Wir unterstützen eine staatliche Grundschule – Schultaschen und Lernmaterialien sollen im nächsten Schritt folgen
1.165 Mädchen und Jungen werden in einer staatlichen Grundschule in Kabul in vier Schichten unterrichtet. Weil der Platz knapp ist, wird dafür jeder verfügbare Quadratmeter genutzt. Die Schule ist in einem angemieteten Wohnhaus untergebracht. Unterricht findet vom oberen Stockwerk bis hinunter in einen Kellerraum mit nur schmalen Fenstern statt. Auch überdachte Außenflächen und ein Zelt auf dem kleinen Schulhof dienen als Klassenzimmer.
Unser Team besuchte die Schule im Rahmen des Afghanistan-Hilfseinsatzes im August. Viele der Schülerinnen und Schüler kommen aus armen Familien, die sich den Besuch einer Privatschule nicht leisten könnten.
Wie wichtig den Kindern der Schulbesuch ist, zeigte sich bei einer Begegnung in einer der Klassen. Auf die Frage nach dem längsten Schulweg meldete sich ein Junge, dessen Familie weit oben an einem der Berghänge Kabuls lebt. Rund eine Stunde ist er von dort zu Fuß unterwegs, um die Schule zu erreichen. Trotzdem komme er gerne: Er sei glücklich, diese Schule besuchen zu können, und das Lernen mache ihm Spaß.
Bemerkenswert ist auch, dass die staatliche Grundschule von Frauen geführt wird und das gesamte Kollegium weiblich ist. Schulleiterin Rohina Popalzai und 40 weitere Lehrerinnen halten den Unterricht unter den schwierigen räumlichen Bedingungen aufrecht.
Gerade in Afghanistan hat der Zugang zu grundlegender Bildung eine besondere Bedeutung. Noch immer können große Teile der Bevölkerung nicht lesen und schreiben. Zugleich endet für Mädchen der reguläre Schulbesuch derzeit nach der sechsten Klasse. Umso wichtiger sind Orte, an denen Mädchen und Jungen zumindest eine Grundbildung erhalten können.
„In einem Land, in dem noch immer sehr viele Menschen nicht lesen und schreiben können, ist jedes Kind, das eine Schule besuchen kann, ein Gewinn. Uns hat besonders beeindruckt, mit welchem Engagement 41 Lehrerinnen hier 1.165 Mädchen und Jungen unter schwierigsten Bedingungen unterrichten. Diese Arbeit möchten wir unterstützen und dazu beitragen, dass die Kinder zumindest die grundlegenden Voraussetzungen zum Lernen haben“, erklärt Birgit Stifter, Leiterin von Friedensdorf International.
Auch Schulleiterin Rohina Popalzai bringt auf den Punkt, warum sie und ihre Kolleginnen sich für die Kinder einsetzen: „Sie sind die Zukunft Afghanistans.“
Hilfe, die mit der Schule umziehen kann
Schon während des Besuchs wurde gemeinsam mit der Schulleitung und dem Afghanischen Roten Halbmond besprochen, wie sich die Lernbedingungen kurzfristig verbessern lassen. Da das Schulgebäude angemietet ist und möglicherweise bereits in ein oder zwei Jahren ein Umzug in größere und besser geeignete Räumlichkeiten ansteht, wurde bewusst auf umfangreiche bauliche Veränderungen verzichtet.
Stattdessen verständigten sich alle Beteiligten darauf, zunächst in eine hochwertige Ausstattung zu investieren, die den Kindern und Lehrerinnen unmittelbar zugutekommt und bei einem späteren Umzug mitgenommen werden kann.
Nur wenige Tage nach der Rückkehr unseres Teams aus Afghanistan begann bereits die Umsetzung. Inzwischen wurden die Unterrichtsräume und weitere für den Unterricht genutzte Flächen mit neuen, hochwertigen und besonders dicken Teppichen ausgestattet. Sie bieten den Kindern eine bessere Sitzfläche und isolieren zugleich gegen die Kälte des Bodens.
Auf Tische und Stühle für die Kinder wurde bewusst verzichtet: In den kleinen Unterrichtsräumen können auf den Teppichen deutlich mehr Schülerinnen und Schüler gleichzeitig am Unterricht teilnehmen.
Darüber hinaus wurden die Klassen mit neuen Tafeln einschließlich Stiften und Zubehör sowie einem Arbeitsplatz für die jeweilige Lehrkraft ausgestattet.
Ein neues Klassenzimmer im Schulhof
Auch der kleine Schulhof wird für den Unterricht benötigt. Weil die Räume im Gebäude für die große Zahl der Kinder nicht ausreichen, dient dort ein Zelt als zusätzliches Klassenzimmer. Das bisherige Zelt war stark verschlissen und an zahlreichen Stellen beschädigt. Auch der alte Teppich war kaum noch nutzbar, bei Regen konnte zudem Wasser in den Unterrichtsbereich laufen.
Wir haben deshalb das alte Zelt durch ein neues ersetzt. Der Untergrund wurde leicht erhöht, damit Regenwasser künftig nicht mehr hineinlaufen kann. Auch hier sorgt nun ein hochwertiger, dicker Teppich für eine bessere und wärmere Sitzfläche. Wie die übrige neu angeschaffte Ausstattung kann auch das Zelt bei einem späteren Umzug der Schule mitgenommen werden.
Die schnelle Umsetzung sorgte in der Schule für große Begeisterung. Nach Angaben unserer Partnerorganisation, des Afghanischen Roten Halbmonds, hatten weder die Lehrerinnen noch die Schülerinnen und Schüler damit gerechnet, dass die beim Besuch besprochenen Verbesserungen innerhalb so kurzer Zeit verwirklicht werden könnten.
Ein Wunsch ist noch offen
Einen großen Wunsch haben die Schulleiterin und ihre Schülerinnen und Schüler noch: Schultaschen und Lernmaterialien. Wir möchten auch diesen nächsten Schritt gerne ermöglichen und hoffen dabei auf Unterstützung. Mit Spenden soll es gelingen, diesen letzten großen Wunsch der Schule zu erfüllen.
Unter folgendem Link gibt es den Podcast „Im Krisenmodus“ von Funke-Redakteur Jan Jessen zu hören, der uns nach Afghanistan begleitet hat:
