Wenn Thaer morgens die Tür zum Heimbereich des Friedensdorfes in Oberhausen öffnet, wartet auf ihn mehr als nur ein Arbeitstag. Auf ihn warten Kinder, die jemanden brauchen, der da ist. Einfach da. Einer wie Thaer.
Seit September 2022 ist der gebürtige Syrer ein fester Teil des Teams im Friedensdorf – und längst ein unverzichtbarer Mitarbeiter für die Kinder geworden.
“Ich bin für sie vielleicht wie ein Onkel. Manchmal Papa, manchmal Doktor, manchmal Pfleger. Aber immer jemand, der ihnen zuhört und ihnen Mut macht”, sagt Thaer der mittlerweile die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt.
Dabei war auch für Thaer selbst der Weg nach Oberhausen alles andere als leicht. 2015 verließ er gemeinsam mit seiner Frau Syrien. Zurück ließ er sein Zuhause, seine Familie, seine Vergangenheit. In Syrien hatte er studiert, als Sportlehrer gearbeitet, war verbeamtet. “Die Arbeit mit Kindern hat mir schon immer große Freude gemacht – vor allem, ihnen zu helfen, gesund und stark zu werden”, erinnert er sich.
Doch das Leben in Syrien wurde gefährlich. “Ich fühlte, dass es Zeit war, zu gehen – so schwer es mir auch fiel.” In Deutschland fand Thaer schnell den Weg zurück ins Berufsleben: zunächst leitete er eine Sport-AG an einer Oberhausener Schule, seit 2022 gehört er als fester Bestandteil zum Mitarbeiter-Team der Heimeinrichtung des Friedensdorfes.
“Ich bin von Anfang an mit dem Herzen dabei gewesen. Dieser Ort ist nicht einfach nur eine Einrichtung – er ist Hoffnung, Trost, Familie auf Zeit”, sagt Thaer.
Er sieht, was Krieg ausrichten kann. Er hört die Geschichten, die kein Kind erzählen sollte. Und er schenkt ein Stück Kindheit zurück – mit Spielen, Lachen, Zuhören, Dasein. Dabei verlangt die Arbeit ihm oft alles ab. Doch Thaer zweifelt keinen Moment. “Etwas anderes kommt für mich nicht in Frage. Ich möchte einfach helfen.”
Besonders tief bewegt hat ihn der Hilfs-Einsatz nach Angola im Mai diesen Jahres. Thaer begleitete das Friedensdorf-Team bei der Rückreise genesener Kinder. “Es ist unbeschreiblich, ein Kind in die Arme seiner Familie zurückzugeben. Diese Freude, diese Tränen… das bleibt für immer in meinem Herzen.” Gleichzeitig hat das Team neue, schwer kranke Kinder mit nach Deutschland genommen. “In solchen Momenten wird einem klar, was wirklich zählt: Gesundheit. Und ich denke: Wenn ich nicht das Glück hätte, in Deutschland zu sein – was würde ich mir für meine eigenen Kinder wünschen?”
“Ich möchte noch lange hier arbeiten. Mein kleiner Beitrag – damit es diesen Kindern ein bisschen besser geht. Das ist mein Weg. Und den will ich weitergehen.”

Thaer, gebürtig in Syrien, ist seit September 2022 fester Bestandteil des Mitarbeiter-Teams im Friedensdorf.