Vor dem Flug nach Angola

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Von tanzenden Kindern
und einer Hexe

„All of me“ neu interpretiert auf Portugiesisch, dazu das lateinamerikanische „Despacito“ von jungen Mädchen gesungen - und auch Mambo Nr. 5, getanzt. Das waren nur drei von über zehn selbst gestalteten Musik-, Tanz und Showbeiträgen vor 250 Gästen im Friedensdorf International. Zur Abschiedsfeier für über 50 an-

golanische Friedensdorf-Kinder tanzten auch andere Kinder und Betreuerinnen in der Halle begeistert mit. Moderiert wurde die viel beklatschte Show der Kinder und Jugendlichen von einer  Ehrenamtlichen im Heim des Friedensdorfs, die für den Ablauf des über zweistündigen Feier gerade stand.

Bevor Pizza und ausreichend Saft auf die Tische kamen, hatten acht-

bis zehnjährige Jungen ihre Fußballtricks auf der Bühne gezeigt. Trotz intensiver medizinischer Behandlung ist Fußball im Friedensdorf ihre Leidenschaft. Unter anderem hatten sie dieses Hobby im Spätsommer mit Trainern aus der Schule des langjährigen Schalke-Profis Ingo-Anderbrügge perfektioniert. Einblicke darin, wie es Kindern und Begleitern bei diesem Abschied nach durchschnittlich sechs bis zwölf Monaten medizinischer Behandlung geht, ergaben sich am Rande der Feier in Gesprächen mit ehrenamtlichen Krankenhaus-Begleitern. Andrea Poster (48), eigens aus Gerolstein zum Abschied des elfjährigen Jones mit ihren Eltern Hilde Schneider und Harald Feuse angereist, blickte zurück. „Bei Besuchen über die vielen Wochen im Krankenhaus ist unsere  Beziehung zu Jones eng geworden.“ Trotzdem sei es normal, dass er ihnen nach seiner Reha-Zeit in Oberhausen jetzt zurückhaltender begegne. „Die Kinder im Dorf sind für ihn ebenso wichtig, wie wir es in der Krankenhauszeit waren“, erklärt Postert.

Thorsten Veller vom Friedensdorf-Freundeskreis Rotenburg in Norddeutschland, bewertet Beobachtungen bei „seinem“ Schützling Manuel (8) ähnlich. „Es ist richtig, dass die Kinder nach der Ausnahmesituation im Krankenhaus hier im Dorf vor der Rückkehr in ihre Familien meist noch Wochen haben, um ganz gesund zu werden und sich emotional auch unter Kindern und Landsleuten auf die Rückkehr vorzubereiten“, sagt der Mann. Zum Abschied ist er aus Rotenburg/Wümme über 300 Kilometer nach Oberhausen angereist.

Gibt es Abschiedsschmerzen bei den Kindern? Andrea Posten kann nur für Jones sprechen: „Er hat die Zeit in Deutschland genossen, weil er von vielen begleitet gesund wurde. Jetzt freut er sich richtig auf die Rückkehr zu seiner Familie.“ Nach dem Abschiedsessen und einer Shownummer der Friedensdorf-Mitarbeiter mit der durch die Halle wirbelnden Hexe Gaby heißt es im Heim nun Taschen packen. Neben wenigen Dingen, die alle mitnehmen können, kommen Medikamente für frühere Friedensdorf-Kinder, die das Friedensdorf in ihrer Heimat weiter versorgt, mit in den Flieger. Denn das, was Kliniken, Ehrenamts-Begleiter und das Friedensdorf in intensiver Arbeit erreicht haben, soll die Kinder auch dauerhaft gesund und stark machen. Zu Hause erwartet sie nach schweren Erkrankungen und Verletzungen dann eine zweite Chance für ihr Leben.

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