Hossei Stein – Oberhausen

Berichte von Ehrenamtlern

Hossei Stein – Oberhausen

Wie kamen Sie ins Friedensdorf?

Während einer Fahrradtour durch Oberhausen hat mich mein Mann auf das Friedensdorf aufmerksam und neugierig gemacht. Er kannte die Hilfe für verletzte und kranke Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten aus der Zeitung und erzählte mir, dass dort auch Kindern aus Afghanistan geholfen wird. Ich komme selbst aus Afghanistan und bin in Kabul aufgewachsen. Ich habe mich daher direkt auf der Homepage informiert und für ein Ehrenamt-Seminar angemeldet. Seit 2018 biete ich im Lernhaus Dari an und habe auch schon einen Dari-Crashkurs für andere ehrenamtliche Helfer*innen gegeben.

 

Was ist Ihre Motivation für ein Ehrenamt im Friedensdorf?

Ende der 90er bin ich als junges Mädchen mit meiner Familie aus Kabul nach Deutschland geflüchtet. Ich weiß, was es heißt im Krieg geboren zu sein und jeden Tag mit Angst und Sorgen leben zu müssen. Es ist unbeschreiblich schwer jeden Tag daran zu denken, dass dieser der letzte für einen selbst oder die Familie sein könnte. Hier in Deutschland geht es mir sehr gut und ich bin sehr dankbar, dass ich nun in einer Demokratie und in Frieden leben kann. Daher liegt es mir sehr am Herzen Kindern zu helfen, die auch aus einem Kriegs- oder Krisengebiet kommen. Dies kann ich jetzt mit meiner ehrenamtlichen Tätigkeit im Lernhaus umsetzen. Kurz vor der Flucht durfte ich nicht mehr zur Schule gehen, aber meine Mutter, die Diplom-Pädagogin an der Universität Kabul war, hat mich weiter unterrichtet. Ihr war es sehr wichtig, dass ich weiter lerne und vor allem meine Muttersprache irgendwann für etwas Sinnvolles nutzen kann. Mit dem Dari-Angebot kann ich den afghanischen Kindern eine große Freude machen – für sie ist es oft hilfreich, wenn sie weiterhin ihre Muttersprache nutzen können. Mein Ehrenamt hat auch dazu geführt, dass ich vor kurzem eine Umschulung in der Altenpflege für demenzkranke Menschen absolviert habe. Denn ich habe gemerkt, dass ich auch mit meiner beruflichen Tätigkeit anderen Menschen helfen möchte.

 

Welche Momente haben Sie besonders berührt?

Es hat mich unheimlich berührt, als ich zum ersten Mal die Kinder im Friedensdorf getroffen habe. Trotz ihrer Verletzungen oder Erkrankungen und dem was sie vielleicht erlebt haben, sind die Kinder unglaublich fröhlich und wissbegierig.

 

Was wünschen Sie dem Friedensdorf für die Zukunft?

Vor allem wünsche ich dem Friedensdorf viele treue Unterstützer*innen. Für die Kinder wünsche ich mir, dass noch mehr ehrenamtliche Helfer*innen auf das Friedensdorf aufmerksam werden, die die Sprachen der Kinder sprechen.

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