Eindrücke unseres Teams aus Afghanistan

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Am 9. Februar ist das Friedensdorf-Team, bestehend aus Birgit Hellmuth, Claudia Peppmüller und dem Journalisten Jan Jessen, nach Afghanistan geflogen. Vor Ort warten Eltern, um dem Einsatzteam ihre Kinder für eine medizinische Behandlung in Deutschland vorzustellen. In diesem Blog schildern sie ihre Erlebnisse vor Ort.

 

 

Kabul, 11.02.2022

Kindervorstellungen beim Afghanischen Roten Halbmond

Hallo Deutschland,

gestern war der erste Tag in Kabul. Fast 150 Familien mit kranken Kindern aus allen Teilen Afghanistans kamen zum Gelände unserer Partnerorganisation, dem Afghanischen Roten Halbmond. Die Eltern warteten mit einer Wahnsinnsgeduld darauf, ihre kranken und verletzten Kinder für eine medizinische Behandlung in Deutschland vorstellen zu können. Schon vor Abflug rechneten wir mit dem Schlimmsten. Viele Kinder leiden an schwerwiegenden Knochenentzündungen und Verbrennungen, die länger zurückliegen und vor Ort nicht behandelt werden können. Auch Kinder mit Wunden von Schüssen, Schrapnellen, Minen waren darunter. Vielen der Menschen ist anzusehen, wie hart die Zeiten sind. Auch Taliban sind darunter, die sich Sorgen um ihre Kinder machen. Nicht alle Kinder werden den Weg nach Deutschland antreten können, denn manches kann auch in Deutschland nicht behandelt werden. Die Eltern sind dann traurig, manchen stehen die Tränen in den Augen. Aber sie nehmen die Entscheidung klaglos hin. Am Ende dieses langen Tages konnten 30 Kinder ausgesucht werden. Heute erwarten wir wieder 150 Eltern mit ihren Kindern.

Euer Friedensdorf-Team

 

Foto: Jan Jessen

Kabul, 12.02.2022

Hallo Deutschland,

wenn um Mitternacht die Tür des Raumes, in dem wir gemeinsam mit unserer Partnerorganisation die schwer verletzten und kranken Kinder vorgestellt bekommen, geschlossen wird, dann haben wir allein heute 300 Kinder gesehen. Auch für morgen werden so viele kleine Patient*innen erwartet. Es ist immer wieder sehr berührend zu sehen wie tapfer die Kinder sind - selbst mit den schlimmsten Verletzungen! Schon jetzt danken wir allen Kliniken für die Aufnahme der kleinen Patient*innen. Die Kinder haben diese Hilfe bitter nötig!

Euer Friedensdorf-Team

Kabul, 14.02.2022

Hallo Deutschland,

inzwischen haben wir über 1060 kranke und verletzte Kinder vorgestellt bekommen. Die Not ist einfach unbeschreiblich! Der Großteil trägt bei dieser Kälte keine Socken, geschweige denn Winterschuhe. Auch heute werden wir wieder an die 300 kleine Patient*innen sehen, die auf eine medizinische Behandlung in Deutschland hoffen. Als wir das Video vor wenigen Minuten gedreht haben, fiel gerade wieder einmal der Strom aus.

Euer Friedensdorf-Team

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Kabul, 15.02.2022

Hallo Deutschland,

auch am 6. Tag leert sich der Saal unserer Partnerorganisation nicht. Inzwischen haben wir über 1500 kleine Patient*innen gesehen, die auf eine medizinische Behandlung in Deutschland hoffen - und der Tag ist noch nicht beendet. Wir sehen hier täglich viele schlimme Verletzungen. Besonders betroffen sind wir von den Schilderungen eines 11-jährigen Jungen, der Opfer eines perfiden Anschlages vor 5 Monaten wurde. Beim Öffnen des Korans explodierte dieser in seiner Hand und verletzte ihn schwer. Und trotz seines Schicksals strahlte er über das ganze Gesicht als er hörte, dass wir ihm helfen können.

Euer Friedensdorf-Team

Kabul, 16.02.2022

Hallo Deutschland,

dieses kleine Mädchen hat Leberkrebs im Endstadium. Ihr Vater hat uns gefragt, ob diese Erkrankung ansteckend ist und er seine anderen Familienmitglieder von ihr trennen muss. Dies muss er auf keinen Fall. Leider können wir dem Mädchen nicht mehr helfen und wir haben dem Vater gesagt, dass er sie ganz viel küssen soll und alle bei ihr bleiben sollen.

Euer Friedensdorf-Team

 

Kabul, 17.02.2022

Hallo Deutschland,

ein großes Thema ist und bleibt in Afghanistan der Hunger. Während der Kindervorstellung waren wir sehr erschrocken, wie abgemagert die Kinder sind. Umso mehr freuen wir uns, dass die 1.000 Lebensmittelpakete in der Provinz Khost über unsere Partnerorganisation dem Roten Halbmond verteilt wurden.

Euer Friedensdorf-Team

 

Kabul, 18.02.2022

Hallo Deutschland,

hier in Afghanistan berichten uns die Menschen viel von ihrer Situation. Ein Mann erzählte uns: „Wir haben in Sha-I-Kot nichts mehr. Keine Straßen, keine Schulen, keine Klinik, keinen Strom. Alles ist zerbombt worden. Wir sind immer und immer wieder bombardiert worden. Bei uns leben viele Waisen und Witwen und Menschen ohne Arme und ohne Beine. Mein Sohn ist gestorben. Wir sind zerstörte Menschen. Aber wir sind keine Tiere. Wir wünschen uns, dass wir nicht als Monster betrachtet werden.“

Euer Friedensdorf-Team

 

2 Responses

  1. Uwe Mahler
    | Antworten

    Mein Gott! Bitte lass uns angesichts solch schrecklicher menschlicher Not nicht allein! Zeig mir, wie ich jetzt mit meinen Mitteln zur Linderung/ Heilung dieser Nöte meinen kleinen Beitrag leisten kann…

  2. Lothar Nabbefeld
    | Antworten

    Ja, wie wundervoll, wenn Herzen Herzen berühren. Wenn Menschen Beistand finden in ihrer Not. Wann kommt der Tag, wo niemand mehr dem Irrsinn verfällt, Waffen könnten gegen Waffen helfen, irgendeine Gewalt könnte Gerechtigkeit schaffen. Jetzt endlich:
    GIVE PEACE A CHANCE!

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