53. Gründungstag des Friedensdorfes

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Corona-Krise erschwert Friedensdorf-Arbeit

Im Friedensdorf ist man sich einig: Ein weiteres Jahr, in welchem so viele Kinder weltweit Hilfe brauchen, ist kein Grund zum Feiern. Daher nutzen wir den heutigen 53. Gründungstag um darüber nachzudenken, wieso diese Arbeit leider weiterhin aufrechterhalten werden muss.

In den vergangenen 53 Jahren durchlebte die Kinderhilfsorganisation bereits viele Krisen. Die Corona-Pandemie ist dennoch unvergleichbar und eine Krise, bei der wirklich kein Bereich unbetroffen bleibt. Die ganze Welt sitzt in einem Boot: Die Partnerorganisationen in Kriegs- und Krisengebieten, die ehrenamtlichen Helfer, die Spender sowie die Mitarbeiter. Nicht zu vergessen natürlich die Friedensdorf-Kinder und ihre Familien.

Schon früh ist klar, dass die Pandemie auch an Ländergrenzen keinen Halt macht. In dieser globalisierten Welt waren die Voraussetzungen für die rasche Verbreitung des Virus optimal. Es ist schlimm zu sehen, dass auch die Heimatländer und Projektländer stark betroffen sind. In Tadschikistan können sich viele Menschen Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten, in Angola treibt der Corona-Virus die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander und in Afghanistan führt die Pandemie zur völligen Überlastung des Gesundheitssystems. Gleichzeitig macht der Krieg im Land am Hindukusch keinen Halt vor dem Lockdown.

Es hat sich in den letzten Wochen und Monaten bestätigt, dass Hilfe in Krisensituationen wie dieser vor allem eins sein muss: Bedarfsorientiert. In Kambodscha haben die Müllsammlerfamilien des Kindergarten-Projektes „Somersault“ in Phnom Penh keinen Zugang mehr zur Grundversorgung – Also verteilte der Friedensdorf-Partner Grundnahrungsmittel und Hygieneartikel. Nach Angola wurden zusätzlich zu den Medikamenten für die ehemaligen Friedensdorf-Kinder unter anderem Mundschutze und Handschuhe geschickt, damit auch die arme Bevölkerung einen einfachen Zugang zu diesen wichtigen Hilfsgütern hat.

Die Einzelfallhilfe, wie sie seit Jahrzehnten praktiziert wird, ist aktuell extrem eingeschränkt. In den Heimatländern können die Menschen nicht in große Städte reisen und Versammlungen sind verboten, somit können keine Kinder für eine medizinische Behandlung in Deutschland vorgestellt werden. Auch Charterflüge können nicht stattfinden. Dies und noch viele Aspekte mehr machen es aktuell undenkbar, kranke Kinder nach Deutschland zu holen. Dennoch wird hart daran gearbeitet, dass die genesenen Kinder endlich zu ihren Familien zurückkehren können. In allen Bereichen ist es leider so: Der Corona-Virus bestimmt aktuell die Regeln.

Es ist enorm wichtig in dieser Zeit an der Friedensdorf-Hilfe in ihrer Form festzuhalten.

Die drei Säulen der Arbeit ergänzen sich gegenseitig unabdingbar. Einerseits gibt es Kinder, die dringende medizinische Hilfe brauchen. Diese Kinder kommen mit der Einzelfallhilfe nach Deutschland und kehren nach der Behandlung wieder in ihre Heimat zurück. Andererseits muss vorgebeugt werden, damit Kinder gar nicht erst so schwer krank werden oder zumindest die notwendige medizinische Versorgung nicht weit von ihrem Zuhause erhalten können. An dieser Stelle greift die Projektarbeit ein, wo durch medizinische und soziale Projekte den Menschen vor Ort nachhaltig geholfen wird. Die dritte Säule der Arbeit ist die Bildungsarbeit hier in Deutschland. Solange es noch Menschenfeindlichkeit in Deutschland gibt und Waffen aus deutschen Fabriken Menschen in Kriegen töten, gibt es noch viel zu lernen. Denn Krieg geht uns alle etwas an. Diese drei Säulen sind ein einmaliges Modell.

Keine Kriege mehr und Zugang zu medizinischer Versorgung für alle Menschen dieser Welt – Das wäre ein Grund zum Feiern! 53 Jahre Friedensdorf gibt lediglich Anlass zum Nachdenken.

 

Foto: Toby Binder

One Response

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    Anne Below
    | Antworten

    Liebe Friedensdorfler…53 Jahre, ein halbes Jahrhundert Hilfe, das fühlt sich sehr lang an…. Ich danke allen, die dabei sind, sich engagieren und helfen….Bleibt gesund und optimistisch

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