Eine Dienstreise führte Friedensdorf International Ende April in den Norden des Libanons – in eine Region, die eigentlich von Landwirtschaft geprägt ist. Zwischen Olivenhainen, Zitrusplantagen und kleinen Höfen leben heute viele syrische Geflüchtete, die vor der Gewalt in ihrer Heimat in den Libanon geflohen sind.
Gemeinsam mit der Partnerorganisation THIMAR besuchte der nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete und neue Friedensdorf-Botschafter Josef Neumann sowie Mitarbeitende von Friedensdorf International verschiedene Hilfsprojekte für Geflüchtete und Binnenvertriebene. Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt die Finanzierung von Lebensmitteln für diese Personengruppen im Libanon. Friedensdorf International hat die Förderung zusätzlich aufgestockt. Im Mittelpunkt der Reise standen Gespräche mit betroffenen Familien sowie Besuche verschiedener Hilfsprojekte vor Ort.
Lebensmittelhilfen für Geflüchtete
In Rahbeh besuchte das Team zunächst eine Käserei der Partnerorganisation THIMAR. Dort werden unter anderem Lebensmittel für Geflüchtete vorbereitet. Der produzierte Käse wird mit einem durch das Land Nordrhein-Westfalen finanzierten Foodtruck in verschiedene Regionen gebracht – unter anderem nach Rahbeh, aber auch bis in die Bekaa-Ebene.
Die erste Station war ein nahegelegener Kirchhof, wo bereits zahlreiche Familien auf die Verteilung warteten. Viele der Menschen waren aus Syrien geflohen. Andere Familien stammten aus dem Süden des Libanons und konnten aufgrund der anhaltenden Kämpfe bislang nicht in ihre Heimatorte zurückkehren. Unter den wartenden Familien befanden sich viele syrische Geflüchtete, die seit dem Sturz des Assad-Regimes oder den schweren Gewaltereignissen an der syrischen Küste im Libanon leben.
Bewegende Fluchtgeschichten und unsichere Zukunft
Besonders bewegend war das Gespräch mit der zwölfjährigen Mira. Gemeinsam mit ihrer Familie floh sie im März 2025 aus Syrien in den Norden des Libanons. Auslöser waren die schweren Gewaltereignisse in der syrischen Küstenregion, bei denen auch alawitische Familien Opfer von Massakern wurden. Während der Flucht versuchte ihre Schwester, ihr die Augen zuzuhalten, damit sie die vielen Toten am Straßenrand nicht sehen musste. Doch Mira berichtete unter Tränen, dass sie die Bilder trotzdem gesehen habe – und sie bis heute nicht vergessen könne.
Die Familie hatte nach eigenen Angaben in Syrien zuvor ein gutes Leben geführt. Die älteste Tochter studierte, die Kinder gingen zur Schule. Heute lebt die Familie ohne gesicherten Aufenthaltsstatus im Libanon und ohne Perspektive auf eine Rückkehr.
Auch andere syrische Familien berichteten von ihrer Flucht und den schwierigen Lebensbedingungen im Libanon. Viele leben ohne gesicherten Aufenthaltsstatus im Land und haben kaum Zugang zu Arbeit oder Bildung.
Kindern fehlt Sicherheit und Bildung
Eine Familie schilderte, dass sie derzeit in einem Lagerhaus lebt. Der Großteil der Menschen ist in staatlichen Schulen in Beirut untergebracht. Was alle Kinder eint ist, dass sie seit langer Zeit keine Schule mehr besuchen können. Online-Unterricht scheitert häufig daran, dass die Familien ohne technische Ausstattung geflohen sind oder keine stabile Internetverbindung haben.
Die Familien beschrieben immer wieder dieselbe Sorge: die Angst um die Zukunft ihrer Kinder. Viele Eltern berichteten, dass ihre Kinder ihren kompletten Alltag verloren hätten – Schule, Freunde und ein Gefühl von Sicherheit.
Das wurde während des Besuchs in einer staatlichen Schule in Beirut im Stadtteil Masraa sehr deutlich. Dort traf das Team von Friedensdorf International auf Familien aus dem Süden des Libanons, die aufgrund des Krieges ihre Häuser verlassen mussten. Viele äußerten den Wunsch, trotz der Zerstörungen eines Tages in ihre Heimat zurückzukehren.
„Die Menschen lieben den Süden“, berichtet Friedensdorf-Mitarbeiterin Claudia Peppmüller nach den Gesprächen vor Ort. „Viele haben gesagt, dass sie zurückgehen würden – selbst wenn dort kein Stein mehr auf dem anderen steht.“ Doch die Angst um die Zukunft ist groß. Niemand weiß, wann der Krieg endet oder wann die Kinder wieder ein normales Leben führen können. „Die Gespräche vor Ort zeigen, wie wichtig konkrete Hilfe für die Menschen ist“, erklärt Josef Neumann. „Gerade Kinder brauchen Schutz, Versorgung und die Chance auf eine Zukunft.“
Die Partnerorganisation THIMAR unterstützt nach eigenen Angaben bereits seit 2006 Geflüchtete und Kinder in Krisensituationen im Libanon. Gemeinsam mit zahlreichen Kirchen versorgt die Organisation aktuell rund 20.000 Menschen mit Lebensmitteln und weiteren Hilfen. Die beiden durch das Land Nordrhein-Westfalen finanzierten Foodtrucks sind dabei inzwischen ein zentraler Bestandteil der Versorgung geworden.
Hier geht es zum Bericht von Funke-Redakteur Jan Jessen sowie dem aktuellen Podcast „Im Krisenmodus“ zum Thema Libanon:
In einem Land am Abgrund: „Seht Ihr diese Kinder? Sie haben nichts getan“



