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Das Herz liegt in der Ukraine

Als Iryna Tytarenko im Jahr 2022 ihre Heimat verließ, ließ sie nicht nur eine Wohnung zurück. Sie ließ ein ganzes Leben hinter sich. Ihre Stadt Charkiw, im Osten der Ukraine gelegen, wurde über Nacht zum Ziel von Bomben, Raketen und Angst. Eine Stadt, die bis heute schwer umkämpft ist. Eine Stadt, die sie liebt.

Iryna floh zunächst allein nach Deutschland. Während in ihrer Heimat täglich Explosionen zu hören waren, verfolgte sie jede Nachricht, jedes Video, jedes Bild – im Fernsehen, auf dem Handy, in sozialen Medien. Sie konnte nicht wegsehen. In den ersten Tagen wurde Charkiw unablässig bombardiert. Als Iryna zum ersten Mal Panzer sah, blieb ihr der Atem stehen. „So etwas kennt man nur aus Filmen“, sagt sie. Doch für sie war es plötzlich Wirklichkeit. Eine Wirklichkeit, die sich wie ein Schock in ihr festsetzte.

Ein halbes Jahr später konnten auch ihr Mann und ihr Sohn nach Deutschland fliehen. Ein Moment der Erleichterung – und doch kein vollständiges Ankommen. Denn ein Teil ihrer Familie blieb zurück. Ihre Schwester lebt bis heute in der Region Charkiw, ihr Schwager wollte seine Heimat nicht verlassen. „Hier steht mein Haus. Hier bleibe ich.“ Seitdem telefoniert Iryna jeden einzelnen Tag mit ihrer Schwester. Jeder Anruf ist Nähe – und gleichzeitig Sorge.

Im Friedensdorf fand Iryna zunächst einen Ort, an dem sie ankommen durfte. Einen sicheren Platz, nachdem alles Vertraute zerbrochen war. Mit Unterstützung der Stadt Oberhausen konnte sie später eine eigene Wohnung beziehen. Sie lernte die deutsche Sprache, baute sich Stück für Stück einen neuen Alltag auf. Am Anfang, erzählt sie, habe sie viel geweint. Heute ist die Traurigkeit stiller geworden – aber sie begleitet sie weiterhin, jeden Tag.

In der Ukraine hatte Iryna studiert und als Mathematiklehrerin gearbeitet. Bildung, Kinder und Verantwortung waren schon immer Teil ihres Lebens. Heute arbeitet sie im Heimbereich des Friedensdorfes – mit den Kleinsten der Kinder. Sie spielt mit ihnen, tröstet sie, hält kleine Hände fest, wenn die Welt zu groß wird. Und sie ist dankbar: „Mir haben so viele Leute geholfen, das Friedensdorf mit seinem Team sowie unser Teamleiter Andreas Sauerland– ihnen allen habe ich so viel zu verdanken“, sagt sie.

„Meine Mutter hat immer gesagt, es ist entscheidend, welchen Menschen Kinder in ihren frühen Jahren begegnen“, so Iryna. Genau daran glaubt sie. Sie möchte den Kindern etwas mitgeben, das bleibt: Vertrauen, Werte.

Zwischen Iryna und den Kindern besteht eine besondere Verbindung. Sie weiß, was Krieg bedeutet. Sie kennt Verlust, Angst und die tiefe Sehnsucht nach Frieden. Vielleicht spüren die Kinder genau das – dass hier jemand ist, der nicht nur betreut, sondern versteht. Der nicht nur zuhört, sondern fühlt.

„Ich lebe hier“, sagt Iryna, „aber mein Herz liegt in der Ukraine.“ Und sie fügt leise hinzu: „Wenn der Krieg vorbei ist, dann gehe ich wieder nach Hause.“

Bis dahin schenkt sie ihre Kraft, ihre Wärme und ihre Erfahrung den Kindern im Friedensdorf. Sie lässt Frieden wachsen – Tag für Tag, ganz leise, dort, wo er am dringendsten gebraucht wird.

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