19 afghanische Kinder kehren nach erfolgreicher medizinischer Behandlung aus dem Friedensdorf in ihre Heimat zurück
Es war wieder einmal einer dieser besonderen Tage im Friedensdorf, an denen Freude und Wehmut ganz nah beieinanderliegen. Tage, an denen Koffer gepackt, letzte Umarmungen ausgetauscht und unzählige Erinnerungen mit auf die Reise genommen werden. Nun heißt es für 19 Kinder aus Afghanistan Abschied nehmen – Abschied von einem Ort, der für viele Monate zu einem Zuhause auf Zeit geworden ist.
Nach erfolgreicher medizinischer Behandlung können die Mädchen und Jungen nun endlich in ihre Heimat und zu ihren Familien zurückkehren. Begleitet werden die Kinder unter anderem vom langjährigen Freund und Partner des Friedensdorfes, Dr. Marouf.
Hinter jedem dieser Kinder steckt eine ganz eigene Geschichte. Geschichten voller Schmerzen, Sorgen und Ungewissheit – aber auch Geschichten von Mut und Durchhaltevermögen. 19 Kinder, die nun eine Zukunft vor sich haben, die ohne die medizinische Hilfe in Deutschland so nicht möglich gewesen wäre.
Zwei von ihnen sind die zwölfjährige Moska und der elfjährige Hussainullah.
Moska kam am 7. November 2024 aus Afghanistan ins Friedensdorf. Die Diagnose: chronische Osteomyelitis am linken Oberschenkel – eine schwere Knochenentzündung. Bereits bei ihrer Ankunft trug sie einen Fixateur an ihrem deutlich deformierten Bein. Zudem machten resistente Keime eine langwierige Antibiotika-Therapie notwendig. Insgesamt musste Moska zwei Mal für mehrere Monate in einem Berliner Krankenhaus behandelt werden.
„Man kann bei ihr wirklich sagen, dass sie gerade noch rechtzeitig nach Deutschland gekommen ist, um ihr Bein zu retten“, berichtet Friedensdorf-Mitarbeiter Jens Große-Weischede.
Doch nicht nur körperlich hat Moska in den vergangenen Monaten eine enorme Entwicklung gemacht. Auch persönlich ist sie gewachsen.
„Am Anfang war Moska sehr zurückhaltend und schüchtern. Heute ist sie unglaublich selbstbewusst geworden, lacht viel und steckt mit ihrem fröhlichen Wesen alle anderen Kinder an“, erzählt Sabrina Baltes, Mitarbeiterin im Heimbereich des Friedensdorfes.
Auch Hussainullah kam am 7. November 2024 nach Deutschland. Seine Diagnose lautete ebenfalls Osteomyelitis – bei ihm im rechten Oberschenkel. Insgesamt wurde der Elfjährige drei Mal in Solingen operiert und musste lange Zeit im Krankenhaus verbringen.
Eigentlich sollte Hussainullah bereits im November 2025 nach Hause zurückkehren. Doch kurz vor der geplanten Ausreise entzündete sich sein Bein erneut. Wieder Krankenhaus, wieder Sorgen.
„Jetzt ist aber alles gut ausgeheilt, sodass Hussainullah endlich nach Hause kann“, sagt Friedensdorf-Mitarbeiter Jens Große-Weischede erleichtert.
Und auch Sabrina Baltes hat den Jungen in besonderer Erinnerung behalten: „Als Hussainullah ins Friedensdorf gekommen ist, war er sehr dünn. Heute ist er richtig fit, spielt nach seinen erfolgreichen Operationen mit großer Begeisterung Fußball mit den anderen Jungs – und er ist einfach ein unglaublich charmanter und höflicher Mensch“, unterstreicht die Friedensdorf-Mitarbeiterin.
Wie sehr Hussainullah die Menschen in seinem Umfeld berührt hat, zeigte sich auch bei seiner Entlassung aus dem Krankenhaus in Solingen.
„Hussainullah war hier im Friedensdorf genauso wie im Krankenhaus unglaublich beliebt – fast schon ein kleiner Star. Als wir ihn abgeholt haben, haben die Krankenschwestern und Krankenpfleger beinahe Spalier gestanden, um ihn zu verabschieden“, erinnert sich Jens Große-Weischede lächelnd.
Nach vielen Monaten voller Operationen, Therapien, Heimweh, gemeinsamer Erlebnisse und neuer Freundschaften beginnt für die 19 Kinder nun ein neuer Lebensabschnitt – zurück bei ihren Familien, zurück in ihrer Heimat Afghanistan.