Manchmal schreibt das Leben Geschichten, die man selbst so niemals geplant hätte. Geschichten voller Wendungen, voller Begegnungen – und voller Herz. Eine dieser Geschichten ist die von Julia Sotschinski.
Seit 2015 arbeitet sie im Friedensdorf. Was ursprünglich nur als kurzer Zwischenstopp gedacht war, wurde zu einer Aufgabe, die ihr Leben bis heute prägt.
Geboren in Kasachstan, kam Julia Sotschinski 1998 nach Deutschland. Ihre Verbindung zur alten Heimat ist bis heute eng geblieben: Ihre Schwester lebt weiterhin dort, regelmäßig reist Julia gemeinsam mit ihrem Ehemann nach Kasachstan, um Familie und Verwandte zu besuchen.
Beruflich hatte sie zunächst ganz andere Pläne. Als staatlich geprüfte Kosmetikerin wollte sie eigentlich Sozialpädagogik studieren. Vorher sollte jedoch noch ein wenig Geld verdient werden – für rund ein halbes Jahr, so der Plan. Über Freunde kam sie damals mit dem Friedensdorf in Kontakt, bewarb sich erfolgreich und begann im Nachtdienst des Jungenbereiches.
Doch der Start war emotional herausfordernd.
„Als ich an meinem ersten Arbeitstag die Kinder gesehen habe, hat es mir fast mein Herz gebrochen. Aber schnell habe ich gemerkt, dass ich hier richtig bin, dass hier eine großartige Arbeit geleistet wird“, erinnert sie sich.
Es waren Begegnungen wie diese, die alles veränderten.
Kurz bevor sie das Friedensdorf verlassen und ihren ursprünglichen Weg einschlagen wollte, erlebte Julia Sotschinski einen Moment, der bis heute in ihr nachhallt. Ein afghanischer Junge, der an der Glasknochenkrankheit litt und sein komplettes Leben liegend und eingegipst verbracht hatte, kehrte nach einem Krankenhausaufenthalt und erfolgreicher Behandlung zurück ins Friedensdorf.
Ein Kind, das zuvor kaum Bewegungsfreiheit kannte, konnte plötzlich lachen. Für Julia war klar: Hier geschieht etwas Außergewöhnliches. Hier will ich mitwirken.
Aus einem halben Jahr wurden elf Jahre. Und aus einem Job wurde eine Herzensaufgabe.
Heute ist Julia Sotschinski aus dem Alltag im Friedensdorf nicht mehr wegzudenken. Was sie dabei besonders schätzt, sind nicht nur die Kinder, sondern auch das Miteinander im Team.
„Wir sind hier bei den Jungs im Heimbereiches nicht nur Arbeitskollegen, wir sind Freunde, die auch privat viel miteinander zu tun haben, uns treffen oder auch kurze Urlaube miteinander planen und verbringen“, sagt sie.
Selbst im Urlaub fehlt ihr manchmal das, was für andere Alltag ist: die Arbeit, die Kinder, die Kolleginnen und Kollegen.
Bereut hat sie ihre Entscheidung nie – im Gegenteil.
„Ich bin dermaßen froh, dass dieses tolle Erlebnis vor zehn Jahren dazu geführt hat, dass ich heute noch hier sein darf. Man gibt viel, aber man bekommt so unendlich viel von den Kindern zurück, das mich einfach täglich motiviert und durchs Leben trägt.“
Geschichten wie die von Julia Sotschinski zeigen, was das Friedensdorf seit Jahrzehnten ausmacht: Menschen, die mit Herz, Hingabe und Überzeugung für Kinder da sind – und dabei selbst reich beschenkt werden.