Mit einem lachenden und weinenden Auge in Afghanistan

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Kurzbericht aus Kabul:

Hallo nach Deutschland,

anders als bei den üblichen Afghanistan-Einsätzen berichten wir Euch als Einsatzteam dieses Mal nur mit einem einzigen Blog – entschuldigt, wenn es daher etwas ausführlicher wird. Dadurch dass wir zum ersten Mal in den 3 Jahrzehnten der Friedensdorf-Einzelfallhilfe für Afghanistan keine Kinder nach Deutschland einladen konnten, erforderte dieser Einsatz eine ganz andere Logistik, sodass auch wir nur kürzer hier vor Ort sind.

Wie wir bereits berichtet haben, ist die deutsche Visastelle in Kabul seit dem Anschlag im Frühjahr geschlossen. Wir konnten uns selbst ein flüchtiges Bild von der Zerstörung hier machen. Wie uns Freunde hier berichten, hat sich das Gefühl zur Sicherheitslage allgemein verschlechtert. Wir hoffen wirklich sehr, dass wir in Zukunft wieder die Möglichkeit haben, Visa für afghanische Kinder zu bekommen – haben wir doch allein in den letzten drei Tagen knapp 50 Kinder mit Knochenentzündungen und anderen Problemen gesehen, die medizinische Hilfe dringend benötigen würden.

Die Kinder, die wir auf ihrem Heimflug begleiten durften, haben uns mal wieder gezeigt, wie wichtig und sinnvoll die Friedensdorf-Einzelfallhilfe ist. Angesichts des ungewöhnlichen Rückflugs mit einer konventionellen Passagiermaschine und der langen Wartezeit  am Umsteige-Flughafen haben uns die Kinder mehr als beeindruckt. Sie waren unglaublich geduldig und brav; sie haben sich gegenseitig unterstützt und aufeinander geachtet; sie waren stets gut gelaunt und tapfer, auch wenn wir mitten in der Nacht zum Umsteigen eine kilometerlange Strecke von einem Gate zum anderen – und plötzlich doch wieder zurück – laufen mussten. Selbst als die Kinder 24 Stunden nach Aufbruch in Deutschland endlich bei ihren Familien ankamen, hatten sie immer noch ein Lachen auf dem Gesicht – und das, obwohl für die meisten die Reise noch längst nicht zu Ende war, sondern in ihre Heimatprovinzen weitergeht.

Neben den neuvorgestellten und den behandelten Kindern sind insbesondere die Begegnungen mit unseren ehemaligen Schützlingen immer wieder schön. Zum Glück konnten wir auch auf dem Linienflug die so wichtigen Medikamente für die Vielzahl an ehemaligen Patienten mitbringen. Inzwischen sind es oftmals keine Kinder mehr, sondern Jugendliche oder gar erwachsene Männer und Frauen, die teils Anfang der neunziger Jahre in Deutschland waren. Ein junger Mann beeindruckte uns mit einer selbst gebauten Schuherhöhung, die ihr auf dem Foto sehen könnt, obwohl er beruflich gar kein Schuhmacher ist.

Wir sind froh den afghanischen Familien und auch unseren Partnern mit dem Rückflug der Kindergruppe und unserer Anwesenheit hier in Kabul für ein paar Tage signalisieren zu können, dass wir unser Wort halten und alles daran setzen, diese wunderbaren Menschen am Hindukusch nicht im Stich zu lassen.

Euer Einsatzteam

 

  

3 Antworten

  1. Ursel Neubert
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    Einen Dankeschön gilt an Euch und dem Friedensdorf Oberhausen, dass durch Eure Einsätze mit Gefahren verbunden viele Kinder medizinisch betreut und geheilt werden.
    Ich hoffe , dass Ihr bald die Möglichkeit besitzt wieder die Visa für die kranken Kinder aus Afghanistan zu bekommen um sie zur Heilung nach Deutschland ins Friedensdorf Oberhausen zu holen.
    Ihnen das Team sende ich aus dem Norden viele liebe Grüße
    Ursel Neubert

  2. Ronald Hörstmann
    | Antworten

    Das Eure Arbeit von unschätzbarem Wert ist, konnte ich ja im vergangenen Jahr in Oberhausen selbst erleben. Das Lächeln der Kinder ist ein Dankeschön ohnegleichen und ich kann mir vorstellen, wie traurig Ihr dieses mal den Rückflug nach Deutschland antreten musstet. Die Zeiten auf unserem Planeten sind zur Zeit einfach unfassbar und wie immer sind Kinder die ein sehr großes Leid tragen müssen, obwohl sie – meiner Meinung nach – das oft sehr gut wegstecken können. Hoffen wir auf bessere Zeiten.

  3. Anne Below
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    Vielen Dank allen, die das alles “gestemmt” haben.
    Kommt gut nach hause und bringt wieder die schönen Fotos von der “Inbesitznahme” der Kinder durch ihre Angehörigen mit…bin ganz gespannt drauf.
    Vielen Dank Anne

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