Doktor Merholz gibt Kindern den Mund zurück

Dr. Erich Theo Merholz mit Kindern im Friedensdorf Oberhausen

Der Solinger Kieferchirurg Erich-Theo Merholz operiert seit fast 30 Jahren Friedensdorf-Patienten. Jetzt geht er in den Ruhestand. Allerdings nicht so ganz.

Von Uli Preuss

Es muss Anfang der 90er  Jahre gewesen sein,  als in der Solinger St. Lukas Klinik die ersten „Lippen-Kiefer-Gaumenspalten-Patienten“ des Friedensdorfes eingeliefert wurden. Neu damals war auch der junge Chefarzt der Gesichts- und Kieferchirurgie, Dr. Erich-Theo Merholz.  Der engagierte Arzt geht in dieser Woche in den Ruhestand.

Erich-Theo Merholz ist Familienvater, hat zwei Töchter, einen Sohn  und  ist engagierter Christ. Auch deshalb hat er ein Herz für die geschundenen Kinder dieser Welt. Und operiert neben seinen Friedensdorf-Kindern auch junge Lippen-Kiefer-Gaumenspalten-Patienten  in Peru und Vietnam. Angefangen habe alles im pakistanischen Peshawar, erinnert sich der Solinger. Damals operierten er und weitere deutsche Ärzte afghanische Flüchtlinge jenseits der Grenze. Sein „Baby“ aber ist ein Operationsprojekt im peruanischen Lima, das er ins Leben gerufen hat und das der Peru-Arbeitskreis seiner katholischen Gemeinde St. Clemens in Solingen  unterstützt.

Doch egal, wo auf der Welt Erich Theo Merholz half, der gemeinsame Nenner sei immer die Armut, ist er sich sicher. Friedensdorf-Kinder aus den ehemaligen GUS-Staaten oder aus Afghanistan würden oft an Mangel- oder Unterernährung leiden. Fehlendes Obst, stattdessen nur Hirse oder Reis, bedeute nun mal  bereits in der Schwangerschaft der Mutter einen eklatanten Vitaminmangel.

In Peru oder Vietnam trifft der Mediziner zudem auf die Umweltgifte, deren Auswirkungen allzu oft in den deformierten Kiefern seiner Schützlinge sichtbar werden. Ob Quecksilbervergiftungen in den Bergwerksregionen der Anden oder Dioxin, heute noch verursacht durch Agent Orange-Entlaubungsmittel zu Zeiten des Vietnamkriegs oder die lebensbedrohenden Mangelernährung am Hindukusch, ausbaden müssten das immer die Armen und die Kinder.

Was so ein Kieferleiden wirklich bedeutet, beschreibt der 69-Jährige eindrucksvoll: „Speisen, die unweigerlich wieder aus der Nase herauslaufen, Menschen, die ihrer Sprache beraubt, auch das Hören vernachlässigen oder Kinder, die durch Infektionen in Mund- und Nasenhöhle gleichzeitig an schmerzhaften Ohrenentzündungen leiden.“

Erich-Theo Merholz muss schätzen: Mehr als  100 Friedensdorf-Kinder wird er in allein in der  St. Lukas Klinik ihren Mund zurückgegeben haben. Die Macher im Krankenhaus der katholischen  Kplus-Gruppe sehen es als ihre Christenpflicht an, zu helfen. Doch so ganz uneigennützig sei das dann doch nicht, gesteht der Kieferchirurg. Immerhin täte man auch etwas für sich selber, wüssten er und seine Kollegen. Dr. Merholz: „Es ist für mich ein Zustand höchster Beglückung, wenn ich helfen konnte“, gesteht er.

Anfang Oktober wird der Solinger Chefarzt feierlich in den Ruhestand verabschiedet. Dem Friedensdorf hat er bereits versprochen, künftig auch im neuen Rehabilitationszentrum mit Eingriffsraum, der gerade auf dem Dorfgelände entsteht, „seine Kinder“ weiter zu operieren.

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