Eindrücke unseres Einsatzteams zum 53. Usbekistan-Hilfseinsatz

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Seit dem 8. April befinden sich Kevin Dahlbruch und Rebecca Wenzel in Usbekistan

Taschkent, 12. April 2019

 

Drei Jungs auf dem Weg in die Heimat

 

Hallo Deutschland,

Für drei Kinder heißt es „Nach Hause“ – „Nach Hause“ – der wohl eindrucksvollste Satz für all diejenigen, die bereits bei einem der vier Charter-Einsätze pro Jahr den Abschied der Kinder aus dem Friedensdorf miterlebt haben. Und für drei Jungen im Alter von 12, 11 und 2 Jahren ist es jetzt schon so weit, sogar vier Monate vor dem nächsten Charterflug, bei dem die genesenen Kinder aus Zentralasien und dem Kaukasus ihren Weg zurück nach Hause finden.

Der einmal im Jahr stattfindende Hilfseinsatz in Usbekistan steht auf der Friedensdorf-Agenda, um neue Patienten für die kommenden Charterflüge auszuwählen. Da die drei Jungs bereits gesund genug sind, um den Weg nach Hause anzutreten, möchten wir ihnen ihre Familie, ihre gewohnte Umgebung und ihre Kultur nicht länger vorenthalten als notwendig.

Die drei scheinen kurz vor der Abfahrt nicht zu wissen, was für eine Reise bevorsteht – ob es an der Aufregung liegt, ist schwer zu sagen. Vielleicht ist es auch einfach der Umstand, nicht wie erwartet gemeinsam mit allen anderen geheilten Kindern den Weg in die Heimat anzutreten, gemeinsam „Nach Hause“ mit vielen Kindern im Chor zu rufen – ebenso, wie man es im Friedensdorf sonst kennt oder es ihnen von den anderen Kindern berichtet wurde.

Während sich die beiden älteren Jungs voller Eifer mit dem Multimedia-System des Linienflugzeugs auseinandersetzen und gar nicht wissen, welchen Film sie sich zuerst ansehen sollen, ist für den Kleinsten einfach alles interessant was leuchtet oder woraus Geräusche hallen. Immer wieder zeigt er schon vor Einstieg in das Flugzeug nach Istanbul auf die Markierungen auf dem Boden der Flughafenhalle oder die Getränkeautomaten, die so toll leuchten – nicht gerade Dinge, die bei den „großen Jungs“ Erstaunen auslösen.

Sobald das Flugzeug in Düsseldorf von der Startbahn abgehoben ist, fiel der Kleine in einen tiefen Schlaf. Das Wummern der Maschine beim Abheben scheint ihn eher zu ermüden als wach zu halten.

Nach drei Stunden erreichten wir Istanbul. Die mehrstündige Wartezeit störte die Kinder nicht. Während der kleine Langschläfer auf den Sitzen in der Abflughalle seinen Schlaf fortsetzte, spielten wir mit den beiden Jungs ein Kartenspiel – ganz in typischer Friedensdorf-Manier, mit den dazugehörigen Regeln, die die Erwachsenen nicht kennen – wahrscheinloch eine der wenigen Arten von Spielen, die man  gut und gerne verliert. In solchen Momenten erkennt man einfach das „Wir-Gefühl“ unter den Kindern - das miteinander verbunden sein und teilen, was nicht jeder verstehen kann, was die Kinder leben – im engen und auch im weiteren Sinne.

Eine schöne Beobachtung beim Zwischenstopp: das Getuschel unter den beiden Großen wird lauter. Große Augen und ein gespanntes Kichern. Sie hören, wie jemand per Lautsprecher auf Usbekisch telefoniert. Die Freude über ihre Muttersprache bei den Jungs ist wunderschön anzusehen. Noch größer aber das Gefühl unsererseits, ihnen besten Gewissens zu sagen, dass ihr Heimatland nur noch wenige Stunde entfernt ist.

Während des Fluges von Istanbul nach Taschkent schläft der Kleine durch. Zwischenzeitlich, bei all dem Hin und Her wurde er wach und wimmerte im Halbschaf etwas – ein wirklich erstaunlich tapferes Kind. Selbst die beiden Großen haben – entgegen ihrer Ansage – etwas Schlaf gefunden.

Als wir in Taschkent landen, ist es schon Morgens. Der Kleine hat tatsächlich von Düsseldorf bis Taschkent durschlafen können.

Mit den leisen Worten „Wir sind jetzt in Usbekistan“ öffnete er nach der Landung seine kleinen Augen. Weder die lauten Geräusche der Maschine noch das Hin-und-Her-Getrage in Istanbul oder die schrillen Durchsagen dort hatten das bewerkstelligen können. Aber dieser Satz konnte es und brachte sogar ein Nicken hervor.

Euer Einsatzteam

One Response

  1. Andrea Mouque-Arslan
    | Antworten

    Ich fand das sehr spannend und emotional . Was mich sehr freute, war das die Jungs endlich wieder zu Hause bei ihren Familien sein konnten und das sie gesund geworden waren . Klasse und ein dickes Lob an euch für euren Einsatz und eure Unterstützung . Liebe Grüße an Rebekka .

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