten, dass wir nicht alle wartenden Kinder mitnehmen können, dass wir Hilfe verwehren müssen. Das war für mich, für uns alle, sehr, sehr schwer.“

Seine Teamkollegin Maria Tinnefeld, die viele der 61 Einsätze mitgemacht hat, ergänzt: „Die Situation in Angola wird immer schlechter. Wir könnten 100 Flugzeuge mit eindeutig bedürftigen Kindern füllen – tatsächlich hatten wir dann nur für gerade mal 45 Patienten Betten.“ Die fehlenden Klinikbetten sind nur eine Facette des Problems. „Die Anforderungen auf deutscher Seite werden immer extremer und scheitern an der Realität in Angola. Es ist einfach nicht möglich, immer alle geforderten Informationen zu bekommen. Ein großes Blutbild, Abstriche, selbst ein ausführlicher Arztbrief ist von den meisten Familien im Vorfeld nicht zu beschaffen, geschweige denn zu bezahlen.“

Dr. Tobias Bexten, ein Klinikarzt aus dem Frankfurter Raum, der seit vielen Jahren bei jedem Angola-Flug dabei ist, resümiert: "Bei einigen Krankenhäusern, die zu großen Trägerunternehmen gehören, mögen wirtschaftliche Überlegungen gegen ein Engagement sprechen. Das ist bei unseren Klinik-Partnern aber eher nicht der Fall, denke ich. Es stimmt schon: viele Krankenhäuser sind einfach zu, haben keine Betten frei, sind selbst für die normale Notfallversorgung in Deutschland dicht. Wir dürfen uns davon nicht unterkriegen lassen, selbst wenn wir heute Morgen etwas ratlos sind. Es gibt 3.700 Kliniken in Deutschland, 1.900 davon sind für unsere Anstrengungen potentiell geeignete Partner. Da muss einfach Hilfe möglich sein!“ 

Ein Aufruf, der zu denken gibt. Friedensdorf International finanziert seine Hilfsleistungen für Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten nahezu ausschließlich aus Spenden und ist auf die Partnerschaft mit deutschen Krankenhäusern dringend angewiesen. Kliniken, die sich für eine Kooperation interessieren, finden erste Basisinformationen auf unserer Website. Selbstverständlich steht das Friedensdorf-Team auch für direkte Kontakte jederzeit zur Verfügung: unter der E-Mail-Adresse krankenhaus@friedensdorf.de oder über die Rufnummer 02064 4974-0. Aktuelles vom Friedensdorf gibt’s im Blog.

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