20 Jahre nach dem 11. September 2001

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Afghanistan - ein Land, das seit so vielen Jahrzehnten leidet

Ein Beitrag des Friedensdorf Bildungswerkes:

Seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan erreichen uns verständlicherweise tagtäglich besorgte Anfragen von Mitbürgerinnen und Mitbürgern zur humanitären Lage und zur Fortführung der Friedensdorf-Arbeit vor Ort. Auch uns haben die Geschehnisse am Hindukusch zutiefst erschüttert - wenn auch gleichwohl die Gräueltaten und die verheerende Situation ein Bild zeichnen, das dem Friedensdorf leider bereits seit über 40 Jahren bekannt ist. Auch der heutige Gedenktag für die Opfer des 11. September 2001 erinnert daran, welche grausamen Folgen der fundamentalistische Terror mit sich bringt. Die menschliche Katastrophe ist nicht erst durch den kürzlich stattgefundenen Regimewechsel erfolgt. Seit so langer Zeit leidet die afghanische Bevölkerung, ist längst kriegsmüde geworden.

Mit der aktuellen Situation kommen folglich unzählige Fragen auf: Welche konkrete Rolle werden die Taliban künftig spielen? Wie können die Menschen vor Ort gerettet werden? Welche Sicherheiten kann man ihnen bieten, insofern von solchen noch gesprochen werden kann? Inwieweit muss sich die westliche Wertegemeinschaft einer Verantwortung stellen? Und ganz konkret an das Friedensdorf: Wie kann unter diesen Umständen die medizinische Einzelfallhilfe in Afghanistan fortgesetzt werden?

Bereits beim Lesen wird deutlich, dass auf diese Fragen keine pauschalen Antworten folgen können - zu lange, zu intensiv und fahrlässig wurde Afghanistan aufgrund von geopolitischen Interessen der internationalen Großmächte und fundamentalistischer Strömungen von einer Krise in die nächste katapultiert. Auch das Friedensdorf wird nun wieder vor neue Herausforderungen gestellt, auf die ad hoc kein Patentrezept geliefert werden kann. Dennoch haben wir auch in der Vergangenheit so manche Barrieren durchbrochen und die existenzielle, medizinische Hilfe aufrechterhalten können.

Wesentliche Prinzipien und Werte, die sich durch jede Faser unserer Einrichtung ziehen, sind jene, die uns auch durch die härtesten Zeiten geführt haben: Gewaltfreiheit, kulturelle Sensibilität, politische Unabhängigkeit und die Auffassung, dass allen Kindern die gleichen Rechte zukommen sollten. Es gilt also weiterhin: Verantwortung übernehmen für diejenigen, die sich unverschuldet in dieser Situation befinden, denen nicht das Glück zu Teil wird ein Dokument zu besitzen, das ihnen die Ausreise aus einer Notsituation ermöglicht und denen Hoffnungen geben, die sie wohl längst verloren haben. Diese Pflicht betrifft nicht nur einzelne Akteur:innen, Machthabende, Initiativen, Einrichtungen - sie betrifft UNS alle.

Trotz der vermeintlichen Aussichtslosigkeit werden wir unsere gebündelten Kräfte weiterhin dafür einsetzen, den Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten Perspektiven zu ermöglichen und die Hoffnung dafür nie aufgeben.

Bildhinweis: Diese Broschüre wurde vor 20 Jahren anlässlich der grausamen Ereignisse veröffentlicht.

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