Friedensdorf International begleitet erstmals persönlich Lebensmittelhilfe in Badachschan
Seit vielen Jahren unterstützt Friedensdorf International in Tadschikistan besonders bedürftige Familien mit Lebensmitteln, die direkt vor Ort eingekauft werden. In diesem Jahr führte die Projektreise erstmals bis nach Berg-Badachschan im Osten des Landes. Claudia Peppmüller, Mitarbeiterin von Friedensdorf International, begleitete gemeinsam mit dem langjährigen Partner die Lebensmittelhilfe vor Ort und besuchte Familien, deren Alltag von Armut, Krankheit und schwierigen Lebensbedingungen geprägt ist.
Allein die Fahrt von Duschanbe nach Khorog, der Hauptstadt der autonomen Provinz Berg-Badachschan, dauerte rund 15,5 Stunden. Die Strecke führt durch das Pamirgebirge und über weite Teile entlang des Flusses Pandsch, der die Grenze zu Afghanistan bildet. Erstmals begleitete Friedensdorf International dort persönlich die seit Jahren über den Partner organisierte Lebensmittelhilfe und besuchte die unterstützten Familien.
Im Mittelpunkt der Hilfe stehen vor allem Kinder, deren Familien durch Krankheit oder schwere Behinderungen vor kaum zu bewältigenden Herausforderungen stehen. Viele Familien verfügen nur über ein sehr geringes Einkommen. Gleichzeitig müssen Medikamente, Windeln, Hilfsmittel oder Therapien häufig selbst bezahlt werden. Schon rund 20 Euro im Monat für Windeln können eine erhebliche Belastung darstellen. Bei Kindern mit hohem Pflegebedarf können sich die monatlichen Kosten für Medikamente, Windeln und weitere notwendige Versorgung auf bis zu 200 Euro summieren – bei einem durchschnittlichen Monatslohn von gut 300 Euro.
Auch die siebenjährige Niloufar und ihre Familie gehören zu den Menschen, die durch die Lebensmittelhilfe unterstützt werden. Die Familie lebt zur Miete in einer kleinen Zwei-Zimmer-Unterkunft. Schwarzer Schimmel zieht sich durch das Haus. Ein kleiner Raum ohne Fenster ist wegen der Feuchtigkeit und des massiven Schimmelbefalls kaum nutzbar. Die Mutter arbeitet als Reinigungskraft, der Vater als Tagelöhner und Träger. Das Einkommen reicht kaum für Miete, Lebensmittel und die notwendigen Ausgaben der Familie.
Solche Situationen sind bei den besuchten Familien in Khorog keine Einzelfälle. Besonders schwierig werden die Lebensbedingungen im Winter mit zweistelligen Minusgraden. In der Bergregion dauert er viele Monate, in höheren Lagen beginnt er bereits im September und endet erst im April. Nicht alle Räume verfügen über eine Heizung. Gekocht wird teilweise in einfachen Außenküchen, Wasser kommt aus Handbrunnen. Brennmaterial ist teuer und knapp.
Nach Berg-Badachschan wurde die Lebensmittelverteilung über Kulob, Bokhtar, Jaihun und Jilikul bis nach Duschanbe fortgesetzt. So unterschiedlich die Lebenssituationen der Familien auch sind, eines verbindet sie: Das Geld reicht nicht, um Lebensmittel, Medikamente, Pflege und andere notwendige Ausgaben dauerhaft zu finanzieren. Hinzu kommen gestiegene Preise für Grundnahrungsmittel und Kraftstoff, die das ohnehin knappe Haushaltsbudget zusätzlich belasten. Gerade für Familien mit schwerkranken oder schwerstbehinderten Kindern, die regelmäßig Medikamente, Windeln oder Fahrten zu Ärzten und Kliniken finanzieren müssen, verschärft sich die Situation dadurch weiter.
Besonders eindrücklich ist die Situation von Kindern mit schwersten Behinderungen. Manche können weder sitzen noch laufen oder sprechen und verbringen einen großen Teil ihres Lebens liegend auf einer Matratze oder Decke auf dem Boden. Sie sind rund um die Uhr auf die Pflege ihrer Angehörigen angewiesen. Zwei Familien, die Friedensdorf noch im vergangenen Jahr besucht hatte, haben ihr schwerbehindertes Kind inzwischen verloren.
Dabei wurde während der Reise immer wieder deutlich, mit welcher Liebe und Hingabe insbesondere die Mütter ihre Kinder versorgen. Manche pflegen zwei oder sogar drei (schwerst)behinderte Kinder – Tag und Nacht und häufig ohne ausreichende therapeutische oder medizinische Unterstützung. Fällt ein Elternteil als Unterstützung oder Ernährer weg, kann das gesamte familiäre Gefüge ins Wanken geraten. Erwerbsarbeit ist kaum noch möglich, während die Kosten für Pflege und medizinische Versorgung weiterlaufen.
Wie wichtig dabei die familiären Netzwerke sind, zeigte sich während der gesamten Reise. Großeltern, Geschwister, Onkel und Tanten übernehmen Verantwortung, wenn Eltern ausfallen, krank werden oder zum Arbeiten ins Ausland gehen. Doch auch diese Strukturen geraten an ihre Grenzen, wenn mehrere Familienmitglieder gleichzeitig Unterstützung benötigen.
Die Lebensmittelhilfe kann Krankheit oder Behinderung nicht beseitigen. Sie kann den Familien aber für eine begrenzte Zeit eine ganz konkrete Sorge nehmen. Werden Grundnahrungsmittel zur Verfügung gestellt, muss das ohnehin knappe Einkommen nicht vollständig für Essen ausgegeben werden. Geld bleibt beispielsweise für Medikamente, Windeln, Therapien oder Heizmaterial.
Für Friedensdorf International ist die persönliche Begleitung der Lebensmittelhilfe deshalb mehr als die Kontrolle einer Projektmaßnahme. Die Besuche zeigen, wo Unterstützung tatsächlich ankommt – und was sich hinter Zahlen und Abrechnungen verbirgt.
„Wenn ein Kind dauerhaft Medikamente, Windeln oder besondere Pflege benötigt, reicht schon eine zusätzliche Ausgabe, um das fragile Gleichgewicht einer Familie zum Einsturz zu bringen. Dann wird nicht entschieden, was man sich leisten möchte, sondern worauf man verzichten muss – auf Lebensmittel, auf Wärme oder auf medizinische Versorgung“, erklärt Claudia Peppmüller.
Die Lebensmittelhilfe von Friedensdorf International wird durch Spenden ermöglicht.







