Friedensdorf wird 51 Jahre alt

Foto: Hiromi Yasui

Friedensdorf International wünscht sich Kontinuität in der Einzelfallhilfe

Im Juli 2017 wurde das 50-jährige Bestehen des Friedensdorfes zwar nicht groß gefeiert, aber bei unterschiedlichen Aktionen sehr wohl gewürdigt, vor allem bei der Zentralveranstaltung im Friedensdorf selber mit zahlreichen Gästen. Weggefährten aus 50 beachtenswerten Jahren waren anwesend. Auch Spenderinnen und Spender, ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, Vertreter von Politik und Wirtschaft sowie Repräsentanten deutscher Krankenhäuser folgten der Einladung. Viele Gäste kamen zu Wort und alle waren voll des Lobes und der Hochachtung vor der Arbeit, die Friedensdorf International für die Kinder aus vielen Kriegs- und Krisengebieten über die Einzelfallhilfe und in Auslandsprojekten leistet.

Völlig konträr aber verlief damals das „Tagesgeschäft“, die eigentliche Arbeit des Friedensdorfes. Vor allem betraf das die Bereiche der Visaerteilung und Zusage von Freibetten. Leider sinkt die Zahl der Krankenhäuser stetig, die sich bereit erklären, Friedensdorf-Kinder kostenlos zu behandeln. Krankenhaus-Fusionen, Krankenhaus-Schließungen, geringere personelle Ausstattung in den Krankenhäusern haben zur Folge, dass viele Krankenhausträger dem Friedensdorf eine Absage für eine Zusammenarbeit erteilen müssen.

Der Terroranschlag im Diplomatenviertel der afghanischen Hauptstadt Kabul im Mai 2017 beschädigte auch das Gebäude der deutschen Botschaft, so dass die Visa Abteilung geschlossen werden musste und bis heute noch nicht wieder arbeitet. Der turnusmäßige Hilfs-und Charterflug des Friedensdorfes und die Neuaufnahme afghanischer Kinder musste tatsächlich im August 2017 abgesagt werden. Trotz aller Bemühungen und Gespräche mit dem Auswärtigen Amt in Berlin war es nicht möglich, mit der Behörde einen Weg zu finden, wie schwer verletzte und hilfsbedürftige afghanische Kinder notwendige Visa für die Einreise zur medizinischen Versorgung nach Deutschland bekommen. Diese Problematik bestimmt die Arbeit im Friedensdorf bis heute und wurde nur im Frühjahr 2018 kurz durchbrochen, als die deutsche Botschaft in einem Nachbarland Afghanistans bereit war, Visa für afghanische Kinder auszustellen.

Am 6. Juli 2018 wird das Friedensdorf 51 Jahre alt. Friedensdorf-Leiter Thomas Jacobs hofft, dass die Probleme besonders in Bezug auf die Visa-Erteilung für die afghanischen Kinder „dieses Jahr“ nicht erneut bestimmen werden. Noch zum Ende des 50-jährigen Bestehens gab es wieder Visa Probleme für die afghanischen Kinder. Gerade in Afghanistan konnten sich die armen Familien mit hilfsbedürftigen, zum Teil schwerstverletzten Kindern in den Partnerländern jahrzehntelang auf die kontinuierliche Hilfe der Einrichtung verlassen.

Bereits seit 30 Jahren fliegt Friedensdorf International die verletzten und kranken Kinder aus Afghanistan zur medizinischen Versorgung nach Deutschland aus.

Foto: Uli Preuss

Der Charterflug rund um den Gründungstag des Friedensdorfes war erneut gefährdet und nur die Entscheidung, dieses Problem auch öffentlich zu machen, führte dann zu einem Einlenken in der Politik bzw. des Auswärtigen Amtes. Es sollen nun wieder Visa in der deutschen Botschaft eines Nachbarlandes von Afghanistan für die Kinder ausgestellt werden. Mitte August wird die Landung der Kinder auf dem Düsseldorfer Flughafen erwartet. „Diese Kompromisslösung bedeutete für das Friedensdorf einen extrem gesteigerten Arbeitsaufwand und erhebliche Mehrkosten. Mit größten Mühen konnte überhaupt noch ein Charterflug organisiert werden, der – und darin sind sich alle einig – vielen afghanischen Kindern eine zweite Chance auf Leben geben wird“, resümiert Thomas Jacobs.

Am 6. Juli möchte Friedensdorf International zum Anlass nehmen, um einerseits danke zu sagen und zum anderen einen Wunsch zu formulieren. Der Dank gilt all jenen ungezählten Freunden und Unterstützern des Friedensdorfes, die zum 51-jährigen Bestehen beigetragen haben mit ihrem persönlichen Engagement, ihrer Zeit, mit Sach- und Geldspenden, dem Glauben daran, etwas verändern zu können und dem Willen zum Durchhalten. Genau diese Dinge und diese Menschen sind es, die sich das Friedensdorf auch in den kommenden Jahren an seiner Seite wünscht. Denn wenn sich ein Fortbestehen einer Einrichtung, die es eigentlich nicht geben dürfte, aufgrund anhaltender oder neu entstehender Mangel- und Notsituationen in so vielen Ländern schon nicht verhindern lässt, dann soll es immerhin dazu dienen, möglichst vielen Kindern eine gesunde Zukunft zu schenken.

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