Mitgliederversammlung 2019

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Dr. Susanne Grünewald legt Amt nieder – Rainer Suhr verstärkt den Vorstand

Friedensdorf zieht Bilanz

Am Samstag, den 25. Mai versammelten sich die Mitglieder der Aktion Friedensdorf e. V. in der Dinslakener Zentralstelle der Kinderhilfsorganisation. Auch in diesem Jahr prägten der Rückblick auf das Jahr und die Wahlen zum Vorstand die Mitgliederversammlung.

Thomas Jacobs verabschiedet Dr. Susanne Grünewald aus dem Vorstand.

Nach 22 Jahren ehrenamtlicher Arbeit im Vorstand gab Dr. Susanne Grünewald auf der Versammlung bekannt, dass sie sich nicht zur Wiederwahl stellt und ihr Amt als erste Vorsitzende niederlegt. „Ich möchte mich gerne in anderen Bereichen für die Kinder des Friedensdorfes engagieren. Dadurch wird es für mich kein Abschied, was für mich auch undenkbar ist“, so Dr. Susanne Grünewald. An dem Nachmittag wurde Dr. Susanne Grünewald auch vom Vorstand und von den Mitgliedern zum Ehrenmitglied ernannt. Nach den erfolgreichen Wahlen durch die Mitglieder sind Dr. Ralf Peppmüller, Stefan Hennig, Klaus Wieprecht, Annegret Hübbers und Rainer Suhr für den Vorstand aktiv. Zum ersten Vorsitzenden wurde Dr. Ralf Peppmüller gewählt, der ein langjähriges Vorstandsmitglied und im Gladbecker Krankenhaus als leitender Oberarzt tätig ist. Mit Rainer Suhr gewinnt das Friedensdorf ein neues Vorstandsmitglied für das Amt des Beisitzers.

„Er kennt das Friedensdorf aus eigenem Erleben seit über 20 Jahren und war als ehemaliger Sprecher der Stadt Oberhausen stets ansprechbar für die Belange des Friedensdorfes. Gerade während der Revitalisierungsmaßnahme des Friedensdorfes in den Jahren von 2000 bis 2005 konnten über den kurzen Dienstweg mit ihm Probleme schnell und unbürokratisch gelöst werden“, berichtete Dr. Susanne Grünewald.
Die Mitgliederversammlung wurde überschattet durch das vor zwei Tagen verstorbene sechsjährige Mädchen in einem süddeutschen Krankenhaus. Für das verstorbene Friedensdorf-Kind und dem im vergangenen Jahr verstorbenen ehrenamtlich engagierten Mediziner Herrn Dr. Mohammed Ali Hariri legte die Mitgliederversammlung eine Schweigeminute ein.

Wirtschaftlich bewertet das Friedensdorf das Jahr 2018 als erfreulich. „Wir freuen uns, dass wir das Haushaltsjahr 2018 mit einem Bilanzgewinn von rund 1,9 Mio. Euro kommentieren dürfen. Trotzdem gilt es aber doch, diesen zu relativieren. Zu dem überaus positiven Ergebnis hat ein Nachlass beigetragen, der mit 3,4 Mio. Euro in das Bilanzergebnis floss“, sagte Dr. Susanne Grünewald. Eine Erbschaft bzw. einen Nachlass in dieser Größenordnung habe es noch nie in der Friedensdorf-Geschichte gegeben und dürfe keinesfalls dazu führen, sich finanziell für die kommenden Jahre in Sicherheit zu wiegen. Wenn im Jahr 2017 noch 28.340 Einzahlungen die Arbeit des Friedensdorfes förderten, so waren es im Haushaltsjahr 2018 nur 27.653 Einzahlungen. Erst kürzlich berichtete der Deutsche Spendenrat e. V., dass in Deutschland immer weniger Menschen Geld für einen gemeinnützigen Zweck spenden. Das ist ein Trend, den nicht nur das Friedensdorf wahrnimmt, sondern der auch andere Hilfsorganisationen betrifft.

Zu den Arbeitsbereichen des Friedensdorfes gehören weiter drei Säulen: die medizinische Einzelfallhilfe für Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten, die weltweite Projektarbeit für eine Verbesserung der medizinischen Infrastruktur in den Heimatländern sowie die friedenspädagogische Arbeit des Bildungswerkes. Für die Einzelfallhilfe in Afghanistan war 2018 aufgrund der Visaproblematik wieder kein leichtes Jahr. Der Hilfsflug im August konnte zwar stattfinden, war aber erneut gefährdet und mit einem höheren logistischen Aufwand sowie Mehrkosten verbunden. Da die deutsche Botschaft in Kabul weiterhin geschlossen ist, müssen die Visa von einer deutschen Vertretung in einem anderen asiatischen Land ausgestellt werden. Auch die politische Lage in Afghanistan betrachtet das Friedensdorf mit Sorge. Seit 2001 hat der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan rund 16,4 Milliarden Euro gekostet und ein Ende des Konfliktes ist nicht in Sicht. „Leider hat das Friedensdorf Recht behalten, als wir schon zu Beginn der sogenannten „Friedensmission“ im Jahr 2001 warnend darauf hinwiesen, dass Kriege nicht durch Kriege verhindert werden können“, so Dr. Susanne Grünewald.

Eine weitere Schwierigkeit für die Einzelfallhilfe stellt die weiterhin knappe Zahl der Freibehandlungen dar, denn immer weniger Kliniken erklären sich dazu bereit, kostenlos die Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten zu behandeln. Mit dem Bau eines OP- und Rehabilitationszentrums reagiert Friedensdorf International auf die veränderten Rahmenbedingungen. Der Neubau soll helfen Engpässe in der Freibetten-Versorgung aufzufangen, kann diese allerdings niemals ersetzen. Mittlerweile ist der Abriss des alten Gebäudes erfolgt und die Rohbauarbeiten sollen in Kürze beginnen.
Ein wichtiges Thema der Mitgliederversammlung war auch die morgige Europawahl. „Wir stehen morgen vor der Entscheidung, ob wir die Weichen für ein friedliches und soziales Europa stellen oder antidemokratischen und nationalistischen Kräften die Tür öffnen. Die Aufgabe des Friedensdorfes – aber auch eines jeden anderen Bürgers – ist es, sich gemeinsam entschlossen dem Hass und der Hetze von Rechts entgegenzustellen und couragiert für Offenheit, Vielfalt und Menschenrechte einzutreten“, forderte Dr. Susanne Grünewald.

Auf der Mitgliederversammlung im letzten Jahr wurde im Rahmen von Satzungsänderungen beschlossen, dass eine Doppelspitze künftig das Friedensdorf leiten wird. Der heutige Leiter Thomas Jacobs wird Mitte 2020 in den Ruhestand gehen. Um die Kontinuität in der Leitungspolitik zu gewährleisten, werden ab 1. Juli 2019 Birgit Stifter und Kevin Dahlbruch paritätisch mit den Leitungsaufgaben betraut.

One Response

  1. Anne Below
    | Antworten

    Herzlichen Glückwunsch an alle “alten” und neuen Mitglieder des Vorstandes Viel Kraft und Energie allen Mitarbeitern macht weiter so vielen Dank

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