Charterflug für Afghanistan verschoben

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Hilfe für kranke und verletzte Kinder enorm erschwert

Vom 9. bis zum 17. August befand sich ein Team des Friedensdorfes in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Die Friedensdorf-Mitarbeiterinnen Claudia Peppmüller und Birgit Hellmuth waren für eine Woche dort und der Journalist Jan Jessen begleitete sie. Diese Reise diente als Vorbereitung für den geplanten Hilfsflug, um sich neue Patient*innen für eine medizinische Behandlung in Deutschland anzusehen und Visa-Anträge für diese Kinder vorzubereiten. Der Flugverkehr wurde jedoch aufgrund der Machtübernahme der Taliban während ihres Aufenthaltes eingestellt und somit auch der geplante Rückflug des Teams gecancelt. Die Situation wurde immer unübersichtlicher und am 17. August wurden beide schließlich mit dem ersten großen Evakuierungsflug der Bundeswehr zunächst in die usbekische Hauptstadt Taschkent gebracht. In den frühen Morgenstunden des 18. August landeten sie am Frankfurter Flughafen.

Endlich in Sicherheit – Doch für das Team war es schwer, wirkliche Freude darüber zu empfinden. „Wie sollen wir uns darüber freuen, dass wir einfach Glück haben und den richtigen Pass besitzen? Vor dem Flughafen in Kabul sind unzählige verzweifelte Menschen und sie alle scheinen keine Chance auf eine Ausreise zu haben. Viele haben große Angst, dass sie sterben müssen, wenn sie in Afghanistan bleiben“, berichtet Friedensdorf-Mitarbeiterin Birgit Hellmuth. Die Szenen, die das Team beschreibt, sind dramatisch: Väter, die versuchen, ihren Familien einen Weg durch die Masse zu bahnen. Mütter, die schützend ihre Töchter und Söhne an sich klammern. Kinder, die die Situation noch gar nicht einordnen können. „Wir waren von der Situation erschüttert. Wir haben gespürt, dass die Menschen so verzweifelt sind und keinen anderen Ausweg sehen, als ihr Zuhause und ihr geliebtes Land zu verlassen“, fügt Claudia Peppmüller hinzu.

Auch die 27 Kinder, die das Friedensdorf-Team in den Tagen zuvor kennengelernt hat, brauchen dringend medizinische Hilfe. Die Ärztinnen und Ärzte in Afghanistan sind an ihre Grenzen gestoßen und können ihnen nicht mehr helfen. Ihre einzige Chance auf eine gesunde Zukunft ist nun ein Behandlungsplatz in Deutschland. Viele Kinder leiden unter Knochenentzündungen, die unbehandelt zu einer Blutvergiftung und schließlich zum Tod führen können. Doch ihre Hoffnung auf eine schnelle Hilfe ist mit dem unerwartet schnellen Vormarsch der Taliban zunächst zunichte gemacht worden. Der geplante Charterflug, der Ende August die kranken und verletzten Kinder nach Deutschland fliegen sollte, ist leider auf unbestimmte Zeit verschoben. „In Abstimmung mit der Fluggesellschaft mussten wir leider entscheiden, dass der Charterflug aktuell nicht durchführbar ist. Die Situation am Flughafen in Kabul ist durch die andauernden Evakuierungen weiterhin sehr unübersichtlich und zu gefährlich. Es bricht uns das Herz, dass die kranken und verletzten Kinder warten müssen. Wir werden aber ganz sicher unser Versprechen halten und alles daransetzen, ihnen so bald wie möglich helfen zu können“, erklärt Friedensdorf-Leiterin Birgit Stifter.

Schon von 1996 bis 2001 leistete das Friedensdorf Hilfe in Afghanistan unter der Taliban-Regierung. „Wir arbeiten politisch unabhängig und überkonfessionell. Jedes einzelne Kind hat eine gesunde Zukunft verdient, das gilt für Kinder der Taliban ebenso wie für alle anderen Kinder. Ein Kind kann nichts dafür, in welche politische Gesinnung seiner Eltern es hineingeboren wird“, betont Birgit Stifter. „In Afghanistan ist unsere Partnerorganisation, der Rote Halbmond, unser Ansprechpartner. Wir haben nie mit den Taliban oder sonstigen politischen Organen zusammengearbeitet und werden dies auch nicht tun“, fügt die Friedensdorf-Leiterin hinzu.

Bildunterschrift: Jan Jessen, Birgit Hellmuth und Claudia Peppmüller (v.l.n.r.) bei der Ankunft in Frankfurt

Foto: Sandro Somigli

3 Responses

  1. Gerwinn Langner Doris
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    Liebe Claudia und liebe Birgit!
    Ich bewundere Euer Mitgefühl für die leidenden Kinder in Afghanistan und Eure Tapferkeit in der lebensgefährlichen Situation in Kabul. Ich kann Euch gar nicht genug danken, dass Ihr den Schlechten Ruf Deutschlands ein wenig verbessern helft.
    Doris, Ehrenamtlerin

  2. Alfons Heilmann
    | Antworten

    Wir sind froh dass zumindest ihr zurück seid gleichwohl es uns um die vielen Menschen die nun unter dieser alten neuen Regentschaft der Taliban leiden müssen sehr leid tut. Das hat dieses Land nicht verdient. Der Westen allen voran die USA aber auch wir in Deutschland müssen uns schämen die Bevölkerung diesen Barbaren auszuliefern.
    Es wird trotz aller Bekundungen eine bittere Zukunft gerade für Frauen. Wir haben viele Jahre neugirige wissensdurstigen und liebenswerten Kinder aus diesem Land mit hohem Engagement und Euphorie betreut…..und sind traurig dass man sicher nun auch ihnen keine Perpektive mehr GEBEN wird…

    Christel u. Alfons Heilmann

  3. Axel W.
    | Antworten

    Einmal mehr ein Beleg dafür, dass Kriege mittel- und langfristig nur Verlierer kennen und Menschen leiden lassen. Kinder sind dabei die schwächsten Opfer – schutzlos, entkräftet, häufig alleingelassen oder verwaist.

    Dass ihr vom Friedensdorf konsequent und so gut und so viel es geht, helft (das eigene Leben dabei bitte schützen!) bewundere ich aufrichtig.
    Haben wir hier in Deutschland doch schlicht Glück bei der Geburtslotterie gehabt und können ohne wesentliche Einschränkungen Schwächeren helfen und zugleich selbst ein freies Leben führen.

    Danke für euren unermüdlichen Einsatz!

    Axel

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