Weder Weltreisender noch Workaholic

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Dr. Yagura sorgte bei 30 Hilfsflügen

für die verletzten Friedensdorf-Schützlinge!

Solch eine Statistik ist selten. Der 54-jährige Japaner Yukihisa Yagura ist aber weder Weltreisender noch Workaholic.  Seit 2007 kommt er für kranke Kinder aus aller Welt ins  Friedensdorf nach Oberhausen, seit 2010 viermal jährlich für zwei Wochen.  Dr. Yukihisa Yagura, der deshalb 104.000 Kilometer pro Jahr im Flieger zurücklegt,  ist Unfallchirurg und Orthopäde. Auch bei der Ankunft von über 125 Kindern jetzt im Februar war er am Düsseldorfer Airport dabei. Am Abend der Landung begleitete er

mehr als die Hälfte der Neuankömmlinge, die in drei STOAG-Bussen direkt ins Friedensdorf gefahren wurden. Nach ihrem langen Flug sorgte er somit für ihre Gesundheit. Noch eine Zahl beeindruckt: Der weitgereisteste unter den Ärzten, die rund um Friedensdorf-Hilfsflüge zwischen Afghanistan, Angola und Oberhausen für das medizinische Wohl der Kinder sorgen, war jetzt zum 30. Mal ehrenamtlich auf diese Art für die Kinderhilfsorganisation aktiv. Während Rotkreuz-Sanitäter andere Kinder direkt vom Flughafen bundesweit in Krankenhäuser brachten, stand der japanische Operateur und Mediziner nach der Ankunft auch in der Nacht rufbereit im Friedensdorf zur Verfü-

gung. Zwei Tage später wurde er bei einer Begegnung mit den ausländischen Friedensdorf-Partnern von Friedensdorf-Leiter Thomas Jacobs für seinen jahrelangen Einsatz geehrt.

Im Gespräch vor dem großen Einsatz hatte Dr. Yagura trotz aller  bevorstehenden Aufgaben keinen gestressten Eindruck gemacht. Ruhig antwortete er auf Fragen zu Begegnungen mit „Friedensdorf-Kindern“ und zu seiner Person. Warum engagiert er sich so konstant? Und wie vereinbart er sein Friedensdorf-Engagement mit seinem Beruf als Operateur auf der nordjapanischen Insel Hokkaido? Gibt es zwischen seinem Dienst, den Hilfsflügen und derTätigkeit als Fußballschiedsrichter in seiner Heimat ein Privatleben?

Eine Festanstellung in der Klinik gab der Vater dreier erwachsener Kinder zugunsten des heute

stundenweise vergüteten Engagements in einem anderen Hospital auf. Deshalb passen die vier jährlichen Deutschland-Flüge des Schalke-Fans  und 780.000 Flug-Kilometer dafür in allen Jahren auch privat in das Zeitfenster.

„Zeitfenster“ aber wäre nicht  sein Wort. Eher Motivation, Planung, Koordination… Und immer „Hilfe für Kinder“ und „Zukunftsperspektiven“. Warum er 2007 mit seinem Friedensdorf-Engagement begann? „Darf ich viel weiter zurückgehen?“, fragt Dr. Yagura höflich. Nach dem „Gern“ seines Gegenübers berichtet er von einem Erlebnis als Zehnjähriger, das ihn prägte. „Mein Skilehrer hat uns vermittelt, dass auch Gleichaltrige mit körperlichen Handicaps unseren Sport im kühlen Hokkaido wirklich leben können.“ Um benachteiligten Kindern zu helfen, wurde er Arzt. „Menschen sollen von Jugend  an nicht unter Nachteilen leiden, sondern sie annehmen können.“ Zum Friedensdorf, das dieses Ziel wirklich lebe,  kam er nach einem Bericht im japanischen Fernsehen. Mit Blick auf die Patienten dort hält der Arzt, Familienvater und Fußball-Schiedsrichter einen ganz wichtigen Beweggrund für sein Ehrenamt  fest. „Alle Kinder hatten keine Wahl, wo sie geboren wurden.“ Und für die, die aktuell nach Deutschland gekommen sind, gab es aufgrund ihrer Diagnosen keine Hilfe in Afghanistan oder in den bis zu zehn Herkunftsländern „aktueller Friedensdorf-Kinder“ mehr. Dr. Yagura: „Solche Ungerechtigkeit will ich nicht akzeptieren, alle brauchen Hilfe und Liebe.“

Was für den Sportler, Marathon-Läufer und Facharzt nach seinen ersten Einsatztagen im Friedensdorf zählt?

Friedensdorf Leiter Thomas Jacobs bedankt sich bei Dr. Yukihisa Yagura für sein Engagement.

 „Bei jedem Deutschland-Einsatz fahre ich nach Köln, um im Dom Ruhe zu tanken." Zudem erlebte er gemeinsam mit einem Friedensdorf-Freund das 2:1 „seiner“ Schalker in Gelsenkirchen gegen Hoffenheim. Im Friedensdorf erhielt er zu seinem kleinen Jubiläum ein Geschenk, über das sich Dr. Yagura besonders freute. „ Von den Friedensdorf-Kindern habe ich einen riesigen selbstgemachten Japan-Kirschbaum bekommen – auf DIN A1 mit Tonpapier beklebt.“ Kirschen, die nur kurz blühen, wissen Japan-Kenner, spiegeln für Japaner Schönheit und Lebenskraft wider. Solche Kraft will Dr. Yagura schwerkranken Kindern aus aller Welt ein Stück weit durch sein Engagement zurückgeben.

Fotos: ok! Kommunikation, Friedensdorf

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