Rückblick auf das Jahr 2018

Statistischer Rückblick

Foto: Hiromi Yasui

Einzelfallhilfe:

Das Friedensdorf hatte zum Jahresende 2018 insgesamt 204 Kinder aus neun Nationen in seiner Obhut. Gleichzeitig lagen für 726 Kinder aus 20 Ländern Anfragen für die Einzelfallhilfe vor.

Im vergangenen Jahr wurden 305 Kinder aus zehn Nationen neu in die Einrichtung aufgenommen. Das sind 76 Kinder mehr als 2017 und 9 weniger als 2016. Allerdings muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass der Afghanistan-Hilfsflug im August 2017 wegen fehlender Visa ausgefallen ist. Auch das Jahr 2018 muss wieder als besonderes Jahr unter schwierigeren Bedingungen bewertet werden. Aufgrund der weiterhin geschlossenen deutschen Botschaft in Afghanistan, wurde die Einzelfallhilfe für afghanische Kinder durch die Visa-Problematik erschwert. In 2018 waren beide Afghanistan-Hilfsflüge sowohl im Februar als auch im August möglich, doch der zweite Hilfsflug im August war erneut gefährdet, da sich zunächst keine Problemlösung für die Visa-Ausstellung der afghanischen Kinder fand. Der zweite Hilfsflug im August 2018 konnte allerdings erst sehr kurzfristig vorbereitet werden, weil wir die Zusage vom Auswärtigen Amt erst spät erhielten, dass Visa für afghanische Kinder ausgestellt werden können. Hierdurch mussten wir rund 40.000 Euro Mehrkosten in Kauf nehmen, da der Charterflug ebenfalls erst kurzfristig organisiert werden konnte.

 

284 Mädchen und Jungen (aus neun Nationen) kehrten nach abgeschlossener Behandlung in ihre Heimatländer und zu ihren Familien zurück, vier Kinder mehr als 2017. In 2018 konnten 164 Kinder aus Afghanistan zu uns kommen. 2017 waren es nur 69 Kinder und damit fast hundert Kinder weniger. Allerdings ist der Afghanistan-Hilfsflug im August 2017 aufgrund der Visa-Problematik ausgefallen. Afghanistan bleibt auch im Jahr 2018 mit Angola (80 Kinder aufgenommen) Haupteinsatzland von Friedensdorf International. Ferner wurde die Einzelfallhilfe für Kinder aus den zentralasiatischen Ländern Tadschikistan (zwölf Kinder aufgenommen), Usbekistan (26 Kinder aufgenommen) und Kirgistan (fünf Kinder aufgenommen) durchgeführt. 2018 wurden darüber hinaus acht Kinder aus Gambia, sieben Kinder aus Georgien und jeweils ein neues Kind aus Armenien, Kambodscha und Sierra Leone zur medizinischen Behandlung nach Deutschland geholt.

Medizinische Versorgung:

2018 wurden dem Friedensdorf 305 Krankenhausfreibetten zur Verfügung gestellt; in 2017 waren es 229. Die Zahl der durchschnittlichen Belegtage 2018 sinkt im Vergleich zum Vorjahr um vier auf nun 26 Tage. Leider sinkt die Zahl der Kran-kenhäuser, die sich bereit erklären, Friedensdorf-Kinder kostenlos zu behandeln. Im vergangenen Jahr wurde das Friedensdorf von 134 (statt in 2017 noch 155) Kliniken unterstützt. Darüber hinaus arbeitete das Friedensdorf mit 16 Kliniken (in 2017 mit 20 Kliniken) zusammen, die als Konsultationskrankenhäuser Diagnosen erstellen. Ferner fungierten 35 Arztpraxen als wichtige Ansprechpartner und Unterstützer. Hierzu zählen auch Kliniken und Praxen in den Heimatländern der Kinder.

Foto: Hiromi Yasui

Insgesamt wurden die Rahmenbedingungen für die Einzelfallhilfe des Friedensdorfes in den vergangenen Jahren schwieriger. Durch die kürzere Verweildauer der Kinder im Krankenhaus ergibt sich für das Friedensdorf automatisch ein höherer pflegerischer und auch physiotherapeutischer Aufwand. Hinzu kommt die präoperative Versorgung, da mittlerweile etwa die Hälfte der Kinder nach der Ankunft in Deutschland zuerst im Friedensdorf in Oberhausen aufgenommen wird. Dort werden sie auf Infektionen und den MRSA-Keim untersucht, bevor sie in den Krankenhäusern aufgenommen werden. Der Rückgang bei den Direktaufnahmen ist somit der Freibettenproblematik sowie den immer häufiger geforderten Voruntersuchungen der Kinder durch die Krankenhäuser geschuldet.

Auf die beschriebene Entwicklung bei den Freibetten haben wir 2018 mit der Voranbringung des Baus eines Operations- und Rehabilitationszentrums im Friedensdorf reagiert. Mit den begonnenen Vorbereitungen für einen eigenen OP im Friedensdorf ist ein wichtiger Schritt getan, der nach der Verwirklichung neue Möglichkeiten für uns und die Friedensdorf-Kinder bieten wird.

 

Ehrenamtliche Mitarbeit:

Die ehrenamtliche Unterstützung durch freiwillige Helfer ist für das Friedensdorf als nahezu ausschließlich spendenfinanzierte Organisation von elementarer Bedeutung und dies in den verschiedensten Arbeitsbereichen (z. B. in der Heimeinrichtung, beim Fahrdienst, in der Krankenhausbetreuung, in der Küche, bei Veranstaltungen oder in den Friedensdorf-Interläden). Einige ehrenamtliche Helfer sind im Jahresverlauf kontinuierlich aktiv, andere wiederum sporadisch zu bestimmten Veranstaltungen oder in Notfällen. Wiederum andere müssen aus privaten oder beruflichen Gründen für mehrere Monate oder gar Jahre aussetzen und kehren später in dasselbe oder ein anderes Tätigkeitsfeld zurück. Bundesweit sind jedoch ständig zwischen 200 und 300 Ehrenamtliche in Freundschafts- und Freundeskreisen oder auch als Einzelpersonen für das Friedensdorf aktiv. Zudem haben alle ehrenamtlichen Mitarbeiter die vorgeschriebene Schulung durchlaufen, die auch 2018 auf großes Interesse stieß. Das Ehrenamtler-Seminar im Oktober 2018 war beispielsweise mit 29 Teilnehmern komplett belegt.

 

 

Projektarbeit:

Die Projektarbeit ist neben der medizinischen Einzelfallhilfe ein zweiter wichtiger Arbeitsbereich des Friedensdorfes. Dank der relativ stabilen finanziellen Situation konnten wir zusammen mit der Friedensdorf Gemeinschaftsstiftung 2018 wichtige Projekte weiter unterstützen und neue – beispielsweise in Kambodscha den vom Friedensdorf finanzierten Bau einer Entbindungsstation in Peam Chor sowie den Bau einer Kinderstation im Krankenhaus in Sithor Kandal – durchführen.

Der Schwerpunkt bleibt dabei wie in den Vorjahren auf dem Ausbau des Netzes von Basisgesundheitsstationen (BGS). In Kambodscha konnten inzwischen 34 Basisgesundheitsstationen fertig gestellt werden, weitere befinden sich in Planung, denn nach wie vor ist die medizinische Grundversorgung in den entlegenen Provinzen schlecht. Die Stationen garantieren daher dort einem Großteil der Menschen und vor allem der Kinder eine medizinische Grundversorgung und Beratung, die sonst angesichts der schwierigen Infrastruktur kaum erreichbar ist.

Das seit 2010 in Zusammenarbeit mit der Erfurter „Thüringisch Kambodschanischen Gesellschaft e.V.“ geförderte Behinderten- und Blindenprojekt (COMPED HOME) in Phnom Penh vermittelt jungen Menschen Kenntnisse und Fertigkeiten vorwiegend im landwirtschaftlichen Bereich, mit denen sie nach der Ausbildung ihre Familien vor allem in ländlichen Gebieten unterstützen können. Aktuell hilft es 34 blinden und behinderten Jugendlichen. Zudem wurde hier der Ausbau eines Kindergartens für Kinder aus Müllsammlerfamilien in erheblichem Umfang vom Friedensdorf finanziert. Mittlerweile ist die Zahl der betreuten Kinder auf über 80 angestiegen und es werden auch Kinder aus Landarbeiterfamilien aufgenommen. Das Projekt unterscheidet sich von anderen staatlichen und privaten Kindergartenträgern, da die Kinder auf einen späteren Schulbesuch vorbereitet werden. Auch das Zirkusprojekt in Battambang in Zentral-Kambodscha dient der Förderung von Kindern, deren Familien rund um eine Mülldeponie leben. Sie sollen sich im motorischen und kognitiven Bereich weiter entwickeln sowie im sozialen Miteinander gefördert werden.

In Usbekistan fördert das Friedensdorf weiterhin vier Projekte, die auch 2018 sehr effektiv und effizient arbeiteten. So konnten zum Abrechnungsstand August 2018 in dem seit 2003 unterstützten Lippen-Kiefer-Gaumenspalten Projekt weitere 150 Kinder operiert werden. 8 Kinder erhielten 2018 orthopädische Operationen über das seit 2008 mit Unterstützung des Friedensdorfes arbeitende Projekt. Im Rahmen des 2011 neu hinzugekommenen Projektes für plastisch-chirurgische Operationen konnten bis August 2018 4 weitere Kinder versorgt werden. Das 2015 angestoßene Projekt für herzkranke Kinder aus Usbekistan half 2018 (Zahlen bis August) 56 Kindern. 6 davon können

nach Operationen in Indien nun gesund werden. 7 Kinder wurden in Tashkent operiert. In 2018 wurden insgesamt 218 Kinder über die in Usbekistan arbeitenden Friedensdorf-Projekte behandelt (Stand: August 2018). Mitte Januar 2019 wurde das Friedensdorf in der usbekischen Botschaft in Berlin während einer offiziellen Zeremonie mit dem Orden der Freundschaft (Do’stlik) ausgezeichnet. Der usbekische Botschafter Nabijon Kasimov überreichte die Auszeichnung stellvertretend „für die aktive Beteiligung an der Entwicklung des Gesundheitssystems unseres Landes, die Unterstützung bei der Umsetzung von sozial bedeutsamen Projekten zum Schutz der Gesundheit von Kindern, für ihren Beitrag zur Entwicklung einer gesunden Generation sowie für die aktive Teilnahme an der Organisation der karitativen Arbeit in Usbekistan“, hieß es im diesbezüglichen Erlass des Präsidenten Mirziyoyev.

Auch in Kirgistan ist die Projektarbeit des Friedensdorfes erfolgreich. 2015 startete das vom Friedensdorf finanzierte Projekt für plastisch-chirurgische und orthopädische Operationen in Kirgistan. Dafür wurde auch das notwendige OP-Gerät vom Friedensdorf finanziert. Von September 2015 bis heute konnte insgesamt 56 Kindern mit den Operationen geholfen werden. Im Januar 2018 finanzierte das Friedensdorf ein Diagnosegerät für Darmerkrankungen bei Kindern. Im vergangenen Jahr konnten zwischen Juni und Dezember 30 Kinder untersucht und operiert werden.

In Afghanistan begann die Projektarbeit 1992 mit der Einrichtung einer orthopädischen Werkstatt. Zudem unterstützt das Friedensdorf seit 1997 das afghanische Sozialprojekt „Marastoon“, in dem ältere Menschen, Behinderte, alleinerziehende Frauen und Waisenkinder leben. In 2018 wurden Verbrauchsmaterialien und Ersatzteile von medizinisch-technischen Geräten für die Arbeit von „German Medical Service“ vom Friedensdorf finanziert. Zudem wurde in 2018 ein Brunnenprojekt von „German Medical Service“ für eine bedürftige Dorfgemeinschaft in Scharistan mit einer ersten Zahlung angeschoben. Neben unseren Hilfsgüterlieferungen gibt es weitere gemeinsame Projekte mit „German Medical Service“.

In Gambia kooperiert das Friedensdorf seit 2012 mit der Partnerorganisation „Project Aid The Gambia“. Neben der Einzelfallhilfe liefert das Friedensdorf regelmäßig wichtige medizinische Hilfsgüter. 2018 finanzierte das Friedensdorf den Bau eines Klassenraumes für den Kindergarten/die Vorschule in Buniadu.

Wie schon die Einzelfallhilfe, begann auch die Projektarbeit des Friedensdorfes in Vietnam. Das erste Friedensdorf wurde 1973 in Da Lat errichtet. Insgesamt sind elf Friedensdörfer und über 100 Basisgesundheitsstationen entstanden, die die Lebensbedingungen der Bevölkerung sowie die medizinische Infrastruktur nachhaltig verbesserten. Die Einzelfallhilfe des Friedensdorfes in Vietnam ist daher nicht mehr erforderlich. 2006 übernahmen unsere vietnamesischen Partner die Projektbetreuung in Eigenregie. 2018 unterstützte das Friedensdorf mit einer ersten Zahlung den Bau und die Ausstattung eines Englisch-Centers in Phuoc An. Das Englisch-Center soll Kindern bessere Bildungschancen ermöglichen.

 

 

 

 

Foto: Jakob Studnar

 

Hilfsgüterlieferungen:

2018 wurden vom Friedensdorf insgesamt 21,4 Tonnen Hilfsgüter (2017: 103 t., 2016: 112,56 t.) mit einem Gesamtwert von rund 1,2 Mio. Euro (2017: 1,66 Mio. Euro und 2016: 1,79 Mio. Euro) in die Projektländer gebracht. Der Nutzwert liegt wesentlich höher. Allerdings entfiel in 2018 aufgrund restriktiver Zollbestimmungen und logistischer Probleme die Paketaktion für hilfsbedürftige Menschen in Zentralasien und im Kaukasus mit rund 85 Tonnen. Stattdessen konnten Bürger in 2018 Kinderkleidung sowie Lern- und Beschäftigungsmaterialien für die Friedensdorf-Kinder spenden, da der Kleiderbedarf im Oberhausener Friedensdorf sehr groß ist.

Angola und Afghanistan waren dabei zusätzlich zur Einzelfallhilfe die Länder, in die Friedensdorf International 9,7 bzw. 11,2 Tonnen (für 630.000 Euro/ ANG bzw. 570.000 Euro/ AFG, Nutzwert jeweils deutlich höher) Hilfsgüter schickte. Im relativ kleinen Gambia, wo 2018 der 11. und 12. Friedensdorf-Hilfseinsatz stattfand, konnte unsere Kinderhilfsorganisation parallel zur Einzelfallhilfe 0,5 Tonnen Hilfsgüter (Dauermedikamente) für frühere gambische Friedensdorf-Kinder zur Verfügung stellen.

 

Friedensdorf Gemeinschaftsstiftung:

Gegründet im Jahr 2001 mit dem formulierten Ziel, die Arbeit des Friedensdorfes langfristig abzusichern, flossen bislang die Erträge aus der Stiftung in die Finanzierung verschiedener Projekte (z. B. Bau von Basisgesundheitsstationen in Kambodscha) und auch in die Finanzierung von Charterflügen im Rahmen der Einzelfallhilfe.

Im Jahr 2018 wurden in Kambodscha der Bau und die Ausstattung einer Entbindungsstation des Krankenhauses in Peam Chor sowie der Bau einer Kinderstation des Krankenhauses in Sithor Kandal gefördert. 2018 flossen 158.792,08 EUR aus der Gemeinschaftsstiftung (zusammen mit den Erträgen aus den durch die Friedensdorf Gemeinschaftsstiftung verwalteten Unterstiftungen) in die Entbindungsstation des Krankenhauses in Peam Chor und die Kinderstation des Krankenhauses in Sithor Kandal.

 

Friedensdorf Bildungswerk:

Nach jahrelanger Erfahrung mit den Folgen von Kriegen wurde 1986 das Friedensdorf Bildungswerk gegründet mit dem Ziel, humanitäres Bewusstsein und soziales Engagement hierzulande zu fördern und einen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben aller Menschen zu leisten. Aktueller Schwerpunkt des Bildungswerkes bleibt stets die friedenspädagogische und -politische, interkulturelle und entwicklungspolitische Bildungsarbeit. Über 100 Gruppen waren 2018 bei Ein- oder Mehrtagesveranstaltungen im Rahmen dieser Arbeit des Bildungswerkes in den Räumen der Begegnungsstätte an der Rua Hiroshima zu Gast.

 

In Zahlen notiert nahmen 110 Gruppen mit über 2400 Teilnehmern/-innen  an den interkulturellen Begegnungsseminaren (2017: 98 Gruppen) teil. 24 Gruppen besuchten die Begegnungsstätte zum ersten Mal. Für Besucher gab es insgesamt 4481 Teilnehmertage; die Tendenz geht hier rückläufig von bis zu dreitägigen Veranstaltungen hin zu Wochenenden mit nun weniger als zwei Übernachtungen bei gleichbleibend vielen Teilnehmern. In der Familien- und Erwachsenenbildung wurden im Jahr 2018 über 1400 Unterrichtstunden durchgeführt.

Nachdem das Friedensdorf Bildungswerk im Jahr 2010 das paritätische Qualitäts-Siegel (PQ-Sys) erhielt und somit die Anforderungen erfüllte, um auch weiterhin als anerkannte Familienbildungsstätte gefördert zu werden, hatte es zuletzt 2016 die  Rezertifizierung erhalten, die mit zu 99 Prozent erfüllten Qualitätsansprüchen außerordentlich positiv ausgefallen war. Die nächste Prüfung für das paritätische Qualitäts-Siegel findet 2019 statt.

2018 gab es viele öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen mit Aktionen für Kinder und Jugendliche. Unter anderem fand im August 2018 eine ganz besondere Begegnung im Friedensdorf statt. Rund 300 Mädchen und Jungen des Jugendaustauschprogramms MULTI besuchten an ihrem Sozial-Tag die Friedensdorf-Kinder in Oberhausen und gingen mit interessanten Einblicken in die Arbeit des Friedensdorfes nach Hause. Zudem wurde die Banneraktion „Oberhausen hat keinen Platz für Rassismus“ des Bundesprogrammes „Demokratie leben“ unterstützt. Im Oktober 2018 veröffentlichte Friedensdorf International gemeinsam mit terre des hommes und der Projekthilfe Gambia e. V. einen Aufruf gegen Rassismus und Rechtspopulismus. Die eindrucksvollen Bilder der Ausstellung „50 Jahre Friedensdorf International“ konnten sowohl in den Räumlichkeiten des Bertha von Suttner Gymnasiums und der Markuskirche in Oberhausen, sowie in der Friedrich Althoff Schule in Dinslaken und der Gesamtschule Wulfen in Dorsten, als auch im evangelischen Krankenhaus in Wesel ausgestellt werden. Ende 2018 war die Ausstellung in der Kreissparkasse in Mayen zu sehen, wo seit knapp 30 Jahren eine enge Zusammenarbeit mit dem ehrenamtlichen Freundeskreis in Mayen besteht. Zudem fand im September die zweite Preisverleihung des Oberhausener Jugendfriedenspreises „Youth4Peace“ statt, den der ehemalige Oberhausener Oberbürgermeister Klaus Wehling 2015 ins Leben gerufen hatte. Im Rahmen der Verleihung wurden wieder beeindruckende und kreative Aktionen, die das Bewusstsein für Frieden stärken, präsentiert. In der ersten Preiskategorie gewann der zehnjährige Maurice Fuchs mit einem Video über die Kinder des Friedensdorfes.

Japan:

Aus Japan erhält das Friedensdorf seit Mitte der 90er Jahre verlässliche und wertvolle Hilfe, die stetig weiter wächst. Bis heute erreichen uns Spenden aus Japan, aber vor allem auch freiwillige Helfer/innen, die uns tatkräftig in der Oberhausener Einrichtung unterstützen.

Der japanische Unfallchirurg und Orthopäde Dr. Yukihisa Yagura kommt seit 2007 regelmäßig auf eigene Kosten aus Japan ins Friedensdorf nach Oberhausen, um die Arbeit für schwer kranke und verletzte Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten zu unterstützen. Seit 2010 kommt Dr. Yagura viermal jährlich für zwei Wochen. Im Oktober 2018 wurde Dr. Yagura in Japan mit dem Förderpreis für Mediziner ausgezeichnet und damit auch für sein ehrenamtliches Engagement für das Friedensdorf geehrt.

Seit 2002 gehört zudem der Cataloghouse-Konzern zu den großen Unterstützern aus Japan. Die millionenfach aufgelegten Versandhauskataloge des Unternehmens stellen regelmäßig unsere Arbeit vor, so auch wieder im letzten Jahr. Im Juni 2018 kamen zudem erneut Leser und Mitarbeiter des Cataloghouse zu Besuch ins Friedensdorf.

Die japanische Fotografin und Journalistin Hiromi Yasui begleitete den 78. Hilfseinsatz für afghanische Kinder in Kabul und den Charterflug. Sie wurde vom Cataloghouse engagiert. Der Bericht über den Hilfsflug ist im Januar 2019 erschienen.

Auch Keiko Asano (Foto oben rechts) gehört zu dem Kreis der Friedensdorf-Freunde und Unterstützer aus Japan. Sie ist die Vorstandsvorsitzende und Gründerin der Organisation „Nico General Incorporated Foundation“. Die Idee für das internationale Projekt entwickelte Keiko Asano während sie in Kambodscha lebte. Dort lernte sie, dass viele Krankheiten, die insbesondere für Kinder tödlich enden, ihren Ursprung in mangelnder Hygiene haben. Um dagegen anzusteuern, gründete Frau Asano ihre Organisation, die auf der ganzen Welt ihre Seife „Nicotan Soap“ verteilt und Hygieneschulungen unterstützt. Unter anderem wurde die Seife auch auf dem Adventbasar im vergangenen Jahr verkauft.

Im Juni letzten Jahres besuchten erneut Passagiere des japanischen  „Peace Boat“-Kreuzfahrtschiffs das Friedensdorf. Die Betreiber dieser japanischen Friedensaktion setzen auf den internationalen Austausch und Dialog, während sie verschiedene Orte weltweit besuchen.

Im Dezember 2018 fand ein Empfang anlässlich des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers von Japan statt. Auf der Veranstaltung lernten Friedensdorf-Mitarbeiterinnen Masato Iso, den neuen japanischen Generalkonsul in Düsseldorf, kennen und konnten ihm unsere Arbeit vorstellen.

Zahlen:

Das DZI hat dem Friedensdorf erneut das Spendensiegel zuerkannt. Die Werbe- u. Verwaltungskosten für das Bilanzjahr 2016 sind im Friedensdorf mit 6,82 Prozent vom Gesamtetat als niedrig anerkannt und liegen deutlich unter dem Durchschnitt.

Nach 2017 konnten wir auch im Jahr 2018 das Spendenniveau halten. Erfreulich darf vermerkt werden, dass wir bei den allgemeinen Spenden eine Steigerung von 5,74 Prozent verbuchen durften. In Zahlen ausgedrückt waren dies rund 204.000 €. Auch bei den Bußgeldern konnten wir rund 20.000 € an Mehreinnahmen verbuchen.

Die  Erbschaften und Nachlässe werden eine immer wichtigere Einnahmequelle für das Friedensdorf. Durch einen in der Friedensdorf Geschichte einmaligen Nachlass wurden die Einnahmen um 1,9 Millionen gesteigert.  Wie auch in den Vorjahren wird die Bilanz und der Wirtschaftsbericht nach der Mitgliederversammlung Ende Mai 2019 auf der Homepage des Friedensdorfes veröffentlicht.

 

Ausblick auf 2019:

Die Einzelfallhilfe und die Projektarbeit in den Partner-Ländern sowie die friedenspädagogische Aufklärung in Deutschland bleiben auch 2019 der Kern der Friedensdorf-Arbeit. Im Bereich der Einzelfallhilfe zeichnet sich bereits seit einigen Jahren ab, dass die Rahmenbedingungen schwieriger werden. Zum einen wird die Einzelfallhilfe für afghanische Kinder durch die bestehende Visa-Problematik erschwert. Die deutsche Botschaft in Kabul ist weiterhin geschlossen und die Visa-Anträge der afghanischen Kinder werden in deutschen Vertretungen außerhalb Afghanistans bearbeitet und bewilligt. Dadurch ergibt sich für Friedensdorf International ein nicht unerheblicher logistischer und finanzieller Mehraufwand. Zum anderen wurde auch 2018 die Einzelfallhilfe durch die Lage bei der Versorgung von Kindern in Kliniken angesichts der weiter knappen Zahl an Freibetten erschwert. Es gibt immer weniger Krankenhäuser, die sich bereit erklären den Friedensdorf-Kindern eine kostenlose medizinische Behandlung zu ermöglichen.

Mit dem Bau eines Operations- und Rehabilitationszentrums im Friedensdorf in Oberhausen reagieren wir auf die veränderten Rahmenbedingungen der Einzelfallhilfe. Denn der Neubau soll helfen, Engpässe in der Versorgung mit Krankenhaus-Freibetten aufzufangen. Allerdings kann der OP keine Freibehandlung in den Krankenhäusern ersetzen, aber helfen deren Kosten zu senken. In dem zweigeschossigen Gebäude werden OP und Reha untergebracht. Dort sollen kleinere Operationen, insbesondere handchirurgische und kleinere orthopädische Eingriffe, durchgeführt werden. Dazu gehört beispielsweise die Entfernung eines Fixateurs. Die Kinder müssen dafür zukünftig nicht mehr ins Krankenhaus. Die veranschlagten Kosten belaufen sich auf circa 2,5 Millionen Euro. Die „Sternstunden“, die Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks, sind bereits seit vielen Jahren ein wichtiger Partner des Friedensdorfes und beteiligen sich am Neubau mit 500.000 Euro.

Das Friedensdorf plant auch 2019 im Rahmen der Einzelfallhilfe vier Schwerpunkteinsätze in Angola und Afghanistan (mit Kaukasus und Zentralasien). Zusätzlich sind im Rahmen der Einzelfallhilfe und Projektarbeit weitere Dienstreisen nach Usbekistan, Tadschikistan, Kambodscha, Japan und Gambia geplant.

Wichtige Termine im Friedensdorf-Jahr werden „Peace im Pott“ (5. bis 7. Juli), der Friedenslauf (1. September) und das Dorffest am 14. September sein. In diesem Jahr wird „Peace im Pott“ am 6. Juli in der Oberhausener Einrichtung sowie am 5. und 7. Juli im Strandhaus Ahr in Voerde stattfinden. Tradition bleiben auch die Modellbaubörsen (3. März und 3. November).

 

Schlussbemerkung:

Unser Dank gilt den treuen jahrelangen Weggefährten und den vielen Spenderinnen und Spendern, die die Arbeit des Friedensdorfes auch in 2018 wieder finanziell und/oder tatkräftig unterstützt haben. Sie haben damit erst möglich gemacht, dass die inhaltliche Arbeit im vergangenen Jahr auf allen Gebieten (Einzelfallhilfe, Auslandsprojekte, Bildungsarbeit) durchgeführt und wo nötig – neu strukturiert – werden konnte.

Einen unverzichtbaren Anteil daran haben nach wie vor die vielen Krankenhausträger und deren engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im gesamten Bundesgebiet. Denn nur mit ihrer Unterstützung ist – trotz eigener finanzieller und personeller Engpässe – unsere Arbeit in dieser Form erst möglich. Zudem gilt den Städten Oberhausen und Dinslaken und den unterschiedlichen Fachbereichen der Stadtverwaltung unser Dank für die gute Zusammenarbeit, ferner den Krankenhaustransportdiensten des DRK und BRK sowie der STOAG und dem Flughafen Düsseldorf.

Ebenso bedanken wir uns herzlich bei allen Medienvertretern, die die Arbeit des Friedensdorfes engagiert, vertrauensvoll und auch kritisch begleitet haben. Ihre Berichterstattung ist von entscheidender Bedeutung, um unsere inhaltliche Arbeit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Nicht zuletzt gilt ein großer Dank den „Sternstunden“, der Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks, die wieder den größten Teil der Charterflugkosten übernahmen.

Für die Zukunft wünschen wir uns Menschen, die mit uns die Herausforderung annehmen, möglichst vielen Kindern ein gesundes Leben zu ermöglichen und auf diese Weise Zukunftsperspektiven zu schaffen. Insbesondere mit Blick auf die besorgniserregenden gesellschaftspolitischen Entwicklungen muss Friedensdorf International, als Organisation, die kranken und verletzten Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten hilft, für eine offene, vorurteilsfreie und friedvolle Gesellschaft einstehen.

Mit Ihrer Unterstützung wird uns das gelingen.

Schon jetzt ein herzliches Dankeschön dafür.

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