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Fünf Dollar für eine neue Zukunft

Friedensdorf International unterstützt medizinische Hilfe in Kurdistan und eine Schule in Shingal – Projektreise zeigt wachsende Versorgungslücken

Manche Familien konnten fünf Dollar geben. Andere etwas mehr. Gemeinsam sammelten die Menschen in Zorava, einer Ortschaft in der nordirakischen Region Shingal, Geld für eine neue Schule. Viele von ihnen waren 2014 vor den Gräueltaten des sogenannten Islamischen Staates geflohen. Nun kehren sie in ihre Heimat zurück – und stehen vielerorts noch immer vor den Trümmern ihrer Vergangenheit.

Bei einer Projektreise im Oktober erfuhren Mitarbeitende von Friedensdorf International von dieser besonderen Initiative. Die Menschen wollten nicht länger darauf warten, dass ihnen jemand eine Schule baut. Sie legten selbst zusammen, um ihren Kindern wieder eine Perspektive zu ermöglichen. Ein Geschäftsmann stellte schließlich die noch fehlenden Mittel für das Schulgebäude zur Verfügung.

Friedensdorf International hat inzwischen die Finanzierung von Solarpanels für die Schule übernommen. Denn eine verlässliche Stromversorgung ist in weiten Teilen Shingals bis heute kaum gewährleistet. Mit der Solaranlage soll die Schule unabhängiger vom öffentlichen Stromnetz werden.

Mehr als zwölf Jahre nach dem Völkermord an den Jesiden sind viele Häuser, Straßen und Versorgungseinrichtungen in Shingal noch immer zerstört oder nur eingeschränkt nutzbar. Dennoch wagen zunehmend Familien die Rückkehr.

„Mich hat besonders bewegt, dass Menschen, die selbst kaum etwas besitzen, fünf Dollar für eine Schule gegeben haben. Sie wollen ihren Kindern wieder eine Zukunft ermöglichen. Eine Schule bedeutet hier nicht nur Bildung. Sie ist auch ein Stück Normalität, Heimat und Hoffnung“, sagt Claudia Peppmüller von Friedensdorf International, die an der Projektreise teilnahm.

Wie unterschiedlich die medizinische Versorgung in Kurdistan inzwischen ist, zeigte sich beim Besuch zweier Flüchtlingscamps.

Im Camp Mamrashan leben überwiegend jesidische Binnenvertriebene. Hier bietet eine von Friedensdorf International finanzierte mobile Klinik dreimal wöchentlich medizinische Hilfe an. Gemeinsam mit der kurdischen Partnerorganisation Barzani Charity Foundation (BCF) werden Kinder und ihre Familien versorgt.Während des Besuchs suchten 44 Patientinnen und Patienten beziehungsweise Familien mit ihren Kindern die mobile Klinik auf. Kinder mit Husten, Mandelentzündungen oder Magen-Darm-Beschwerden konnten direkt untersucht und behandelt werden.

Für ihre Familien bedeutet das vor allem eines: Sie müssen für eine erste ärztliche Versorgung nicht das Camp verlassen.

Nur wenige Tage später zeigte sich im Camp Gawilan ein völlig anderes Bild.

Was passiert, wenn ein Kind vom Fahrrad stürzt?

Ein Junge fährt mit seinem Fahrrad durch das Flüchtlingscamp Gawilan im Nordirak. Hinter ihm steht eine große, verlassene Gesundheitsstation. Ein Bild, das zunächst alltäglich wirkt – und doch eine bedrückende Frage aufwirft: Was passiert, wenn dieser Junge stürzt und sich ein Bein bricht?

Eine medizinische Behandlung im Camp wäre derzeit nicht möglich. Seine Familie müsste versuchen, ihn zu einem Krankenhaus außerhalb des Camps zu bringen. Je nach Ziel könnte die Fahrt bis zu einer Stunde dauern. Für einen solchen Transport wurden den Mitarbeitenden von Friedensdorf International Kosten von rund 45.000 irakischen Dinar genannt – umgerechnet etwa 27 Euro.

Für Familien, die kaum ein Einkommen haben, kann schon diese Fahrt zu einem nahezu unlösbaren Problem werden.

Mehr als 11.000 syrische Flüchtlinge leben in Gawilan, darunter Tausende Kinder. Das abgelegene Camp bietet seinen Bewohnern kaum Möglichkeiten, ein eigenes Einkommen zu erzielen.

Der Camp Leiter berichtete, dass selbst diejenigen, die außerhalb des Camps eine Arbeit finden, häufig einen erheblichen Teil ihres geringen Verdienstes für die Hin- und Rückfahrt mit dem Taxi ausgeben müssen. Manchmal bleibt kaum etwas übrig, um die Familie zu versorgen.

Auf die Frage, wovon die Menschen unter diesen Bedingungen leben, wurde deutlich, wie wichtig finanzielle Unterstützung durch Verwandte im Ausland geworden ist. Doch längst nicht alle Familien können darauf zurückgreifen.

Eine Gesundheitsstation, die langsam verfällt

Besonders erschütternd war der Besuch der ehemaligen medizinischen Einrichtung des Camps.

Die großzügig angelegte Gesundheitsstation verfügte einst über Untersuchungsräume, ein Labor und sogar Einrichtungen für die Betreuung von Müttern und Neugeborenen. Eine Ausstattung, wie sie das Team von Friedensdorf International in Flüchtlingscamps nur selten gesehen hat.

Heute sind die Räume verlassen, Teile der Einrichtung beschädigt oder geplündert. Eine regelmäßige medizinische Versorgung findet dort nicht mehr statt.

„Als wir die ehemalige Gesundheitsstation betraten, lag sogar ein toter Hund im Anmeldebereich. Für mich war das ein erschütterndes Sinnbild dafür, wie eine einmal aufgebaute medizinische Versorgung verfällt. Und direkt davor fährt ein Junge auf seinem Fahrrad. Ich habe mich gefragt: Was passiert eigentlich, wenn dieses Kind morgen einen Unfall hat?“, schildert Claudia Peppmüller.

Die Situation in Gawilan steht beispielhaft für eine besorgniserregende Entwicklung. Zahlreiche internationale Hilfsorganisationen haben ihre Unterstützung in der Region reduziert oder eingestellt. Dadurch entstehen Versorgungslücken, die besonders Kinder und einkommensschwache Familien treffen.

Friedensdorf International möchte weiterhelfen

Anders als im Camp Gawilan ist in den Camps Mamrashan und Esyan dank der von Friedensdorf International finanzierten mobilen Klinik weiterhin eine regelmäßige ärztliche Versorgung gewährleistet. Gemeinsam mit der Partnerorganisation BCF werden Kinder direkt vor Ort untersucht und mit notwendigen Medikamenten versorgt. Gerade angesichts des Rückzugs vieler internationaler Hilfsorganisationen zeigt sich, wie wichtig dieses Angebot ist. Während der Projektreise konnte sich das Team persönlich davon überzeugen, wie gut die mobile Klinik funktioniert.

Auch die Finanzierung von Kinderoperationen bleibt ein wichtiger Bestandteil der Zusammenarbeit. Während der Projektreise wurden weitere behandlungsbedürftige Kinder vorgestellt, für die eine medizinische Versorgung vor Ort oder gegebenenfalls in Deutschland geprüft wird.

Die Eindrücke der Reise zeigen, wie dringend diese Hilfe weiterhin benötigt wird. Gleichzeitig macht die Geschichte der Schule in Zorava deutlich, wie viel Menschen selbst bewegen können, wenn sie die Möglichkeit erhalten, ihre Zukunft wieder in die eigenen Hände zu nehmen.

Für diese Arbeit ist Friedensdorf International auf Spenden angewiesen. Jede Unterstützung hilft dabei, kranken Kindern eine medizinische Behandlung zu ermöglichen und neue Perspektiven für ihre Zukunft zu schaffen.

Friedensdorf International arbeitet seit 2022 mit der Barzani Charity Foundation in Kurdistan zusammen.

Ein Junge fährt mit seinem Fahrrad vor der verlassenen Gesundheitsstation im Flüchtlingscamp Gawilan. Wenn er stürzt, sind bereits die Kosten einer Fahrt zum Krankenhaus eine enorme Hürde für seine Familie.

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