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Auf der Suche nach Frieden

Wie Musik Natsuko Takagi mit dem Friedensdorf verbindet

Musik kann Menschen zusammenbringen, auch wenn sie nicht dieselbe Sprache sprechen oder aus demselben Land kommen. Für die japanische Musikerin Natsuko Takagi liegt genau darin ihre besondere Kraft. Eine Melodie kann Freude, Trauer oder Hoffnung vermitteln, ohne dass diese Gefühle erst in Worte gefasst werden müssen. Und manchmal kann Musik einen Raum schaffen, in dem Menschen einander näherkommen.

Für Takagi ist dieser Gedanke eng mit einem Thema verbunden, das sie bereits seit ihrer Jugend begleitet: Frieden. Ebenso lange besteht ihre Verbindung zu Friedensdorf International.

Für unser Gespräch treffen wir Takagi in Ueda, einer Stadt in der Präfektur Nagano, in der sie heute lebt und als Musikerin tätig ist. Im Interview erzählt sie von ihrer Musik, ihren Besuchen im Friedensdorf und davon, warum sie sich bis heute für dessen Arbeit engagiert. Dabei wird schnell deutlich, wie eng die verschiedenen Teile ihres Lebens miteinander verbunden sind.

Doch ihre Geschichte mit dem Friedensdorf begann nicht in Ueda und auch nicht auf einer Konzertbühne. Sie begann viele Jahre zuvor – als Takagi mit gerade einmal 15 Jahren vor einem Fernseher saß.

Eine Geschichte, die mit 15 Jahren begann

Takagi war gerade einmal 15 Jahre alt, als sie im Fernsehen einen Bericht von Chizuru Azuma über Friedensdorf International sah. Sie erfuhr von Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten, die zur medizinischen Behandlung nach Deutschland kommen, und von der Arbeit des Friedensdorfes.

Was sie damals sah, blieb ihr im Gedächtnis.

Aus diesem ersten Kontakt entwickelte sich im Laufe der Jahre eine persönliche Verbindung. Takagi besuchte das Friedensdorf insgesamt dreimal. Ihr letzter Besuch liegt mittlerweile rund zehn Jahre zurück. Doch wenn sie davon erzählt, sind es vor allem die Begegnungen mit den Kindern, an die sie sich erinnert.

Bei ihrem letzten Besuch kam sie gemeinsam mit ihrem ehemaligen Musiklehrer ins Friedensdorf. Sie brachten Blasinstrumente mit und spielten den Kindern etwas vor. Danach durften die Kinder selbst ausprobieren, wie es sich anfühlt, einen Ton aus den Instrumenten hervorzubringen.

Die anfängliche Vorführung verwandelte sich schnell in ein lebhaftes Durcheinander.

„Es war das reinste Chaos, weil jeder es kaum erwarten konnte, es mal zu probieren“, erinnert sich Takagi lächelnd.

Vielleicht zeigte sich gerade in diesem vermeintlichen Chaos etwas, das später zu einem wichtigen Bestandteil ihres Verständnisses von Musik wurde. In diesem Moment waren weder Herkunft noch Sprache entscheidend. Da waren Kinder, Instrumente und die gemeinsame Freude daran, etwas Neues auszuprobieren.

Wenn Musik mehr sagen kann als Worte

Musik begleitet Takagi schon seit ihrer Kindheit. Heute ist sie für sie jedoch mehr als eine künstlerische Ausdrucksform. Sie kann Gefühle vermitteln, für die Worte manchmal nicht ausreichen.

Menschen müssen nicht dieselbe Sprache sprechen, um eine Melodie zu verstehen oder von ihr berührt zu werden. Diese Fähigkeit der Musik, Grenzen zu überwinden, verbindet Takagi auch mit ihrer Vorstellung von Frieden.

Ein Stück, das für sie besonders für diesen Gedanken steht, ist Louis Armstrongs „What a Wonderful World“. Das Lied richtet den Blick nicht auf große politische Entscheidungen, sondern auf die kleinen Dinge des Lebens und auf eine Welt, deren Schönheit im Alltag leicht übersehen werden kann.

Auch bei ihren eigenen Konzerten verbindet Takagi Musik mit ihrem Engagement für das Friedensdorf. Dort erzählt sie von der Organisation und von einer Realität, die für viele Menschen in Japan weit vom eigenen Alltag entfernt liegt.

Eine besondere Rolle spielt dabei ihr Buch 『ピースをさがして』 („Auf der Suche nach Frieden“).

Das Buch wird bei ihren Konzerten verkauft. Von jedem Exemplar gehen 500 Yen, etwa drei Euro, als Spende an das Friedensdorf. Doch Takagi möchte die Geschichte nicht nur auf Papier erzählen. Bei Veranstaltungen wird das Buch von Musik begleitet, die die Szenen und Emotionen der Erzählung aufgreift.

So entsteht aus Text und Musik ein gemeinsames Erlebnis. Die Zuhörerinnen und Zuhörer sollen nicht nur erfahren, worum es geht – sondern auch etwas dabei empfinden.

Für Takagi setzt sich damit etwas fort, das bei ihr selbst im Alter von 15 Jahren begann. Damals war sie diejenige, die von der Arbeit des Friedensdorfes erfuhr. Heute gibt sie ihre Geschichte an andere Menschen weiter.

Frieden darf nicht selbstverständlich werden

Takagis Engagement hängt auch mit ihrer Wahrnehmung des heutigen Japans zusammen. Die meisten Menschen dort erleben in ihrem Alltag keinen bewaffneten Konflikt. Frieden ist für viele selbstverständlich geworden.

Genau darin sieht Takagi eine Gefahr.

„Japan ist sehr friedlich und selten an Konflikten beteiligt.“ Dadurch ist den Menschen Frieden gleichgültig geworden, weil man so daran gewöhnt ist“, sagt sie.

Während der eigene Alltag friedlich verläuft, herrschen in anderen Teilen der Welt Krieg, Vertreibungen und humanitäre Krisen. Diese Distanz kann es leicht machen, das Leid anderer als etwas wahrzunehmen, das mit dem eigenen Leben wenig zu tun hat.

Takagi sieht das anders.

„Meiner Meinung nach sind wir alle gleichermaßen Teil dieser Welt“, erklärt sie. „Doch hier in Japan bekommen wir vom Leid in anderen Teilen der Welt oft nur wenig mit.“ Sie hält kurz inne. „Wir sollten deshalb mehr an das große Ganze denken und die Welt als Ganzes betrachten.“

Deshalb wünscht sie sich für die zukünftige Arbeit des Friedensdorfes in Japan mehr Möglichkeiten, Menschen zusammenzubringen: Veranstaltungen, Friedensgespräche, Benefizkonzerte und vielleicht ein Forum, in dem Menschen miteinander ins Gespräch kommen können.

„So sollen sich die Menschen verbinden“, sagt sie. „So sollen die Menschen Frieden erleben können.“

Dabei richtet sich ihr Blick besonders auf die jüngere Generation. Takagi möchte zeigen, was derzeit in der Welt geschieht und welche Rolle das Friedensdorf dabei spielt. Aber sie möchte nicht, dass die Auseinandersetzung dort endet.

„Ich hoffe, dass sie dadurch erkennen, wie wichtig und wertvoll das Friedensdorf ist, und sich selbst fragen, was sie persönlich tun können“, sagt sie.

Frieden beginnt im eigenen Herzen

Takagi selbst hat über die Jahre ihre eigene Antwort gefunden. Sie nutzt das, was sie am besten kennt: Musik. Sie gibt Konzerte, erzählt vom Friedensdorf, verkauft ihr Buch und schafft Momente, in denen Menschen zusammenkommen.

Doch als sie am Ende des Gesprächs gefragt wird, was Frieden für sie persönlich bedeutet, spricht sie weder über Konzerte noch über Organisationen noch über Politik.

Sie spricht über den Menschen selbst.

„Für mich bedeutet Frieden, dass alles zuerst in unserem eigenen Herzen beginnt“, sagt sie. „Ich glaube, dass sowohl Frieden als auch Krieg in unserem Inneren stattfinden können und ich denke, dass wir durch unsere Entscheidungen selbst dazu beitragen können, Frieden zu schaffen.“

Für Takagi zeigt sich das bereits im Alltag – in der Art, wie Menschen miteinander umgehen und wie sie diejenigen wahrnehmen, die ihnen nahestehen.

„Deshalb versuche ich im Alltag nie zu vergessen, dankbar für die Menschen zu sein, die mir nahestehen.“

Vielleicht liegt genau darin auch die Antwort darauf, warum Musik für sie zu einem Weg geworden ist, über Frieden zu sprechen. Musik kann keinen Krieg allein beenden. Aber sie kann Menschen erreichen. Sie kann jemanden neugierig machen, berühren oder dazu bringen, einem anderen zuzuhören.

So wie Natsuko Takagi selbst vor vielen Jahren zuhörte.

Mit 15 Jahren sah sie einen Bericht über das Friedensdorf. Später reiste sie dreimal dorthin und brachte beim letzten Besuch ihre Musik zu den Kindern. Heute trägt sie deren Geschichten zurück nach Japan und gibt sie an Menschen weiter, die das Friedensdorf vielleicht noch nie zuvor gehört haben.

Aus einer Zuhörerin ist eine Erzählerin geworden.

Und ihre Botschaft ist dabei dieselbe geblieben:

„Ich glaube, dass der Frieden nicht irgendwo weit weg beginnt, sondern in unserem eigenen Herzen und in unserem täglichen Leben.“

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