Ein Interview mit Tibor, Praktikant im Heimbereich:

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Ein Interview mit Tibor, Praktikant im Heimbereich:

Wie bist du dazu gekommen, ein Praktikum zu machen?

Ich habe in meiner Heimatstadt eine Ausbildung zum Sozialassistenten begonnen und danach eine Weile im Kindergarten gearbeitet. Ab August 2011 werde ich eine Ausbildung zum Erzieher machen und in der Zwischenzeit habe ich mich entschieden, noch mehr Praxiserfahrungen zu sammeln. Vielleicht will ich nach der Ausbildung auch noch studieren, Sozialpädagogik oder so, da kann es nicht schaden, wenn ich schon mal weiß, wie es in der Arbeitswelt zugeht.

 

Wie bist du auf Friedensdorf International aufmerksam geworden?

Das hat sich eigentlich ganz zufällig ergeben. Ich habe in der Zeitung einen Artikel über ein Kind gelesen, das von Friedensdorf International nach Deutschland geholt und bei uns im Krankenhaus in Celle behandelt wurde. Für den Jungen wurde noch ein ehrenamtlicher Betreuer gesucht. Das hat mich interessiert und ich habe spontan Kontakt zur Krankenhausabteilung des Friedensdorfes aufgenommen. Da man als Ehrenamtler beim Friedensdorf zuerst ein Seminar besucht haben muss, wurde aus der Krankenhaus-Betreuung nichts, dafür konnte ich ein Praktikum im „Dorf“ beginnen. Wahrscheinlich war das für mich sogar die bessere Variante.

 

Wie meinst du das?

Naja, für mich war es eine super Gelegenheit, von zu Hause auszuziehen und das erste Mal alleine bzw. mit anderen Praktikanten zusammen zu wohnen. Das ist eine tolle Erfahrung, zumal die Unterkunft ja vom Friedensdorf gestellt wird. So gab es keine nervige Wohnungssuche und ich muss keine Miete zahlen. Außerdem kann ich durch das Praktikum für eine längere Zeit das Arbeitsleben antesten. Und die Arbeit mit Kindern macht mir sowieso viel Spaß, also eine perfekte Kombination.

 

Du hast gesagt, das Friedensdorf stellt die Unterkunft zur Verfügung. Aber eine Vergütung wird für das Praktikum nicht gezahlt. Stört dich das?

Nein, gar nicht. Für mich ist es gerade das „Nonplusultra“. Ich kann frei wohnen, jeden Tag hier essen, mache tolle Erfahrungen mit den Kindern und im Zusammenleben mit den anderen Praktikanten – und ich kann mein Kindergeld, das meine Eltern mir geben, komplett für meine Freizeit und für Dinge, die mir Spaß machen, ausgeben. Insofern stimmt es überhaupt nicht, dass das Friedensdorf den Praktikanten nicht viel bieten würde, wie manche behaupten. Ich finde, dass ich sehr viel geboten bekomme. Eben kein Geld, aber wichtige Erfahrungen für mein weiteres Leben. Ich werde hier jeden Tag gebraucht, kann Aufgaben und Verantwortung übernehmen und lerne sehr viel über verschiedene Kulturen und Länder. Das ist doch eine ganze Menge.

 

Hast du aus deinem Bekannten- oder Freundeskreis auch schon mal kritische Rückmeldungen zu deinem Praktikum bekommen?

Als ich gesagt habe, dass ich das Praktikum machen werde, waren meine Freunde zuerst schockiert, dass ich ein ganzes Jahr weg sein würde. Meine Mutter hat sich dagegen für mich gefreut. Sie hatte nur ein bisschen Sorge, dass die Arbeit mit den verletzten Kindern hier vielleicht ein bisschen zu heftig für mich sein könnte. Das hat sich zum Glück nicht bestätigt. Ich habe kein Problem damit, Verbrennungen oder offene Wunden zu sehen oder auch mal zwei Stunden lang Nissen zu ziehen. Ich kann aber auch verstehen, dass das nicht für jeden etwas wäre. Meine Freunde zum Beispiel respektieren das, was ich hier tue, würden es aber selbst nicht machen wollen. Das ist eben auch eine Typfrage.

 

Also meinst du, dass Praktika im sozialen Bereich immer freiwillig sein sollten? Oder könnte es nicht vielleicht für jeden sinnvoll sein, nach der Schule ein solches Praktikum zu machen?

Nein, das kann ich mir gar nicht vorstellen. Es sollten nur Leute machen, die auch Bock darauf haben, sonst kann das ja nur schief gehen. Allerdings fände ich es sinnvoll, in der Schule ab der Mittelstufe ein verpflichtendes Unterrichtsfach wie Sozialpädagogik einzuführen. So wird man „schonend“ an die Thematik herangeführt, muss sich aber nicht direkt in die Praxis stürzen. Es gibt ja auch noch andere Möglichkeiten, sich sozial zu engagieren als im Krankenhaus oder im Heimbereich zu arbeiten.

 

Was nimmst du als zentrale Erfahrung mit?

Was mich wirklich beeindruckt hat, ist die Tatsache, dass Kinder, egal in welcher Lebenssituation, immer noch Kinder sind. Sie spielen, lachen, streiten. Die Kinder im Friedensdorf sind trotz ihrer schweren Verletzungen sehr lebensfroh und sie verlangen nicht so viel, wie deutsche Kinder manchmal. Davon kann man eine Menge lernen.

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