Kind aus Uganda erhält medizinische Versorgung in Deutschland

Friedensdorf nimmt Jungen aus Uganda auf

In seiner Heimat Uganda konnte Joel nicht die medizinische Versorgung erhalten, die er braucht. Nun ist er im Friedensdorf und hat sich schon sehr gut eingelebt. Das Leben in einer Heimeinrichtung ist für ihn nicht neu, denn der 11-jährige Junge lebt auch in seiner afrikanischen Heimat in einem Kinderheim. So ist es trotz anfänglicher Sprachbarriere kein Wunder, dass er sich schnell im Friedensdorf eingelebt und bereits viele Freunde aus Afghanistan, Angola, Tadschikistan und Usbekistan gefunden hat.

Joel kommt genauer gesagt aus Jinja, einer Stadt im Südosten Ugandas, die direkt am Nil liegt. Sein Zuhause ist dort das Kinderheim der Ewaka Foundation, wo er gemeinsam mit seinen Geschwistern lebt. Da ihre Mutter schwer krank ist, kann sie sich nicht um die Versorgung der Kinder kümmern. Die Einrichtung nimmt Kinder auf, die Opfer von Vernachlässigung geworden sind und andernfalls auf der Straße leben würden. Bei Ewaka wird den Kindern ein sicheres und liebevolles Zuhause geboten, in dem sie rundum versorgt werden. Auch um die Zukunft der Kinder kümmert sich die Einrichtung. Alle Kinder besuchen Schulen oder Ausbildungsstellen, denn das Ziel ist es, dass sie später auf eigenen Beinen stehen können und so eine Zukunftsperspektive erhalten.

Von der Corona-Pandemie wurden Kinder und Jugendliche in Uganda besonders hart getroffen. Fast zwei Jahre – länger als irgendwo sonst auf der Welt – konnten Schüler*innen nicht zum Unterricht gehen. Erst jetzt öffnen die Schulen wieder und klar ist, dass die längste Schulschließung der Welt einen dauerhaften Tribut fordern wird. Denn viele Fortschritte, die das Land im Bildungsbereich erreicht hat, wurden dadurch zunichte gemacht. Seit Beginn der Pandemie müssen viele Kinder und Jugendliche arbeiten, um das Familieneinkommen zu unterstützen und werden wahrscheinlich nicht in den Schulunterricht zurückkehren. Viele Eltern verloren ihren Job oder verdienten viel weniger als vorher. Bei der Ewaka Foundation wurden die Kinder während des Lockdowns mithilfe von Laptops in der Einrichtung unterrichtet und hatten so die Möglichkeit weiterhin an einer besseren Zukunftsperspektive mitzuwirken.

Eine sichere und gesunde Zukunft ist in Uganda nicht selbstverständlich. Das ostafrikanische Land, das an Kenia, den Südsudan, Tansania, Ruanda und die Demokratische Republik Kongo grenzt, gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Ein Großteil der Bevölkerung wohnt in ländlichen Gebieten und lebt von der Landwirtschaft, die zumeist für den eigenen Bedarf betrieben wird. An der Grenze im Norden Ugandas gab es seit 1987 gewaltsame Aufstände paramilitärischer Truppen, die auch Gräueltaten gegen Zivilisten verübten und zahlreiche Menschen – vor allem Kinder – verschleppten, um sie zu Soldaten zu machen. Durch die mehr als 20 Jahre andauernden Aufstände wurde eine ganze Generation in ihrer Entwicklung zurückgeworfen. In der jüngeren Vergangenheit ist es Uganda gelungen diese Rückstände ein wenig aufzuholen. In großen Städten wie Kigali und Kampala ist auch eine grundlegende medizinische Versorgung gegeben. Doch in den ländlichen Regionen ist dies weiterhin problematisch.

In Uganda konnte Joel medizinisch leider nicht weitergeholfen werden – die notwendige Behandlung soll der 11-jährige aufgeweckte Junge nun in Deutschland erhalten. Am 17. Januar ist er mit einer liebevoll gepackten Reisetasche in Deutschland angekommen und damit gibt es im Friedensdorf zum ersten Mal seit 1991 wieder ein Kind aus Uganda.

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