Seit über 30 Jahren: Hilfe für afghanische Kinder

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Friedensdorf International holt seit vielen Jahrzehnten kranke und verletzte Kinder aus Afghanistan zur medizinischen Behandlung nach Deutschland.

In Afghanistan gibt es mittlerweile seit vielen Jahrzehnten Krieg. Insbesondere kranke und verletzte Kinder leiden unter der Situation in dem Land am Hindukusch. Zusammen mit der afghanischen Partnerorganisation, der Rote Halbmond, hat Friedensdorf International in den letzten 30 Jahren regelmäßige und zuverlässige Hilfe leisten können.

Der Jahreswechsel 1986/87 war der Beginn für die 30-jährige Einzelfallhilfe von Friedensdorf International in Afghanistan. Das Friedensdorf erreichte damals die Bitte um medizinische Hilfe für Kinder in den Flüchtlingslagern von Peshawar im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan. Nachdem sich ein Friedensdorf-Team selbst ein Bild von der Lage in den Flüchtlingslagern von Peshawar machen konnte, wurden im April 1987 die ersten vier afghanischen Kinder zur medizinischen Behandlung nach Deutschland geholt. Seither steht Afghanistan auf der Liste der Friedensdorf-Länder und gehört zu den Haupteinsatzgebieten in der Einzelfallhilfe von Friedensdorf International. Bis April 1988 wurden zehn weitere junge Patienten aufgenommen.

Erster Hilfsflug aus Kabul vor 30 Jahren

Wenige Monate später, im November 1988, gab es die ersten Kontakte zwischen Friedensdorf International und dem Afghanischen Roten Halbmond. Die Kooperation mit der Partnerorganisation besteht bis heute.

Im Dezember 1988 machte sich zum ersten Mal ein Friedensdorf-Team auf den Weg nach Afghanistan, um den ersten Hilfsflug vorzubereiten. Im Vorfeld erklärten sich bundesweit verschiedene Kliniken bereit, die schwer verletzten und erkrankten Kinder aus Afghanistan kostenlos zu behandeln. Zudem sagte das Heeresfliegerregiment 35 aus Mayen-Mendig zu, die Kinder kostenlos vom Frankfurter Flughafen zum Flughafen in Düsseldorf zu fliegen. Auch die Rettungssanitäter des Arbeiter-Samariter-Bundes, der Johanniter-Unfall-Hilfe und des Malteser Hilfsdienstes wollten helfen und sagten zu, die Kinder kostenlos vom Flughafen in die Kliniken zu transportieren. Die Rückreise des Friedensdorf-Teams aus Afghanistan war zunächst für den 22. Dezember geplant. 15 Kinder konnten sie mit zur Behandlung

nach Deutschland nehmen. Allerdings verzögerte sich der Rückflug witterungsbedingt. Am 24. Dezember, Heiligabend 1988, kamen gemeinsam mit dem Einsatzteam 15 schwer verletzte afghanische Kinder an, die von Friedensdorf International zur medizinischen Behandlung nach Deutschland geholt wurden. „Der erste Hilfsflug war ein entscheidender Schritt in der Geschichte des Friedensdorfes. Denn zum zweiten Mal seit 1967 wurde das Grauen eines Krieges durch das Friedensdorf und die damit verbundene Berichterstattung über den Hilfsflug in den Medien in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt,“ berichtet Friedensdorf-Leiter Thomas Jacobs.

30 Jahre Einzelfallhilfe in Afghanistan

Friedensdorf International beobachtet, dass auch nach 30 Jahren Einzelfallhilfe in Afghanistan auf die medizinische Hilfe für die Kinder leider nicht verzichtet werden kann. Die Situation für die Kinder hat sich bis heute kaum verändert. Den Menschen in Afghanistan konnten wechselnde Regierungen und Interventionen durch das Ausland keine Verbesserung der Lebensbedingungen und der medizinischen Versorgung bringen. Das Land ist von einem Frieden weit entfernt und die aktuellen Entwicklungen im Land sind besorgniserregend. Die Taliban waren seit Beginn des Konfliktes durch die US-geführte Intervention im Jahr 2001 noch nie so mächtig wie jetzt. Seit 2016 konnten sie große Gebiete in Afghanistan erobern. Zuletzt griffen die Taliban im August 2018 die zentralafghanische Stadt Ghazni an, die sich nur rund hundert Kilometer von der Hauptstadt Kabul befindet.

Seit drei Jahrzehnten können sich die Familien von schwer verletzten und kranken Kindern auf die Hilfe des Friedensdorfes und der Partnerorganisation, den Afghanischen Roten Halbmond, verlassen. Zweimal im Jahr – im Februar und im August – fliegt ein Friedensdorf-Einsatzteam nach Afghanistan, um die kleinen Patienten nach Deutschland und genesene Kinder zurück zu ihren Familien zu bringen. Im August 2018 fand bereits der 78. Hilfseinsatz für afghanische Kinder statt und vielen kranken Mädchen und Jungen konnte in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit den Kliniken geholfen werden. Der 78. Hilfsflug wäre jedoch wegen bürokratischer Hürden für die afghanischen Kinder beinahe wieder ausgefallen. Bereits im August 2017 konnten erstmals nach so vielen Jahrzehnten verlässlicher Hilfe keine Kinder aus Afghanistan für eine medizinische Behandlung nach Deutschland kommen, da keine Visa ausgestellt werden konnten. Die genesenen afghanischen Kinder mussten per Linienflug in die Heimat gebracht werden. „Es war schlimm, als die Familien und Projektpartner erfahren mussten, dass die kleinen Patienten aufgrund von Verwaltungsschwierigkeiten nicht nach Deutschland kommen konnten und deshalb keine Chance auf Heilung hatten. Die medizinische Behandlung in Deutschland ist für die Kinder nicht selten die letzte Rettung“, sagt Thomas Jacobs.

Seit der Beschädigung der Deutschen Botschaft in Kabul im Rahmen eines Anschlages im Mai 2017 ist die Visastelle vor Ort geschlossen. Die Verhandlungen mit dem Auswärtigen Amt über andere Möglichkeiten, für die afghanischen Kinder Visa zu erhalten, zogen sich trotz politischer Unterstützung von Bundestagsabgeordneten

Foto: Hiromi Yasui

monatelang hin. Der Hilfsflug im August 2018 war nur möglich, weil sich das Friedensdorf auch medial und mit allen Mitteln dafür einsetzte.

„Allerdings war dieser Hilfsflug logistisch aufwändiger und teurer. Da die kranken und verletzten Kinder die medizinische Hilfe dringend benötigen, haben wir uns trotzdem dazu entschieden sie aus Afghanistan auszufliegen. Denn das Leben der Kinder kann man nicht mit Geld aufwiegen“, erklärt Thomas Jacobs. Die kleinen Patienten erhalten nun die dringend benötigte medizinische Versorgung in Deutschland.

Hilfe vor Ort: Friedensdorf Kabul

Im Afghanischen Roten Halbmond hat das Friedensdorf einen zuverlässigen Partner gefunden. Gemeinsam mit der Partnerorganisation entstand vor rund 30 Jahren die Idee des Friedensdorfes Kabul. Als logische Folge der Einzelfallhilfe wurde die Einrichtung als weiterreichende Unterstützung im Land geplant und sollte verletzten Kindern die Trennung von ihren Familien ersparen. Im April 1990 startete der Bau des Friedensdorfes mit Räumlichkeiten für eine orthopädische Versorgung in der afghanischen Hauptstadt. Zwei Jahre später war alles fertig gestellt. Doch die Machtübernahme der Mudjaheddin und die dann einsetzenden Kampfhandlungen ließen nicht einmal mehr den Transport der Geräte vom Lagerhaus zum fertig gestellten Friedensdorf Kabul zu.

Während dieser Kämpfe wurden große Teile von Kabul zerstört und das leerstehende Gebäude des Friedensdorfes wurde von Flüchtlingen besetzt. Im September 1996 übernahmen die Taliban die Macht in der Hauptstadt und ein geplanter Einsatz musste für nahezu ein halbes Jahr verschoben werden. Erst im Februar 1997 gelang die Reise nach Kabul und das Friedensdorf-Team konnte nach Oberhausen die erfreuliche Botschaft schicken, dass das Friedensdorf Kabul wieder aufgebaut wird.

In den Wintermonaten hatte auch der Rote Halbmond neue Unterkünfte für die Flüchtlinge gefunden. Bis Februar 1998 wurde das Friedensdorf Kabul wieder instandgesetzt und in Betrieb genommen. Später übernahm der Rote Halbmond das Gebäude und errichtete dort eine Poliklinik. „Für den Aufbau von Friedensdörfern vor Ort wie Kliniken und Reha-Zentren oder Basisgesundheitsstationen ist eine stabile Infrastruktur und Logistik notwendig. In Afghanistan ist dies sehr problematisch. Doch Friedensdorf International konnte im Laufe der Jahre verschiedene Projekte vor Ort unterstützen und ins Leben rufen“, erklärt Thomas Jacobs.

Im Februar 2003 beginnt der Bau des Deutschen Kinderkrankenhauses Kabul, das Irene Salimi Hospital, durch die GD Welfare Society. Das Krankenhaus wurde maßgeblich durch das Friedensdorf finanziert und bietet medizinische Versorgung insbesondere auf dem Gebiet der Kinderchirurgie und Kinderorthopädie. Zudem wurde 2015 der Bau von zwei Brunnen für das Brunnenprojekt der Hilfsorganisation „German Medical Service“ (GMS) und eine Heizungsanlage für bedürftige Familien finanziert. Ebenso erhielt GMS dringend benötigte medizinisch-technische Geräte für die Arbeit in Kabul.

Marastoon – Lebensgemeinschaft der Ausgegrenzten in Afghanistan

Eine weitere Zusammenarbeit gibt es mit dem Projekt Marastoon. Frei übersetzt bedeutet Marastoon „Gemeinschaft für den Frieden“ und ist eine soziale Einrichtung, die der Afghanische Rote Halbmond in verschiedenen Städten des Landes eingerichtet hat.

Seit Anfang der 50er Jahre finden dort Menschen ohne Familienanschluss und ohne soziale Absicherung ein Zuhause. Zu den Bewohnern gehören alte Menschen, Waisen, alleinstehende Frauen mit oder ohne Kinder und Menschen, die psychisch krank sind oder eine Behinderung haben. Durch den Krieg hat sich insbesondere in den städtischen Bereichen des Landes die Lage für hilfsbedürftige Menschen verschlimmert. In afghanischen Großfamilien wurden alte und kranke Menschen seit jeher mitversorgt und Alleinstehende unterstützt. Doch mit der Zerstörung der Städte sind auch die Strukturen vieler Familien zusammengebrochen.

Das Friedensdorf unterstützt Marastoon seit 1997 im Rahmen der Auslandsprojektarbeit regelmäßig mit Hilfsgütern. Friedensdorf-Mitarbeiter Eva Kammhuber und Kevin Dahlbruch besuchten während des diesjährigen August-Einsatzes das Marastoon in Kabul und berichteten:

„Mitten in weiträumigen Obstbaumgärten und Grünflächen leben in einem Gebäude mit unterschiedlichen Wohneinheiten 20 Familien mit 104 Familienmitgliedern: Frauen mit ihren Kindern, deren Ehemänner in bewaffneten Auseinandersetzungen getötet wurden oder deren Männer sie verstoßen haben. In einem anderen Haus hinter hohen Schutzmauern werden 81 psychisch kranke Mädchen und Frauen betreut. Auch wenige psychisch kranke Männer, zwei alte Frauen und zwei blinde Männer haben im Marastoon eine sichere Bleibe gefunden. Wenn man in Afghanistan, wie all die Menschen im Marastoon, keine Familie mehr hat, die Einen unterstützt, hat man keine Zukunft. Viele der Bewohner, wie wir vom Leiter der Einrichtung erfahren, haben früher auf der Straße gelebt, ums tägliche Überleben gekämpft und waren schutzlos jeglicher Gewalt ausgeliefert.“

Im Marastoon werden die hilfsbedürftigen Bewohner langfristig unterstützt und versorgt. Die Kinder, die im Marastoon leben und aufwachsen, erhalten eine Ausbildungschance. Sobald die Kinder das richtige Alter erreicht haben, werden sie unterrichtet und als Jugendliche können sie eine Ausbildung absolvieren.

Für Mädchen steht eine Näherei und Stickerei zur Verfügung. Für Jungen gibt es eine Einarbeitung als Teppichknüpfer, Schneider und eine metallverarbeitende Vorausbildung. Da Nahrungsmittel knapp und sehr teuer sind, wurde eine kleine Milchwirtschaft aufgebaut. Zudem schaffte das Friedensdorf vor über 20 Jahren einen Traktor und eine Dreschmaschine für die Landwirtschaft an. Mittlerweile kann sich das Marastoon dank der Milch- und Landwirtschaft selbst versorgen. Den immer noch intakten Traktor sahen auch Eva Kammhuber und Kevin Dahlbruch bei ihrem letzten Besuch im Marastoon in Kabul.
Während ihres Besuches im Marastoon trafen Eva Kammhuber und Kevin Dahlbruch auch ein Mädchen, das vor einigen Jahren mit Friedensdorf International zur medizinischen Behandlung einer Kieferentzündung in Deutschland war und schilderten die sehr berührende Begegnung:

„Das Mädchen wurde als Säugling auf der Straße gefunden, im Marastoon aufgenommen und wird dort liebevoll von ihren Mitbewohnerinnen großgezogen. Zunächst beäugte sie uns etwas kritisch und wusste uns wohl nicht so recht einzuordnen, doch als sie die Namen von den Mitarbeiterinnen aus unserer Heimeinrichtung hörte und wir ihr herzliche Grüße von Allen ausrichteten, erhellte sich ihr Gesicht und sie begann herzhaft zu lachen.“

Viele afghanische Kinder leiden an Knochenentzündungen und Verbrennungen

Ein Großteil der kleinen Patienten aus Afghanistan kommt wegen schweren Knochenentzündungen zur medizinischen Behandlung nach Deutschland. Denn unbehandelt können diese sogar tödlich enden. Die Erkrankung wird häufig durch eine bakterielle Infektion hervorgerufen. Zum einen können Bakterien anderer Infektionsherde im Körper über das Blut übertragen werden und sich dann im Knochen oder in der Knochenhaut einnisten. Zum anderen kann eine Knochenentzündung durch eine äußere Verletzung entstehen. Durch Unfälle oder direkte Kriegsfolgen, wie Splitterverletzungen, können sich in den Wunden schnell Bakterien ansiedeln, da sauberes Wasser, Verbandsmaterialien und Medikamente knapp oder nicht für die Ärmsten zugänglich sind. Nicht selten werden die Kinder mit den Kopftüchern ihrer Mutter verbunden. Zudem begünstigen Mangelernährung und schlechte hygienische Verhältnisse die Gefahr, an einer Knochenentzündung zu erkranken.

Viele afghanische Kinder kommen aufgrund schwerer vorausgegangener Brandverletzungen mit Friedensdorf International zur medizinischen Behandlung nach Deutschland. Die Gründe für die gravierenden Verletzungen sind vielfältig. Häufig gibt es keinen Strom. Die Menschen heizen daher ihre kleinen Häuser im kalten Winter mit Öfen und bereiten in Erdöfen ihre Mahlzeiten zu. In vielen Fällen kommt es zu Explosionen der Öfen und Gasboiler in den kleinen Wohn- und Schlafräumen. Zudem stürzen häufig kleine Kinder in die Erdöfen und verbrennen sich. Auch Raketenanschläge sind der Grund für schlimme Brandverletzungen. Folge der Verbrennungen sind Narbenstränge, die die Bewegung insbesondere an Armen und Beinen oder im Gesicht einschränken.

Foto: Hiromi Yasui

Zudem können die Sinnesorgane beeinträchtigt sein. Schlechte hygienische Verhältnisse sorgen zudem dafür, dass sich die Brandwunden entzünden. In Deutschland werden die Kontrakturen mithilfe eines chirurgischen Eingriffes gelöst und die Wunden behandelt. Auch offene Hautstellen, die sich nicht von alleine schließen, müssen mit einer Hauttransplantation verschlossen werden.

Foto: Jakob Studnar

Interview mit Friedensdorf-Leiter Thomas Jacobs

Erinnern Sie sich an besondere Kinder?

Ich erinnere mich an viele besondere Kinder. Doch bei der Ankunft des ersten Hilfsflugs aus Kabul, Heiligabend 1988, gab es drei schwer verletzte Kinder, um die ich mich gekümmert und in verschiedene Krankenhäuser in Duisburg begleitet habe. Im Hubschrauber wurden wir von Frankfurt nach Düsseldorf geflogen und ich habe gemerkt, dass die Kinder aufgrund ihrer Verletzungen entsetzliche Schmerzen haben müssen.

Trotzdem herrschte eine Totenstille, denn die Kinder waren sehr tapfer und haben nicht geweint. Ich erinnere mich auch heute noch daran, dass wir um genau 18 Uhr am Kölner Dom vorbei geflogen sind. Die Situation hat mich damals sehr berührt.

Welches Schicksal hat Sie besonders bewegt?

Mich berühren immer wieder die Schicksale der Kinder denen wir leider nicht mehr helfen konnten und die verstorben sind. Ich erinnere mich an ein Kind, das aufgrund seiner starken Verletzungen im Koma lag. Es konnte nicht mehr gerettet werden. Gemeinsam mit einer Friedensdorf-Mitarbeiterin fuhr ich ins Krankenhaus und wir saßen am Bett des Kindes als die lebenserhaltenden Geräte abgestellt wurden.

Wie ist das, wenn Sie ehemalige Kinder wiedersehen?

Es ist sehr schön ehemalige Kinder wiederzusehen. Im Februar 2018 traf ich in Afghanistan Sadar Sakhi wieder. Er gehörte 1988 als Achtjähriger zu der ersten Kindergruppe, die wir aus Kabul für eine medizinische Behandlung nach Deutschland geholt haben. Nach einem zehnmonatigen Krankenhausaufenthalt konnte er gesund zu seiner Familie zurückkehren. Heute ist er ein gestandener, junger Mann, der eine große Familie hat. Er verdient den Lebensunterhalt für seine Familie mit Reparaturarbeiten in seiner Heimat. Es gibt noch viele weitere positive Beispiele. Wenn ich ehemalige Kinder wiedertreffe, stelle ich fest, dass unsere Arbeit nachhaltig ist.

Denn die Kinder verlassen das Friedensdorf nicht nur gesund, sondern nehmen sehr viel Positives mit in ihre Heimat. Sie lernen mit ihren Erkrankungen umzugehen, sodass sie einen Beruf erlernen und einer Arbeit nachgehen können. Und ganz tief in mir, hoffe und glaube ich daran, dass auch in den Köpfen der Kinder etwas bewegt wurde.

Sie schildern regelmäßig die schwierige Situation mit den Krankenhausfreibetten in Deutschland. War das vor 30 Jahren zu Beginn der Einzelfallhilfe in Afghanistan anders?

Zu Beginn war es natürlich zuerst schwierig Krankenhäuser zu gewinnen. Allerdings war die Berichterstattung in den Medien über die ersten Einsätze sehr groß. Der zweite Afghanistan-Hilfsflug wurde beispielsweise durch Spenden von Lesern der Rhein-Zeitung komplett finanziert. In Rheinland-Pfalz wurden wir dadurch schnell bekannt. Gleichzeitig gründeten sich unsere Freundeskreise und die bundesweite Krankenhausakquise funktionierte immer besser. Der Stamm an Krankenhäusern hat sich über die Jahre langsam aufgebaut. Heute gestaltet sich die Suche nach Freibetten jedoch immer schwieriger und immer weniger Krankenhäuser erklären sich zu einer kostenlosen Behandlung der Kinder bereit. Zu den Gründen gehören beispielsweise ein erhöhter Kostendruck, Zusammenschlüsse und Spezialisierungen von Kliniken, Personalmangel und verschärfte Hygienebestimmungen. Die Krankenhausfreibetten sind jedoch die Voraussetzung dafür, dass den schwer erkrankten und verletzten Kindern geholfen werden kann. Bei den Krankenhäusern, Ärzten und dem Pflegepersonal, die uns unterstützen, kann ich mich nur bedanken. Wir würden uns natürlich freuen, wenn noch weitere Krankenhäuser dazukommen, die den Kindern die dringende medizinische Behandlung ermöglichen.

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