Friedensdorf holt erstmals Kinder aus Kurdistan im Nordirak nach Deutschland

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Drei Mädchen und Jungen kehren nach Diagnostik in Heimat zurück

Vor Weihnachten wieder zuhause sein – das war Mateens größter Wunsch. Vor zwei Wochen kam der 11-Jährige gemeinsam mit acht weiteren Jungen und Mädchen mit dem ersten Flug von Friedensdorf International aus der autonomen Region Kurdistan im Nordirak für eine medizinische Behandlung nach Deutschland. Am vergangenen Wochenende hat sich Mateens Wunsch tatsächlich erfüllt: Zusammen mit zwei weiteren Kindern und einem Vertreter der kurdischen Partnerorganisation Barzani Charity Foundation (BCF) kehrte er wieder in seine Heimat zurück.

 

Noch vor zwei Wochen hatten sich Mateen und die anderen Kinder unter Tränen von ihren Familien in der kurdischen Regionalhauptstadt Erbil verabschiedet. Es war die erste Kindergruppe, die sich aus der autonomen Region Kurdistan im Irak auf den weiten Weg nach Oberhausen machte. Im vergangenen März hatte das Friedensdorf die Region das erste Mal besucht, um sich Kinder vorstellen zu lassen, die für eine Behandlung in Deutschland in Frage kamen. Für insgesamt neun kleine Patienten und Patientinnen mit urologischen Problemen, Verbrennungen und orthopädischen Fehlstellungen gab es eine Zusage. Einige Krankheitsverläufe waren komplexer Natur, sodass das Friedensdorf drei der Kinder zur Diagnostik mit nach Deutschland nahm. So auch Mateen. Die Vorbehandlung seiner urologischen Fehlbildung in Kurdistan war gut verlaufen, sodass sich die Ärzte in Deutschland nach Abwägungen des Für und Wider entschieden, dass er aktuell nicht noch einmal operiert werden soll. Ähnlich war es bei Srwa und Sihad. Auch bei ihnen verlief die eingängige Diagnostik positiv. Sie konnten sich mit Mateen wieder auf den Heimweg begeben.

 

Der erste Hilfseinsatz in der Region war für alle Beteiligten eine neue Erfahrung – für die Kinder, ihre Eltern sowie für die BCF, den Kooperationspartner des Friedensdorfes in Kurdistan. Um das Vertrauen in die Arbeit des Friedensdorfes zu stärken, wurden die Kinder auf ihrem Weg nach Deutschland von Dr. Abbas Agha, Head of Health Sector der BCF, begleitet. Er blieb zwei Wochen in Oberhausen und flog nun wieder mit den drei Kindern zurück nach Erbil. Nach seiner Rückkehr führte Dr. Agha vor Ort Einzelgespräche mit den Eltern, um ihnen im Detail zu erklären, wie die ersten Tage im Friedensdorf waren und welche Behandlungen bei den verbliebenen Kindern durchgeführt werden. So kann die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Beteiligten für die Zukunft geschaffen werden.

 

Bei den Gesprächen haben die Eltern auch erfahren, dass die Ankunft für die kleinen Patienten und Patientinnen im Friedensdorf nicht einfach war. „Für die Kinder war und ist es eine nicht ganz leichte Situation“, erläutert Friedensdorf-Leiterin Birgit Stifter. „Die kranken und verletzten Kinder, die ins Friedensdorf kommen, können normalerweise immer auf eine bestehende Gruppe aus ihrem Heimatland zurückgreifen. Das schafft automatisch Vertrauen. Die Kinder aus Kurdistan können dies leider nicht, da zum ersten Mal eine solche Gruppe in unserer Obhut ist. Wir sind froh, dass Dr. Agha die Kinder in den ersten beiden Wochen begleitet und sie zusätzlich unterstützt hat.“ Dem kleinen Rasheed hingegen fiel die Eingewöhnung im Friedensdorf nicht schwer. Er ist ein syrischer Bürgerkriegsflüchtling und lebt mit seiner Familie in einem Camp in Kurdistan. Er fühlt sich im „Dorf“ überaus wohl, wie Friedensdorf-Sprecherin Claudia Peppmüller berichtet: „Für ihn ist das Leben im Dorf viel besser als das Leben im Flüchtlingscamp. Er liebt besonders das Essen.“

 

Nach der Heimreise von Dr. Agha und den drei Mädchen und Jungen verbleiben noch sechs Kinder im Friedensdorf. Sie erhalten hier die Chance auf ein gesundes Leben. In ihrer krisengeschüttelten Heimat sind spezielle medizinische Behandlungen nicht immer möglich. Wie das Friedensdorf-Team bei seinem Besuch im vergangenen März feststellte, ist die medizinische Grundversorgung in Kurdistan zwar gegeben, doch gerade die Nachsorge sei schwierig. Ein besonderes Problem für die medizinische Infrastruktur ist die hohe Zahl an Geflüchteten, die in der Vergangenheit in der autonomen Region Schutz vor dem sogenannten „Islamischen Staat“ und kriegerischen Auseinandersetzungen in den Grenzgebieten gesucht haben: Auf circa sechs Millionen Einwohner in Kurdistan/Irak kommen etwa eine Million Geflüchtete. Für das Friedensdorf ist es daher wichtig, auch in Zukunft die medizinische Not der Kinder vor Ort bestmöglich zu lindern. Der Grundstein dazu wurde nun gelegt.

Dr. Agha begleitete die drei kurdisch-irakischen Kinder auf ihrer Heimreise.

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