Anfang Dezember 2025 flammte der seit Jahrzehnten schwelende Grenzkonflikt zwischen Thailand und Kambodscha erneut auf. Nach schweren Luftangriffen in den Grenzregionen waren innerhalb kürzester Zeit hunderttausende Menschen gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Besonders betroffen waren Familien mit Kindern.
Viele Menschen mussten ohne Vorwarnung fliehen. Berichte und Videomaterial zeigen, wie Kinder während des Unterrichts aus Schulen fliehen mussten, als Luftangriffe einsetzten. Für sie endete der Alltag abrupt in Angst und Flucht. Zahlreiche Familien erreichten provisorische Camps mit nichts als der Kleidung, die sie am Körper trugen.
Unter den Geflüchteten befanden sich viele Frauen und Mütter, die gemeinsam mit ihren Kindern fliehen mussten, während ihre Männer in den Grenzregionen zurückblieben. Viele Familien legten auf der Flucht Entfernungen von bis zu 100 Kilometern zurück, um Schutz zu finden. Auch schwangere Frauen waren gezwungen, unter extremen Bedingungen Zuflucht zu suchen und ihre Kinder in den provisorischen Camps zur Welt zu bringen.
Unmittelbar nach Bekanntwerden der massiven Fluchtbewegungen entschied sich Friedensdorf International, schnell und unbürokratisch Soforthilfe für Kinder und ihre Familien zu leisten.
Die Hilfsmaßnahmen wurden vor Ort federführend von unserer kambodschanischen Partnerorganisation unter Leitung von Chau Kim Heng koordiniert. Gemeinsam mit lokalen Helferinnen und Helfern wurden besonders betroffene Regionen identifiziert und Familien in mehreren provisorischen Camps versorgt.
Die Soforthilfe erreichte vier Flüchtlingscamps in zwei Provinzen, darunter die Provinzen Preah Vihear und Siem Reap. Insgesamt konnten 3.805 Familien mit 12.461 Menschen unterstützt werden. Mehr als 5.000 der Versorgten waren Kinder – damit machten Kinder nahezu die Hälfte der Betroffenen aus.
„Diese Hilfe wäre ohne die Unterstützung vieler engagierter Menschen nicht möglich gewesen“, sagt Chau Kim Heng: „Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebenssituationen sind zusammengekommen, um anderen zu helfen – Kevin Jack, Chris Nash, Mönch Ham Panha, EBC (Educational Broadcasting Cambodia), viele freiwillige Helferinnen und Helfer. Diese Solidarität zeigt, dass Menschlichkeit gerade in Krisenzeiten trägt – und das gibt mir Hoffnung.“
Für Chau Kim Heng war diese Situation auch persönlich tief berührend. Als Kind erlebte er selbst Flucht, Gewalt und den Verlust seiner Familie während der Schreckensherrschaft des Pol-Pot-Regimes. In einem System, das von Angst und Misstrauen geprägt war, war es damals kaum möglich, einander zu vertrauen. Umso bedeutender war für ihn die Erfahrung, in dieser aktuellen Krise einen spürbaren Zusammenhalt zu erleben – Menschen, die sich gegenseitig unterstützten und tatkräftig gemeinsam Hilfe leisteten. Dieser gelebte Zusammenhalt machte die Soforthilfe nicht nur möglich, sondern verlieh ihr eine besondere menschliche Kraft.
Die Unterstützung umfasste unter anderem Grundnahrungsmittel, Trinkwasser, medizinische Basisversorgung, Hygieneartikel sowie Decken und Schutzmaterialien. Der Fokus lag dabei gezielt auf den Bedürfnissen von Kindern, deren Alltag von einem Moment auf den anderen zerstört wurde.
Inzwischen ist eine Waffenruhe in Kraft getreten, und erste Familien versuchen, in ihre Heimatorte zurückzukehren. Für viele bleibt die Situation jedoch unsicher: Häuser sind zerstört, Lebensgrundlagen verloren, Existenzen bedroht.
Friedensdorf International versteht die geleistete Hilfe als humanitäre Soforthilfe in einer akuten Notsituation – verbunden mit der Hoffnung, dass aus der aktuellen Waffenruhe ein dauerhafter Frieden entsteht und Kinder möglichst bald in ihre Normalität zurückkehren können