Ein Schleier über der Stadt

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Kabul, Afghanistan:

„Wichtig war, dass die Kinder
gut nach Hause kamen.“

Ein Hin- und Her zwischen drei verschieden angekündigten Istanbuler Abflug-Gates, eine Gruppe mit 52 auch gehbehinderten afghanischen Rückkehrern, im Linien-Flieger andere als die vorgebuchten Gruppenplätze, dazu Medikamente für Langzeit-Patienten, die in der Bosporus-Stadt den Anschlussflug nach Kabul vorerst nicht erreichten. Solche Stolpersteine waren für das Friedensdorf-Team des 76. Afghanistan-Hilfseinsatzes rund um den ersten Linienflug seit Jahren nur Randerscheinungen. Alle Beteiligten bewältigten die Umstände der Tatsache, dass aufgrund fehlender Ausreise-Visa nach Deutschland erstmals seit Jahren kein Charterflug möglich war, mit Disziplin - und zuweilen auch Humor…

„Es war sicherlich ein gutes Unterhaltungsprogramm für viele am Flughafen“, berichten die jetzt zurückgekehrten Friedensdorf-Helfer Mareike Jansen und Kevin Dahlbruch von den drei geordneten 25-Minuten-Läufen von Gate zu Gate mit allen Kindern. Ein besonderes Lob gab es für die Kinder, die sich dort am Airport in Zweier-Reihen einsortierten, sie wurden auf dem  Istanbuler Flughaufen anders als sonst von fünf zusätzlich mitgeschickten Friedensdorf-Helfern begleitet.  „Alles war eine gute Sporteinheit und das beste Mittel gegen Langeweile für alle Kinder“ hatte das Team gemailt, als es nach knapp 20 Stunden in Kabul angekommen war.

Später in der Hauptstadt Kabul galt es schließlich noch wichtigere Aufgaben rund um die Rückkehr der Kinder zu bewältigen. Natürlich gab es Gespräche mit den glücklichen Eltern der Rückkehrer, bei den afghanischen Partnern solche über die Lage im leider zunehmend von kriegerischem Terror erschütterten Hindukusch-Land. Die Bevölkerung bewältigt die andauernde Ausnahme-Situation des Terror-Krieges von Taliban und IS angesichts von Verletzungen, Leid und Entbehrungen nur mit Geduld.

„Der Alltag ist sehr angespannt, Unsicherheit und mögliche Gewalt liegen mehr denn je wie ein Schleier über der Stadt“, berichteten Jansen und Dahlbruch. So erhielten wichtige Probleme in Deutschland - wie etwa die Suche nach Krankenhausfreibetten – und Rahmenbedingungen des Lebens in Afghanistan „für uns ein Gesicht“. Alltag in Afghanistan ist, dass es oft keinen Strom gibt, die Wasserversorgung immer wieder unterbrochen ist und die zerstörte deutsche Botschaft unbesetzt ist.

Für die Helfer sehr schmerzlich war, dass sie infolge des Anschlags auf die Botschaft und der fehlenden Ausreise-Visa überhaupt keine schwerkranken Kinder mit nach Deutschland bringen konnten und das immer wieder erklären mussten. Dennoch sahen sie über 250 Kinder, die auch ohne die sonst üblichen Bekanntmachungen der Hilfsflüge durch den Roten Halbmond zur medizinischen Vorstellung nach Kabul kamen. „Wir konnten viele Kinder mit schweren Knochenentzündungen für den nächsten Hilfsflug 2018 registrieren. Aber es tat weh, dass wir aufgrund der Lage und der Visa-Frage trotz schlimmer Diagnosen nichts zusagen konnten“, berichtet Kevin Dahlbruch, stellvertretender Leiter des Friedensdorfes.

Ob die Helfer in ihrer Arbeit vor Ort angesichts der Versorgungs-Engpässe und der Sorge um die Sicherheit beeinträchtigt waren? „Das hatten wir, solange wir in Kabul waren, nicht im Kopf“, gesteht Mareike Jansen. „Unsere Konzentration galt da der Verantwortung für die Kinder. Auch für unsere Partner ist es wichtig, dass die, die von der Hilfe des Friedensdorfes abhängig sind, auch diesmal wieder gut nach Hause kamen.“

Eine Antwort

  1. Ronald Hörstmann
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    Das Ihr jetzt ohne Kinder zurückfliegen musstet, das kann ich mir vorstellen, dass dies weh tat. Die Eltern und Kinder machten sich die ganze Zeit Hoffnung und nun ist sie zunichte. Hoffentlich geht es wieder in 2018. Eure Kraft wird von unserem Schöpfer ganz sicher unterstützt. Dessen bin ich mir bewusst. Wir sind im Gedanken immer bei Euch. Eure Arbeit kann man nicht beschreiben, man muss sie erleben.

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